Kabarettist über Löwen, Bayern und seinen großen Wunsch

Altinger: "Wahre Leidenschaft heißt 1860"

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Michael Altinger (r.) zusammen mit der 1860-Fanbeauftragten Jutta Schnell und Kollege Ottfried Fischer in der Arena.

München - Die tz unterhielt sich mit Kabarettist und BR-„Schlachthof“-Moderator Michael Altinger über das Warum, Wohin und Wofür bei den Löwen.

Sechzig ist, wenn man trotzdem lacht… Kabarettist und BR-„Schlachthof“-Moderator Michael Altinger, 44, weiß, wovon er spricht. Als Stadiongänger und Mitglied bei Münchens zweiterfolgreichstem Fußballverein sitzt er in der Gefühlsachterbahn ganz weit vorne (oder hinten?), erlebt die seltenen Freuden und regelmäßigen Enttäuschungen der Blauen hautnah mit. Die tz unterhielt sich mit Altinger über das Warum, Wohin und Wofür bei den Löwen.

Herr Altinger, wie viel Humor braucht es, um den TSV 1860 in dieser Saison als Fan zu ertragen?

Michael Altinger: Als Löwenfan brauchst du grundsätzlich sehr viel Humor. In dieser Saison sind bei mir zum Humor noch sehr viel Geduld und Nehmerqualitäten hinzugekommen. Den Begriff der „Leidensfähigkeit“, den man ja gern mit den Löwenfans in Verbindung bringt, mag ich übrigens überhaupt nicht, weil er mir einfach zu negativ ist. Ich schaue lieber positiv nach vorn. Und ich glaube, dass diese Haltung in der aktuellen Situation auch nicht völlig unbegründet ist.

Kann man als Kabarettist in Altbayern nur Löwenfan sein?

Michael Altinger: Ja, und nochmals ja! Wenn man eine Leidenschaft für den Fußball hat, dann kommen für unsere Zunft nur die Löwen in Frage! Das sage ich ganz bewusst und mit dem Wissen, welche Kollegen sich für einen anderen Münchner Ballsportverein entschieden haben.

Wer leidet denn am meisten? Ottfried Fischer, Christian Springer oder Sie?

Michael Altinger: Für meinen Teil kann ich mich hier nur wiederholen: Ich leide nicht, ich bleibe Optimist! Für den Otti kann ich sagen: Der hat bezüglich 1860 noch viel mehr Humor als ich. Und der Christian engagiert sich für Flüchtlinge in Syrien und im Libanon. Der weiß, was wirkliches Leid ist. Da verbietet sich jeder Vergleich mit den Sechzigern.

Wie stehen Sie zum FC Bayern?

Michael Altinger: Wenn ich hier eine ganz objektive Haltung einnehme, was mir nicht sehr leicht fällt, dann gebe ich unumwunden zu: Da gibt’s schon die ein oder andere Aktion auf dem Spielfeld, die durchaus dazu führen könnte, dass Fußballlehrbücher einmal umgeschrieben werden müssen. Aber ich bleibe subjektiv und meine: Wahre Leidenschaft heißt 1860 München!

Sie sind Mitglied Nummer 20.000 bei den Löwen. Als Sie im Oktober 2012 eintraten, sagten Sie: „Mir taugt der Kurs des Präsidenten, ich glaube an den Verein und es macht Sinn wie nie, jetzt Löwe zu werden.“ Der Präsident hieß damals Dieter Schneider, 1860 war ein Klub, der im oberen Zweitliga-Mittelfeld spielte. Würden Sie in der jetzigen Situation immer noch eintreten?

Michael Altinger: Auf jedem Fall! Weil die Löwen grad jeden brauchen können, der sich für sie stark macht. Aber es stimmt schon: Über den Kurs, den man im Präsidium für diese Saison eingeschlagen hatte, wird verständlicherweise heftigst gestritten – gerade was die Einkaufspolitik des Herrn Poschner betrifft. Man hat da sehr hoch gepokert und kann jetzt gerade noch darauf hoffen, mit einem tiefblauen Auge davonzukommen. Mein Wunsch wäre, dass man für die nächste Saison einmal keine jungen Eigengewächse wie Wolf oder Weigl abgeben muss und mit einer gewachsenen Mannschaft das Ziel Erste Liga noch einmal ernsthaft ins Auge fassen kann.

Welche drei Dinge würden Sie verändern, wenn Sie für einen Monat die Geschicke bei 1860 bestimmen dürften?

Michael Altinger: In erster Linie ginge es mir darum, einmal Ruhe in den Verein zu bringen. Das schafft aber sicher kein Mensch in einem Monat (lacht).

Derzeit gibt es eh nur ein Thema: Wo steht Sechzig am 24. Mai um 17.20 Uhr?

Michael Altinger: Nach dem letzten Spiel in Karlsruhe? Also ich glaube, dass wir bereits am 17. Mai, nach unserem letzten Heimspiel gegen den Club den Klassenerhalt feiern werden. Dann hauen wir auf diese Saison ganz schnell den Deckel drauf und hoffen auf ein etwas beruhigteres Umfeld, weil das nämlich die Grundvoraussetzung für den sportlichen Erfolg ist.

Und wo sehen Sie die Löwen in zwei, in fünf und in zehn Jahren?

Michael Altinger: In zwei Jahren sehe ich die Löwen in der Bundesliga. In fünf Jahren in der Zweiten Liga. Und in zehn Jahren wieder in der ersten Liga, nachdem man aber zwischendurch einen Abstecher in die dritte Liga gemacht hat. Aber in erster Linie sehe ich die Löwen im Grünwalder Stadion. Es ist ein tiefes Bedürfnis nach der eigenen Heimat da, aber man muss auch Realist bleiben. Der Münchner OB hat die Tür einen Spalt aufgemacht und schon gehen die Hoffnungen durch die Wolken. Aber das gehört ja auch zu Sechzig. Im Träumen macht uns so leicht keiner was vor.

Interview: lk

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