Ex-Löwen-Keeper redet im tz-Interview Klartext

Michi Hofmann: "Die 1860-Fans werden nur noch verarscht"

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Michael Hofmann.

München - Ex-Löwen-Keeper Michael Hofmann spricht im tz-Interview über die Gründe für den Niedergang beim TSV 1860. Der Ur-Sechzger nimmt dabei kein Blatt vor den Mund.

Der TSV 1860 Ende des Jahres 2015 – Fassungslosigkeit, wohin man blickt. Auch bei ehemaligen Spielern, denen der Verein viele Jahre nach dem Karriereende immer noch am Herzen liegt. Wie Michael Hofmann, der vierzehn Jahre lang als Torhüter an der Grünwalder Straße unter Vertrag stand und erfolgreiche Erstliga-Zeiten miterleben durfte. Jetzt droht die Dritte Liga, wenn nicht sogar noch Schlimmeres Die tz sprach mit Hofmann (43) über Ursachen, Fehler, Funktionäre und Investoren sowie Abstiegsängste.

Herr Hofmann, mit welchen Gefühlen verfolgen Sie die Geschehnisse beim TSV 1860?

Hofmann: Wenn ich jetzt was sage, fühlen sich einige Leute im Verein wieder auf den Schlips getreten.

Ein Problem für Sie?

Hofmann: Das Problem ist, dass es in diesem Verein von Jahr zu Jahr schlechter wird. Die Tabelle präsentiert knallhart das Ergebnis. Die Fans müssen sich völlig verarscht vorkommen.

Die Gründe?

Hofmann: Der Investor hat in den vergangenen viereinhalb Jahren fast vierzig Millionen Euro in den Verein gesteckt, und man sieht keine Entwicklung oder ein positives Ergebnis. Bei den wichtigen Positionen im Verein gibt es nämlich keine Kontinuität, weil die handelnden Personen permanent ausgetauscht werden. Jedes Jahr gibt es einen neuen Präsidenten usw. usw. So was kann nicht gut gehen.

Was stört Sie besonders?

Hofmann: Dass überhaupt kein Plan da ist, dass kein Spieler besser gemacht wurde. Und wie man mit verdienten Spielern, zum Beispiel einem Benny Lauth, umgegangen ist. Aber dafür wird plötzlich ein sogenanntes Kompetenzteam ins Leben gerufen, das den Präsidenten beraten soll. Oder man leistet sich seit Jahren einen Kaderplaner, von dem ich bis heute keine Ahnung habe, was der macht. Die Transferpolitik ist gleich null. Und all die Leute in der Führung predigen was von Tradition, bloß, weil sie über die Geschichte des Vereins schnell mal was in einem Buch nachgeschaut haben. Und es wird immer ganz schlau dahergeredet, aber untereinander sind sie sich nicht einmal im Klaren darüber, welchen Plan sie eigentlich haben. Das ist nur ein egoistischer Haufen, und diese Leute sind dann die Ersten, die beim Niedergang weg sind.

Die eklatante Führungsschwäche als Auslöser für die sportliche Misere. Wie beurteilen Sie die Mannschaft? Ist sie noch zu retten?

Hofmann: Diesen Verein kannst du fast nicht mehr retten, in der Verfassung, in der sich die Mannschaft präsentiert. Nur 15 Tore in 19 Spielen, das sagt doch alles. Da fehlt die Qualität. Aber mir geht auch das kämpferische Element ab, solche Leistungen wie zuletzt darf man einfach nicht bringen. Das geht nicht.

Dabei dachte man, unter Trainer Benno Möhlmann und Sportchef Oliver Kreuzer ginge es aufwärts…

Hofmann: Natürlich bringen die beiden Fußballsachverstand mit. Aber ob sie im Haifischbecken 1860 mitschwimmen können, ist trotzdem die große Frage.

Als ganz großer Fisch schwimmt nach wie vor Hasan Ismaik mit, der Investor sorgte erst kürzlich wieder für Schlagzeilen. Wie beurteilen Sie sein Tun?

Hofmann: Das fällt mir schwer. Jeder sagt was anderes über ihn. Was mir auffällt: Die Kommunikation zwischen ihm und seinem Cousin Noor Basha (Geschäftsführer bei 1860, d. Red.) scheint ja wohl auch nicht so zu stimmen.

Preisfrage zum Abschluss: Schafft der TSV 1860 den Klassenerhalt?

Hofmann: Man müsste jetzt wahrscheinlich jedes zweite Spiel im neuen Jahr gewinnen – diese Qualität ist, so glaube ich, nicht drin in der Mannschaft. Die Relegation ist wohl das Höchste der Gefühle.

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