Ehemaliger Leader des TSV 1860 II im Interview

Wasserburg-Coach Kokocinski: „Das ist der perfekte Verein“

Michael Kokocinski könnte mit den Wasserburgern den Aufstieg in die höchste Amateur-Liga schaffen
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Michael Kokocinski könnte mit den Wasserburgern den Aufstieg in die höchste Amateur-Liga schaffen

Michael Kokocinski hat in seinem ersten Spiel als Trainer in Wasserburg ein Unentschieden geholt. Im Interview spricht der langjährige Leader der Münchner Junglöwen über seine neue Aufgabe.

Michael Kokocinski war unter Daniel Bierofka bereits Co-Trainer bei den Amateuren des TSV 1860. Nach Bierofkas Beförderung übernahm er die Mannschaft für acht Wochen. Doch für Koko, wie ihn seine Mitspieler nennen, gibt es wichtigeres im Leben: seine Familie. Der 35-Jährige wollte neben seinem Beruf für seine Kinder da sein. Dass er in der Bayernliga wieder an der Seitenlinie steht, hat er nur einem Zufall zu verdanken. Nach dem Abgang von Leo Haas war beim TSV Wasserburg ein Posten frei. Und Kokocinski war der Favorit des Vereins.

Sie hatten Ihre Trainer-Karriere bereits beendet. Warum kommt es zum Comeback? 

Ich komme aus Rosenheim. Somit wären nur zwei Vereine in Frage gekommen: der TSV 1860 Rosenheim und Wasserburg. Ich will nie mehr aus Rosenheim weg. 

Beide Vereine hatten im vergangenen Jahr sehr gute Trainer. Deshalb war es absurd, noch an eine Trainer-Karriere zu denken. Wer nicht in der Bundesliga gespielt hat, wird es schwer haben, sich dort als Trainer durchzusetzen. Klar gibt es das Beispiel von Julian Nagelsmann. Aber der wollte bereits mit 15 Jahren nichts anderes. 

Wer eine Familie hat und Geld nach Hause bringen muss, für den ist eine Trainer-Karriere nicht machbar. Wer ein NLZ-Team trainiert, steht vier bis fünf Mal in der Woche auf dem Platz. Am Wochenende ist noch ein Spiel. Das ist fast ein Vollzeit-Job, aber leben kann man davon leider nicht.

„Die Emotionen sind wieder hochgekommen“

Dann müssen Sie sich bei Leo Haas bedanken, dass er nach Burghausen gegangen ist? 

(lacht) Das ist typisch Fußball. Der Moment hat einfach gepasst. Als ich das Angebot aus Wasserburg bekommen habe, habe ich gespürt: Das möchte ich machen. 

Die Emotionen sind wieder hochgekommen. Das ist der perfekte Verein, bei dem ich professionell arbeiten kann und die Wege nicht zu weit sind. Wobei ich trotzdem sagen muss, dass es ein extremer Aufwand ist, einen Bayernligisten zu trainieren. Du musst das Training vorbereiten, die Videos der Gegner anschauen, usw… Das ist alles kein Zuckerschlecken.

Kokocinski traut sich Arbeit mit jungen Spielern zu

Wie schwer ist es, Nachfolger von Leo Haas zu sein? 

Der Verein hat einen ähnlichen Trainertypen gesucht. Klar habe ich nicht seine Profi-Erfahrung. Aber als Daniel Bierofka bei den Löwen befördert worden ist, habe ich acht Wochen die zweite Mannschaft trainiert. 

Ich habe gezeigt, dass ich mit jungen Spielern arbeiten kann. In Wasserburg bin ich nicht allein: Mit Niki Wiedmann und Robert Mayer habe ich bereits in Rosenheim gespielt. Das ist ein super Trio.

Niki hat den Verein zusammen mit Leo Haas nach oben geführt. Er war fünf Jahre sein Begleiter. Die beiden haben dieselbe Sprache gesprochen. Hier bin ich direkt an der Quelle gesessen. Gemeinsam mit Niki und Robert können wir einiges erreichen.

Was zeichnet Ihre Trainer-Kollegen aus? 

Hier ist das vergangene Spiel das beste Beispiel. Niki hat in der ersten Halbzeit Dinge gesehen, die er ansprechen musste. Er hat in seiner Ansprache die Jungs nochmal richtig gepushed. Wir haben taktisch umgestellt. Danach ist die Mannschaft ganz anders aus der Kabine gekommen.

TSV Buchbach als Vorbild

Bei Ihrem Antritt haben Sie gesagt, Sie wollen den Spielern Ihre Erfahrung weitergeben. Was meinen Sie damit genau? 

Wenn ich sehe, dass Rosenheim am Wochenende in der 89. Minute ein 0:2 aufholt, am Ende aber 2:4 verliert, sage ich ehrlich: Das wäre in meiner Zeit, als ich dort gespielt habe, niemals passiert.

In dieser Phase spielst du nicht mehr auf Sieg. Du versuchst als Spieler den Ball an der Seitenlinie festzuhalten, eine Ecke oder einen Einwurf rauszuholen. Dass eine Mannschaft am Ende eines Spiels Punkte herschenkt, passiert nicht nur in den unteren Ligen.

Das passiert auch in den hohen Ligen. Buchbach ist das beste Beispiel, wie es richtig laufen sollte. Das haben sie schon immer super gemacht. Diese Mannschaft würde ein knappes 1:0 oder ein 2:2 niemals hergeben.

Auf dem Platz konnten Sie als Führungsspieler in solch einer Situation eingreifen. Wie gehen Sie als Trainer vor?

Du musst deine Spieler permanent daran erinnern. Du musst sie ermutigen, den Mund aufzumachen. In der 90. Minute muss allen bei einer knappen 1:0-Führung klar sein: In dieser Situation darfst du nicht aus 20 Metern aufs Tor schießen. Lieber gehe ich in Richtung Eckfahne. Dein Job als Trainer ist es, die Spieler immer wieder daran zu erinnern, zu erinnern, zu erinnern…. (lacht).

Kokocinski hat wieder Blut geleckt

Wasserburg steht auf Platz zwei. Sind Sie in der kommenden Saison Regionalliga-Trainer?

(lacht) Sie wollen mir entlocken, ob wir mit Wasserburg nach oben wollen? Sagen wir es mal so: Ich habe wieder Blut geleckt und mich für die Trainerscheine angemeldet. Diese Chance habe ich Wasserburg zu verdanken.

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