Der Löwen-Jugendleiter über die Führung junger Talente

Matthes: "Druck kann man nicht wegdiskutieren"

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Roy Matthes, Jugendleiter bei den Münchner Löwen, ist selbst A-Lizenz-Trainer.

TSV 1860 München (Jugend) - Im zweiten Teil unseres Interviews mit Löwen-Jugendleiter Roy Matthes sprechen wir über die Führung sehr junger Talente und darüber, wie die kommenden Stars bereits früh mit Druck umgehen müssen.

Der Alltag junger Fußballtalente ist sicher nicht so rosig, wie manche sich ihn vorstellen. Die meisten Gleichaltrigen haben viel Freizeit, während sie sich in einem komplett durchgetakteten Tagesablauf ständig neuen Herausforderungen stellen müssen. Ein weiteres Problem: der teils enorme Leistungsdruck, der schon in jungen Jahren auf den Spielern lastet.

Roy Matthes, Jugendleiter beim TSV 1860 München, erklärt uns im Interview, wie von Vereinsseite aus mit diesem Druck umgegangen wird. Außerdem spricht der ehemalige D-Jugend-Trainer der Sechzger über eine mögliche Rückkehr zum Trainerengagement bei den Junglöwen.

Darius Wosz, Techniktrainer beim VfL Bochum, hat vor ein paar Jahren gesagt, dass man im Aufbaubereich den Kindern einfach einen Ball hinwerfen sollte und sie Spaß haben lassen. Ist das heutzutage noch möglich oder ist dafür der Wettbewerbsdruck einfach schon zu groß?

Das geht bei 5- bis 8-Jährigen. Ab dem Grundlagenbereich, also bei uns ab der U10, ist das nicht mehr sinnvoll. Ich kann von einem 9-Jährigen erwarten, dass er bereit ist, bestimmte Techniken wie Kurzpass, Finte, etc. zu erlernen. Er braucht natürlich einen Trainer, der methodisch geschult ist und Erfahrung in der Arbeit mit Kindern hat. In diesem Alter braucht es schon strukturiertes Training mit Zielvorgaben, man sollte die Jungs nicht sich selbst überlassen.

Kommen im Aufbaubereich auch mal junge Spieler zum TSV, die zuvor kein professionelles Training erhalten haben? Oder muss beim Heimatverein schon eine gewisse Professionalität gegeben sein, damit der Spieler eine Chance hat?

Professionalität im Heimatverein ist natürlich immer hilfreich, ich würde das aber eher an der einzelnen Trainerperson im Heimverein festmachen. Wenn die Trainingsphilosophie und die Übungsauswahl stimmt, hat der Spieler bessere Voraussetzungen. Bei Stagnation oder mangelnder Freude am Fußball sollte er über eine Veränderung nachdenken, es gibt viele Möglichkeiten der Weiterentwicklung.

Sie geben bereits sehr jungen Spielern regelmäßig Feedback über ihre Leistungen. Haben sie Angst, dass dadurch bei den Spielern daheim Druck gemacht wird, wenn es mal nicht so läuft? Wie geht man mit Eltern um, die mit zu viel Ehrgeiz dabei sind?

Das Feedback an Spieler und Eltern ist für uns sehr wichtig und je älter die Spieler werden, desto häufiger bekommen sie es. Bei den älteren Jahrgängen wird das aber auch stärker von den Jungs selbst eingefordert. Den Druck kann man nun mal leider nicht ganz wegdiskutieren. Wir versuchen schon, mit den Eltern zu reden, um unnötigen Ballast von daheim zu vermeiden. 95% der Eltern sind sehr engagiert und fiebern mit, ohne dabei den Spielern Probleme zu bereiten. Und bei den restlichen 5% suchen wir das Gespräch und erörtern Lösungen. Es kann manchmal hilfreich sein, einem engagierten Vater zu sagen, dass einen Spielauswertung nach dem Spiel im Auto nicht sinnvoll ist. Das ist Aufgabe des Trainers. Denn wenn diese Aussagen nicht übereinstimmen, wird es schwierig. Grundsätzlich sind die Eltern sehr wichtig, weil die Spieler eine Schulter zum Anlehnen brauchen, wenn es mal nicht so läuft. Sie brauchen den Rückhalt, denn schon ab der U13 definieren sich die Spieler stark über die eigene Leistung.

Die Löwen-Fußballschule ist ja ein breitensportorientiertes Freizeitprogramm. Allerdings bieten sie in den Camps auch individuelles Talentfördertraining an. Haben auch schon mal Jugendspieler über diesen Weg zum TSV gefunden?

Die Trainer dort sind dazu angehalten, nach vielversprechenden Spielern Ausschau zu halten. Das Fördertraining ist ein gutes Sprungbrett, uns fallen dort immer wieder gute Spieler auf.

Sie sind selbst A-Lizenz-Trainer. Können Sie sich vorstellen, eines Tages ausschließlich als Trainer zu arbeiten?

Ich habe bei den Löwen ja bereits im D-Jugendbereich trainiert und mich dann bewusst entschieden, Juniorenleiter zu werden. Im Moment kann ich mir das zeitlich nicht leisten, von dem her ist das in naher Zukunft recht unwahrscheinlich. Aber grundsätzlich stehe ich immer auch noch gerne auf dem Platz, beobachte die Jungs in Ihrer Entwicklung und freue mich, wenn sie ihren Weg erfolgreich gehen!

Hier geht's zum ersten Teil des Interviews

Interview: Jakob Neumaier

Quelle: fussball-vorort.de

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