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Kommentar zum Köllner-Verbleib: Gut, dass früh Klarheit herrscht – Löwen haben viel zu tun

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Von: Uli Kellner

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Unser Sportredakteur Uli Kellner sagt: Michael Köllner muss seine Mannschaft wieder in die Spur bringen, sonst gibt es viele Verlierer in Giesing.
Unser Sportredakteur Uli Kellner sagt: Michael Köllner muss seine Mannschaft wieder in die Spur bringen, sonst gibt es viele Verlierer in Giesing. © Ulrich Wagner / Imago / Klaus Haag

Beim TSV 1860 türme sich die sportlichen Probleme. Michael Köllner hat die Chance verdient, alles wieder in den Griff zu bekommen, sagt Sportredakteur Uli Kellner.

„Wenn Insider Informationen zur Presse durchstecken, ist das kein Ruhmesblatt für den Verein . . .“

Noch am Freitag hatte Michael Köllner gegen Maulwürfe gepoltert, die angebliche Geheim-Informationen preisgeben und auf diese Weise den Betriebsfrieden beim TSV 1860 stören. Drei Tage und ein weiteres siegloses Spiel später die nächste geleakte Info, diesmal eine, die ihm gefallen dürfte: „Köllner bleibt!“ meldete ein Onlineportal am Morgen nach dem Jahresabschluss-1:1 gegen Essen. Eine Quelle wurde nicht genannt, aber unsere Zeitung weiß, dass die Meldung einen konkreten Hintergrund hat. Sie fußt auf einem Beschluss der Ismaik-Seite, der sich keiner vom Verein entgegenstellen möchte.

Sollte die e.V.-Seite nicht im letzten Moment zur Streitaxt namens 50+1 greifen, darf Köllner also weitermachen. Keine Selbstverständlichkeit, wenn man bedenkt, dass sein Team aus den ersten sieben Saisonspielen stolze 19 Punkte holte, zuletzt dann aber – aus den zehn Spielen seit Anfang September – gerade mal 11 Punkte.

Eine bedenkliche Entwicklung, auch vor dem Hintergrund, dass dem Trainer im Sommer sämtliche Transferwünsche erfüllt wurden. Viele Teams mit Ambitionen werden im Laufe einer Saison besser, sie treten zunehmend als Einheit auf – die Löwen dagegen bauen in einer Weise ab, die sich nicht nur in den geschossenen Toren niederschlägt (Vrenezis Elfmeter gegen Essen beendete eine sechsstündige Flaute). Sie laufen zwar, aber ohne Kompass, ohne Inspiration und auch das: ohne zwei von Köllners Wunschspielern, die am Montag nicht mal mehr den Sprung in den 20er-Kader geschafft haben (Boyamba, Kobylanski). Wie kann das sein? Wann und warum ist etwas kaputtgegangen? Zuletzt wirkten die Löwen nicht mehr wie eine Mannschaft, die die innere Überzeugung hat, aufzusteigen – sondern wie eine tief verunsicherte Mannschaft, die Hilfe braucht.

Die Löwen trauen Köllner zu, diese Probleme in den Griff zu kriegen. Gut, dass früh Klarheit herrscht – somit kann ein gestärkter Trainer, die lange Winterpause nutzen, um an den richtigen Stellschrauben zu drehen. Eine Chance, die sich Köllner mit seiner zugewandten Art verdient hat. Schafft er die Wende, sind alle glücklich und der Verein spielt künftig wie geplant in der 2. Liga. Die Kehrseite: Scheitert er und setzt sich die Löwen-Krise 2023 nahtlos fort, wird es viele Verlierer geben – vor allem diejenigen, die ihre Zweifel am Weiter-so um des lieben Friedens willen über Bord geworfen haben. (Uli Kellner)

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