Peter Grosser und Christopher Schindler

Meisterlöwe rät 1860-Kapitän: "Falte die Jungs zusammen"

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Peter Grosser (r.) rät Christopher Schindler: "Du musst als Kapitän die Kollegen auch zusammenfalten."

München - 1860-Kapitän Christopher Schindler traf sich mit Meisterlöwe Peter Grosser zum Gespräch beim Italiener. Die tz war dabei und erlebte, welche Ratschläge der ehemalige dem aktuellen Spielführer gab.

Zwei Löwen-Kapitäne – zwei Welten. Der eine, ­Peter Grosser, durfte als bisher einziger Spielführer der Blauen im Mai 1966 die Meisterschale in Empfang nehmen, der andere, Christopher Schindler, kämpft derzeit mit dem TSV 1860 um den Klassenerhalt in der 2. Liga.

Auf Einladung der tz trafen sich die beiden jetzt im Ristorante La Locanda und plauderten über damals und heute. Ein Käpt’ns Dinner sozusagen. Sogar mit einem Hauch von aktuellem Titelduft. Das Locanda zählt nämlich auch zu den Lieblings-Italienern von Bayern-Coach Pep Guardiola. Die Roten allerdings waren kein Thema beim Gespräch zwischen den beiden Kapitänen.

Herr Schindler, die einzige Meisterschaft der Löwen ist lang her. Was verbinden Sie mit dem Namen Peter Grosser und seinen einstigen Kollegen?

Schindler: Schon viel. Mein Vater, der jetzt 63 ist, war damals regelmäßig im Sechz’ger-Stadion und hat mir schon als Bub viel von damals erzählt. Und Peter Grosser ist natürlich ein Idol für alle Löwen-Fans.

Er ist damals Deutscher Meister geworden, davon kann man heute nicht mal mehr träumen, oder?

Grosser: Moment mal. Die Frage ist gemein. Was soll der Christopher darauf sagen?

Schindler: Mein Traum ist nach wie vor, in die Erste Bundesliga aufzusteigen.

Grosser: Was auch immer noch ein realistisches Ziel ist, wenn man es richtig anpackt.

Wie meinen Sie das genau?

Grosser: Dass einfach alles stimmen muss. Die Führung, das sportliche Management, die Zusammenarbeit mit dem Investor. Dann kann es ganz schnell gehen.

Ist es eigentlich eine Ehre, Kapitän beim TSV 1860 zu sein?

Grosser: Jein. Es ist Ehre und Verantwortung. Früher war der Kapitän wie ein Betriebsrat, der sich um die Prämien für die anderen Spieler kümmern musste und sehr viel Verantwortung hatte. Und das, Christopher, möchte ich dir mit auf den Weg geben. Zeig mehr Verantwortung, falte die Kollegen auch mal richtig zusammen, wenn es sein muss. So wie zuletzt beim 1:1 gegen Aalen kann es doch nicht sein, dass ihr 75 Minuten des Spiels verschlaft.

Schindler: Ich übernehme durchaus Verantwortung, werde auch laut und falte schon mal einen zusammen. Aber natürlich muss ich in das Amt auch noch reinwachsen, ich bin ja erst ein halbes Jahr Kapitän. Und dass ich in einigen Spielen auch an Gegentoren beteiligt war, macht die Sache nicht einfacher.

Grosser: Trotzdem. Du bist Kapitän und aus. Egal, ob du das Amt erst vor einem halben Jahr übernommen hast. Zeig dich. Sag den anderen, wo’s lang geht vor dem Spiel. In den Heimspielen muss vom Anpfiff weg Leben in der Bude sein, aber so wie ihr das immer angeht, da schlafen einem ja die Füße ein. Da wird der Ball hinten erst nach links und dann nach rechts gespielt, und irgendwann landet er wieder beim Torwart. Mich hätten sie damals nach zwei Rückpässen gnadenlos ausgepfiffen. Das sind eure Heimspiele, da darf kein Aalen, Sandhausen oder Aue frech den Ton angeben. Da muss auch mal vom Gegner einer über die Seitenlinie fliegen…

Habt Ihr die Typen dafür? 

Schindler: Na ja, so richtige Treter jetzt nicht. Aber wir wollten ja auch im Sommer eine spielstarke Mannschaft auf die Beine stellen, die über das Fußballerische kommt und nicht die Leute über die Linie haut.

Wen haben Sie eigentlich oft zusammenfalten müssen, Herr Grosser?

Grosser: Einige. Häufig den „Radi“, unseren Torwart. Der hat’s oft gebraucht, wenn er mal wieder im Spiel Unsinn getrieben hat.

Sie sollen ja auch die Entlassung von Meistertrainer Max Merkel im Dezember 1966 initiiert haben…

Grosser: Moment. Die Mannschaft hat abgestimmt und sich mit großer Mehrheit dagegen entschieden, dass der Vertrag von Merkel über die Saison hinaus verlängert wird. Das habe ich als Kapitän dem damaligen Präsidenten Adalbert Wetzel natürlich mitteilen müssen. Merkel war ja drauf und dran, uns zu Tode zu trainieren. Deshalb behaupte ich auch, dass wir trotz Merkel Meister geworden sind. Im Frühjahr 1966 waren wir so kaputt, dass die Gefahr bestand, den Titel zu verspielen. Wir haben deshalb gegen Merkel aufbegehrt, und der war daraufhin so eingeschnappt, dass er zwei Wochen lang das Training nicht mehr geleitet hat, sondern mit seinem Hund spazieren gegangen ist.

Schindler (staunt): Echt wahr? Wer hat denn dann das Training geleitet?

Grosser: Wir Spieler. Ein bisschen aufwärmen, etwas kicken. Mehr brauchte es nicht. Wir waren ja von den Monaten vorher total kaputt.

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Könnten Sie sich vorstellen, Herr Schindler, als Kapitän quasi einen Trainer „abzuschießen“?

Schindler: Nein. Du sitzt ja zwischen den Stühlen, bist sowohl verlängerter Arm des Trainers als auch der Mannschaft.

Wurde Ihre Meinung bei den Entlassungen von Moniz und von Ahlen vorher eingeholt?

Schindler: Nein. Sportchef Gerhard Poschner hat mich nur als ersten Spieler angerufen und über die Tatsache informiert.

Welche Zukunft hat 1860?

Grosser: Immer noch eine gute, das habe ich ja schon gesagt. Der Verein hat immer noch so viele Anhänger, die sich aber im Moment nicht zeigen. Aber die Farben wechseln sie nicht.

Schindler: Vor eineinhalb Jahren in der vollen Allianz Arena gegen Dortmund im Pokal hat man doch gesehen, was möglich ist. Das war absolute Gänsehaut. Ich war bei einigen Champions-League-Spielen der Bayern, da wird nur hinter einem Tor angefeuert. Bei uns hat damals das ganze Stadion gebrüllt…

Interview: tz

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