Abschluss der Regionalliga-Saison

Manege frei für den Löwen-Zirkus: Wir ziehen Jahres-Bilanz

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Direktor, Houdini, Investor: Hasan Ismaik hat bei den Münchner Löwen viele Rollen.

Menschen, Tiere, Sensationen – alles war (wieder) zu erleben und bestaunen in Giesing und Umgebung. Manege frei für die Preisverleihung bei Münchens beliebtestem Zirkus: dem TSV 1860!

Mit dem Spiel in Bayreuth endet am Samstag die reguläre Saison für den TSV 1860. Die Entscheidung über den Aufstieg des Regionalliga-Meisters fällt in den Relegationsspielen gegen den 1. FC Saarbrücken am 24. und 27. Mai. Das hindert uns nicht daran, Bilanz zu ziehen:

Der beste Zaubertrick: Gleich zu Beginn die schwierigste Entscheidung, die wir als unabhängige Jury ganz nach 1860-Manier lieber vertagen. Denn: Bis zuletzt ließ sich nicht hundertprozentig aufklären, wer ihn nun herbeigezaubert hat, diesen Jahrhundertabstieg. War es Hasan „Houdini“ Ismaik mit seinem gar nicht mal so neuen Zugenähte-Taschen-Trick? Oder lag’s doch eher an Roy Reisinger und Siegfried Drees, den Gebrüdern Nadel und Stich, wie sie in Underground-Zirkus-Kreisen genannt werden? Klar ist bislang nur eines: Der beste Trick ist der, an den sich nicht mal mehr der Künstler selbst erinnert.

Bester Zirkusdirektor: Hier kann es nur einen Sieger geben – Hasan Ismaik! Sicher, Daniel Bierofka hat den Laden zusammengehalten, als nach dem Abstieg nur noch die Außenwände standen. In Bewegung hält die Gaudi aber nur der Mann aus Abu Dhabi. Ein Mucks aus Nahost, und alles steht still. Oder umgekehrt.

Spionage? Warum Saarbrückens Beobachter ihre Notizblöcke zerissen haben

Überzeugendste Dressur: Anfangs war’s ein Kopf-an-Kopf-Rennen, am Ende hat sich auch hier Hasan Ismaik gegen den e.V.-Verwaltungsrat und Präsident Reisinger durchgesetzt. Einen Betriebsratsvorsitzenden zum Sprecher eines arabischen Millionärs zu machen, das ist Königsklasse.

Auf dem Platz lief es bei den Löwen in der Saison 2017 / 2018 oftmals rund. Abseits des Rasens gab es wieder mal den ein oder anderen Nebenkriegsschauplatz.

Clown-Einlage der Saison: Es soll ja Menschen geben, die das ganze Phänomen Sechzig als endlose Clownsnummer interpretieren. Dazu gehören wir selbstverständlich nicht. In dieser Saison gab es weder ein „We go to the top“ zu hören, noch kaufte irgendjemand irgendeinen Brasilianer. Freunde des Sarkasmus kamen trotzdem auf ihre Kosten, am meisten in der ersten Halbzeit des jüngsten Derbys. Doch obacht! Wie die wenigsten wissen werden, war der kollektive Apathie-Anfall Teil eines großen blauen Bluffs. Spione aus Saarbrücken sollen auf den Tribünen beim Zerreißen ihrer Notizblöcke beobachtet worden sein.

Heißester Drahtseilakt: Als Allesfahrer und Edelfan war Franz Hell jahrzehntelang einer der beliebtesten Löwen überhaupt. Als er sich vor Jahren als Sympathisant der Fangruppierung Pro1860 äußerte, rückten viele der organisierten ARGE-Fans von ihm ab. Nun hat sich Hell als Beisitzer im ARGE-Vorstand auch noch den Unmut der Ismaik-Gegner zugezogen. Doch selbst auf dem Drahtseil zwischen den Stühlen lässt es sich in relativer Gelassenheit leben. Wer Hell kennt, der weiß, dass es ihm am Ende immer nur um das Wohl seiner Löwen geht. Der Rest ist – wie bei der Gerechtigkeit – Definitionssache.

Der wahre Star: Ein Hund im Löwen-Gehege

Schärfste Tiernummer: Schauspielerin Senta Auth hat durch ihre Fernseh-Rollen (u.a. als Vroni Brunner bei „Dahoam is dahoam“) einen beachtlichen Bekanntheitsgrad im süddeutschen Raum erreicht. Der wahre Star unter Löwenfans ist freilich ihr Hund Nora. Auf dem Pressefoto der Verwaltungsratskandidaten des sogenannten Teams Profifußball durfte auch der Auth’sche Vierbeiner nicht fehlen. Ob’s daran liegt, dass sie bei Sechzig längst auf den Hund gekommen sind? Für Bildbearbeitungs-Humoristen war’s jedenfalls ein gefundenes Fresschen.

Sonderpreis: Sascha Mölders. Der erfolgreichste Torjäger der Löwen soll hier nicht für seine Trefferquote geehrt werden, sondern für seine Verdienste ums große Ganze. Mölders ist der Mann, der Zigtausende von Sonntagskickern Spieltag für Spieltag von ihren Komplexen befreit. Seit dem späten Davor Suker hat niemand mehr seinen nicht vorhandenen Sixpack würdevoller über den Platz bewegt als die instinktsichere Abrissbirne aus Essen. Im Grunde ist Mölders die perfekte Verkörperung des einstigen Arbeiterklubs TSV 1860. Und er ist zwei Jahre jünger als Franck Ribéry. Genau, da geht noch was!

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