Der Zehner ist jetzt ein Achter

Michael Liendl will Tore gegen den "Unlauf"

+
Michael Liendl geht von einem Sieg bei Union Berlin aus.

München – In Krisenzeiten müssen Opfer gebracht werden, auch im Fußball. Beim TSV 1860 wurden in der Winterpause fünf Talente abgegeben, fünf Profis geholt, Stammspieler verloren ihre Plätze und Routiniers wie Michael Liendl mussten die eine oder andere Kröte schlucken.

Neues Spielsystem (4-4-2), neue Aufgabenverteilung. Liendl ist plötzlich ein „8er“, doch damit kann er gut leben, denn: Es hätte auch deutlich schlimmer kommen können für den Mann, der nicht aus Zufall die Nummer „10“ auf dem Rücken trägt. „Ich habe immer gesagt, dass ich mich im Zentrum am wohlsten fühle“, sagt der Steirer über seine Rückversetzung um zehn, 20 Meter auf dem Spielfeld. Die Sechs blieb ihm erspart, ebenso ein Job an der Außenlinie: „Ich denke, das ist okay für mich.“ Gleichzeitig betont er: „Wenn der Trainer mich woanders hingestellt hätte, hätte ich auch kein Problem gehabt. In unserer Situation ist kein Platz für Eitelkeiten.“

Seinen Auftritt gegen Nürnberg (0:1) fand nicht nur Sportchef Oliver Kreuzer schwer in Ordnung: „Er hat definitiv einen Aufwärtstrend gezeigt, wie alle eigentlich.“ Liendl spielte auch als Achter viele gescheite Pässe, verlagerte das Spiel, schoss Freistöße und kernig aus der Ferne. Er selber sagt: „Ich hatte eine gute bis sehr gute Vorbereitung. Körperlich fühle ich mich gut drauf, mental sehr frisch, und ich glaube, man hat gesehen, dass ich ganz anders auf dem Platz stehe als noch vor ein paar Wochen.“

"Diese Niederlage hat mich noch lange gewurmt"

Neue Rolle, alte Topform – bloß mit den Punkten hat es noch nicht geklappt. „Diese Niederlage hat mich noch lange gewurmt“, gibt er zu. Die Lage in der Tabelle ist prekär (Platz 17), die Resultate sind es auch. Kein Sieg und nur ein Tor in den fünf Spielen seit dem 4:4 in Paderborn. Gibt es dafür eine Erklärung? „Ein Unlauf ist das“, prägt der Österreicher ein neues Wort: „Ein bisschen Pech ist dabei, mangelndes Selbstvertrauen.“ Fertig ist die Krise.

Kürzlich hatte Liendl, 30, beziffert, dass die Löwen noch sieben, acht Siege holen müssen, um die Klasse zu halten. „Sonst wird sich’s nicht ausgehen“, steierte er in Estepona. Bleibt er bei dieser Einschätzung? „Wir müssen auf jeden Fall in die Spur kommen“, mahnt er: „Und wenn am Ende fünf, sechs Siege reichen, ist’s auch okay.“

Am Sonntag, bei Union Berlin, traut er seinen Löwen in jedem Fall einen Sieg zu. „Die sind nicht weit weg von uns“, sagt er und kündigt an: „Wenn wir wieder so spielen wie gegen Nürnberg, dann wird’s bald klingeln.“ Und wenn er höchstpersönlich dafür sorgen muss.

Auch interessant

Meistgelesen

Zwölf Verträge enden 2018 - welche dieser Spieler bleiben Löwen?
Zwölf Verträge enden 2018 - welche dieser Spieler bleiben Löwen?
Schon jetzt ist klar: Eric Weeger wird am Sonntag Rekord brechen
Schon jetzt ist klar: Eric Weeger wird am Sonntag Rekord brechen
Löwen-Reserve: Nächster Sieg in Traunstein?
Löwen-Reserve: Nächster Sieg in Traunstein?
1860 vor dem Derby in Augsburg: Tabelle gut, Team gut, Stimmung gut
1860 vor dem Derby in Augsburg: Tabelle gut, Team gut, Stimmung gut

Kommentare