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FDP-Chef Martin Hagen als Brückenbauer zwischen e.V. und Ismaik? „Alles, was 1860 hilft, ist gut“

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Von: Uli Kellner

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Martin Hagen ist FDP-Chef und Löwen-Fan.
Martin Hagen ist FDP-Chef und Löwen-Fan. © IMAGO/Schreyer

Am Mittwoch ab 19 Uhr soll im Kino am Sendlinger Tor die Zukunft des TSV 1860 diskutiert werden. Als Stargast wurde Investor Hasan Ismaik angekündigt.

München – Und neben reichlich Löwen-Prominenz auch Bayerns FDP-Chef Martin Hagen. Mit unserer Zeitung sprach der leidenschaftliche Sechzig-Fan über seine Erwartungen an diese Veranstaltung.

Herr Hagen, ist der Abend mit Ismaik ein Pflichttermin für Sie als Löwen-Fan? Oder mehr als FDP-Politiker im Wahlkampf?

Ein Termin als Löwen-Fan. Der Veranstalter hat mich eingeladen – wissend, dass ich zu vielen vereinspolitischen Fragen eine andere Position habe. Zu dem Zeitpunkt war noch nicht klar, dass Hasan Ismaik kommt. Allerdings hatten schon ein paar Löwen-Legenden wie Petar Radenkovic zugesagt. Die mal kennenzulernen – diese Gelegenheit will ich mir nicht entgehen lassen.

Martin Hagen: „Ich halte nichts von Lagerdenken“

Die Veranstaltung polarisiert. Überspitzt gesagt: Wer drin ist, ist für Ismaiks Politik der großen Versprechungen, wer draußen bleibt, ein Investorengegner. Wo stehen Sie?

Ich glaube, dass es immer besser ist, miteinander zu reden als übereinander – was auch ein Grund ist, warum ich an dieser Podiumsdiskussion teilnehme. Ich werde aber auch mit den Fans sprechen, die vor dem Kino eine Protestkundgebung planen. Meine persönliche Haltung ist, dass der Konsolidierungskurs seit 2017 alternativlos ist. Dass man immer den Anspruch haben muss, sportlich und wirtschaftlich voranzukommen, versteht sich von selbst – aber nicht durch unrealistische Versprechungen.

Löwen-Fan: FDP-Politiker Martin Hagen.
Löwen-Fan: FDP-Politiker Martin Hagen. © Privat

Mit dieser Haltung könnte es sein, dass Sie bei der Diskussion einigen Gegenwind aushalten müssen.

Gegenwind bin ich gewohnt als Politiker. Und es bringt ja nichts, wenn man immer nur mit den Leuten spricht, die sowieso die gleiche Meinung vertreten. Es ist wichtig, zumindest zu versuchen, andere Menschen zu überzeugen – und umgekehrt offen zu sein für deren Argumente. Letztlich geht’s ja nur um Fußball, um eine Leidenschaft, die uns verbindet. Wir verhandeln da nicht die großen weltpolitischen Streitfragen.

Haben Sie keine Sorge, dass man Sie vereinnahmen und ins Ismaik-Lager einsortieren wird?

Nein. Es ist in Fankreisen ja bekannt, dass ich ein gutes Verhältnis zum Präsidium und zum Verwaltungsrat des Vereins habe. Ich halte aber nichts von Lagerdenken. Alle, denen 1860 am Herzen liegt, sollten an einem Strang ziehen, damit man gemeinsam erfolgreich ist.

TSV 1860: Etat schrumpft – Ismaik kommuniziert nur über Social Media mit e.V.

Der Auftritt Ismaiks hat hunderte, wenn nicht tausende Protestler auf den Plan gerufen. Haben Sie Angst davor, dass die Veranstaltung ausartet?

Unsere Fanszene ist in den letzten Jahren meist sehr diszipliniert aufgetreten. Ich bin zuversichtlich, dass alle Teilnehmer vernünftig genug sind, das Ganze nicht eskalieren zu lassen. Man sagt halt seine Meinung – das muss erlaubt sein.

Angenommen, Sie erhalten die Gelegenheit, in einen direkten Dialog mit Ismaik zu treten: Was würden Sie ihn fragen?

Zunächst mal finde ich es gut, dass Herr Ismaik nach München kommt und diese Veranstaltung besucht. Ich würde ihn gerne fragen, warum er sich bei der Gelegenheit nicht auch mit den Vertretern des e.V. trifft. Ich gehe davon aus, dass ihm als Investor daran gelegen ist, den TSV 1860 voranzubringen. Dann ist es doch das Naheliegendste, dass man sich mit dem Mitgesellschafter an einen Tisch setzt. Nur über die Presse zu kommunizieren, bringt niemanden weiter.

Löwen-Investor: Hasan Ismaik.
Löwen-Investor: Hasan Ismaik. © Andreas Gebert

Generell wirft Ismaiks Verhalten Fragen auf. Nach Lage der Dinge schrumpft der Etat für das Drittligateam um zwei Millionen Euro. An einen Aufstieg ist da kaum zu denken – was ja auch nicht in seinem Interesse liegen kann. Welche Strategie vermuten Sie hinter seiner Politik?

Das kann ich nicht beurteilen. Voriges Jahr stand der Kader früh fest, es gab verlässliche Finanzierungszusagen und Ruhe hinter den Kulissen – zumindest ist nichts Gegenteiliges nach außen gedrungen. Auch, wenn es am Ende leider nicht zum Aufstieg gereicht hat – an diese Arbeitsweise sollte man anknüpfen.

TSV 1860: Martin Hagen als Vermittler zwischen e.V. und Ismaik?

Der Verein ist seit zwölf Jahren tief gespalten, gefühlt werden die Gräben immer tiefer. Haben Sie eine Idee, wie sich der Verein wieder vereinen ließe?

Nicht wirklich. Als die Mannschaft nach dem zehnten Spieltag Tabellenführer war, hat man von einer Spaltung ja auch nichts gespürt. Wären wir aufgestiegen, hätten sich alle Akteure diesen Erfolg auf die Fahnen geschrieben. Stattdessen sind wir auf Platz acht gelandet – und jetzt liest man in Zeitungsinterviews wieder Schuldzuweisungen. Dabei sitzen doch alle im selben Boot.

Die Lösung könnte ein Mediator sein, ein Brückenbauer. Wäre das nicht eine Aufgabe für Sie als erfahrener Politiker?

Ich bin Hasan Ismaik noch nie begegnet, insofern sehe ich mich nicht in der Position, da irgendwelche Brücken zu bauen. Grundsätzlich ist die Idee aber gut. Alles, was 1860 hilft, ist gut. Wenn ich Herrn Ismaik am Mittwoch treffe, biete ich ihm gerne an, ein Treffen mit Robert Reisinger zu vermitteln. Zur Not noch am selben Abend. Die Bar im Mandarin Oriental hat ja bis 1 Uhr offen (lacht).

Was ist die größere Aufgabe: der Wiedereinzug der FDP in den bayerischen Landtag? Oder der Löwen-Aufstieg 2024?

Beides ist anspruchsvoll. Was den Wiedereinzug in den Landtag angeht, bin ich zuversichtlicher. Den letzten Umfragen zufolge fehlt der FDP nur ein Prozentpünktchen. Bei 1860 fehlt momentan leider mehr, fürchte ich.

Interview: Uli Kellner

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