Mario Leo spricht über Chancen der Corona-Krise

Social-Media-Profi: „Ein Club muss mit den Fans in Dialog treten“

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Prominente Bekanntschaft: Mario Leo bei einem UEFA-Treffen mit Roberto Mancini, dem Trainer der italienischen Fußballnationalmannschaft. 

Mario Leo überwacht als Berater 22.000 Social-Media-Profile von Sportstars und Vereinen. Im Interview spricht er über Chancen der Corona-Pandemie für Sportler.

  • Mario Leo hat mit Vereinen wie Borussia Dortmund oder Juventus Turin zusammengearbeitet.
  • Der Social-Media-Experte spricht im Interview über Chancen der Corona-Krise für Vereine und Sportler
  • Leo fordert die Branche während der Pandemie zu einem Umdenken auf. 

München – Die Corona-Krise bedroht den Spitzensport: Fußballvereine wie die SpVgg Unterhaching haben ihren Hauptsponsor verloren. Die Alpenvolleys Haching ziehen ihr Team aus der Ersten Liga zurück. Ein düsteres Szenario droht Olympiasiegern und Weltmeistern, die schon zuvor nicht von ihrem Sport leben konnten. Mario Leo betreut Spitzensportler auf der ganzen Welt. Sein Wissen über die Zusammenarbeit mit Top-Clubs wie Borussia Dortmund oder Juventus Turin hat er in das Buch „Kaufen Sie Ronaldo“ gepackt. Er hat 22.000 Social-Media-Profile im Blick. Bei den Beiträgen der Vereine und Sportler fehlen ihm oft kreative Ideen. Und das Gespür, auf welche Inhalte es in der Corona-Krise für die Gesellschaft wirklich ankommt.

Sportvereinen und Profi-Sportlern droht die Insolvenz. Wie sehen kurzfristige Maßnahmen aus, um auf die Corona-Krise zu reagieren?

Die Situation ist kritisch. Das schlimmste Szenario für die Clubs ist die Ungewissheit, wann und ob es überhaupt weitergeht. Ich glaube, dass wir frühestens Anfang Juni wieder Profisport sehen können. Dafür müssten die Spieler konsequent abgeschottet werden. Ohne den Wettkampf fehlt den Sportlern die Reichweite, um ihre Sponsoren zu präsentieren. Deshalb müssen sie auf ihre Unterstützer zugehen. Sie müssen sich gemeinsam überlegen, wie eine wirkungsvolle Präsentation in den digitalen Kanälen aussehen kann.

„Corona-Krise kann für Mannschaften und Sportler eine große Chance bieten“

Reicht es, wenn ein Sportler mit einer Klorolle balanciert und das Sponsoren-Logo in die Kamera hält?

Davon muss ich abraten. Wenn sich Menschen im Aldi um Klorollen prügeln, darf ein Sportler damit nicht danteln. Das reißt eine Kluft zwischen dem Profisport und seinen Zuschauern auf. Die Krise trifft alle: Vereine, Sportler und Sponsoren. Vor allem aber Fans, die um ihre Existenz kämpfen. Der Zuschauer darf nicht das Gefühl haben: Den Profisportler betreffen die Sorgen nicht. Der lebt fernab jeder Realität.

Wie können Vereine auf die Bedürfnisse der Gesellschaft in der Krise eingehen?

Eine Krise kann für Mannschaften und Sportler auch immer eine große Chance bieten, die sonst nicht im Fokus stehen. Die Basketballer von Alba Berlin haben hervorragend reagiert. Sie waren die Ersten, die mit ihren Fitnesstrainern Trainingsvideos erstellt haben. Sie kamen mit ihrer Idee zum richtigen Zeitpunkt. Die Vereine brauchen Mut, neue Ideen und sie müssen sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst sein. Dann haben sie die Chance, deutschlandweit wahrgenommen zu werden.

Mario Leo: Sportler müssen sich für Crowdfunding zusammenschließen

Olympiasieger im Ringen, Rudern oder Schwimmen konnten bereits vor der Krise nicht von ihrem Sport leben. Wie können sie die Zeit überstehen?

Die Gesellschaft denkt, sportlicher Erfolg führt zu wirtschaftlichem Erfolg. Die Realität sieht völlig anders aus. Die Sportler müssen sich jetzt zusammentun. Nur so können sie mit einer Crowdfunding-Kampagne Erfolg haben. Einzelkämpfer werden es schwer haben. Wer sich zusammentut, tauscht Ideen aus und kann Großes schaffen.

Welche Strategie schlagen Sie einem Sportler vor, um seine Sponsoren zu halten?

Wir müssen unseren Fokus wieder auf regionale Unternehmen setzen. Spitzensportler können der Hebel sein, dass diese Unternehmen eine größere Strahlkraft bekommen. Ich hoffe, dass nach dieser Pandemie vor allem eines bei der Gesellschaft hängen bleibt: Macht es Sinn, immer nur rein betriebswirtschaftlich zu denken? Ich finde es dramatisch, dass wir kaum mehr Antibiotika bekommen, die nicht in China produziert werden.

„Warum treten Vereine nicht ihren Zielgruppen in Interaktion?“

Gibt es bereits nachahmenswerte Beispiele?

Der Eishockeyclub ERC Ingolstadt hat mit seinem Trikotsponsor einen Malwettbewerb für seine jungen Fans ausgerufen. Warum kommt nicht mehr davon? Warum treten die Vereine nicht mit ihren unterschiedlichen Zielgruppen in Interaktion? Mir fehlen die Ideen. Aktuell werden alte Sportvideos von 1960 bis 1990 durchgenudelt. Ich will nicht das Weltmeisterschaftsspiel von 1990 zum siebten Mal sehen. Das hat denselben Effekt, wie wenn jedes Jahr Sissi zu Weihnachten läuft.

Wie lange gehen solche Aktionen ohne Wettkampfsport gut?

Es darf bei den Beiträgen nicht mehr um sportlichen Erfolg gehen. Die Pandemie ist für unsere Gesellschaft neu. Die Clubs müssen Themen besetzen, die für die Gesellschaft relevant sind. Die Profis müssen das Gefühl vermitteln, dass die Gesellschaft mehr denn je zusammenrücken muss. In den Medienabteilungen der Vereine müssten ‚Psychologen‘ arbeiten, die auf die Sorgen und Bedürfnisse der Fans eingehen. Ein Club muss es mehr denn je schaffen, mit seinen Anhängern in einen Dialog zu treten.

Das Video-Interview mit Mario Leo in voller Länge

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