Trainer des TSV 1860 vor dem Aus

Möhlmann erledigt "Privates", als es plötzlich um seine Zukunft geht

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Verhoben? Selbst der erfahrene Benno Möhlmann hat es nicht geschafft, die Löwen in die Spur zu kriegen.

München - Der Trainer kauft in Bremen einen Rasenmäher, als in München eine Diskussion über seine Zukunft einsetzt. Ein Gespräch mit Sportchef Oliver Kreuzer ist für diesen Dienstag geplant – das letzte?

Einer fehlte, als die Löwen am Montag um 14 Uhr zum Laktattest neben dem Olympiastadion antraten: Benno Möhlmann wurde von Torwarttrainer Kurt Kowarz vertreten, und nicht wenige in München glaubten zu diesem Zeitpunkt, dass der privat verhinderte Chefcoach gar nicht mehr aus Bremen zurückkehren wird. Die Onlinemedien hatten schon früh am Tag die neue Stoßrichtung vorgegeben: Tritt Möhlmann zurück? Wird er gar entlassen, um vor den letzten vier Spielen im Abstiegskampf einen neuen Impuls zu setzen? Ausgelöst wurde die Debatte durch ein Interview bei „Heute im Stadion“ (BR), in dem der Trainerdino seinen Rückzug für den Fall des Abstiegs angekündigt hatte. Wird diese Trennung nun vorgezogen?

Möhlmann, 61, klang leicht gehetzt, als ihn unsere Zeitung zur Mittagszeit ans Telefon bekam. Gerade war er mit dem Auto vom Einkaufen zurückgekommen, „und weil ich in dem einen Wagen keine Freisprecheinrichtung habe, musste ich ein wenig sprinten“, sagte er in gewohnt brummigem Plauderton. Klar, die Diskussionen um seine Person hatten den Weg bis nach Bremen gefunden. Mit dem ersten Gerücht, wonach er aus freien Stücken zurücktreten könnte, räumte der Trainer aber gleich mal auf. „Ich bin hier, um ein paar private Sachen zu erledigen“, sagte er und fügte in entwaffnender Ehrlichkeit hinzu: „Den Laktattest hatten wir schon vor drei Wochen angesetzt. Da muss ich nicht unbedingt dabei sein. Manchmal ist es auch wichtig, dass ich offene Geschäfte vorfinde. Gerade zum Beispiel habe ich einen Rasenmäher gekauft.“

Ein Trainer widmet sich in Bremen der Rasenpflege, derweil in München über seine Zukunft beraten wird. Das passt zu einem Verein wie 1860, bei dem zuletzt eine fast unwirkliche Ruhe geherrscht hatte. Damit ist es jetzt vorbei. Insidern zufolge ist das Vertrauen der Bosse nicht mehr allzu ausgeprägt, dass Möhlmann den Tabellen-17. doch noch zumindest in die Relegation führen kann. Ergebnisse, Entwicklung der Mannschaft, Körpersprache auf dem Platz – all das wird ihm plötzlich angelastet. Auch die Chemie zwischen Trainer und Team soll nicht mehr passen, Spieler durch Möhlmanns Art verunsichert werden (laut Bild) – ein Vorwurf, den der Coach zumindest in Teilen bestreitet. „Ich habe nicht das Gefühl, dass es da nicht mehr stimmt“, sagte er: „Wobei man das ja nie so sicher sagen kann. Zwischen der Mannschaft und einem Trainer gibt es immer die Möglichkeit, dass es nicht zu 100 Prozent stimmt.“

Fotostrecke: Die Trainer des TSV 1860 München seit 1992

Bilder: Die Trainer des TSV 1860 seit 1992

Ein bisschen was wird schon dran sein, wenn man sich den Abwärtstrend seit der berühmten Neun-Punkte-Woche vor Augen führt. Von 15 möglichen Punkten holten die Löwen zuletzt einen; dreimal – in Leipzig, Karlsruhe und Duisburg – endeten Spiele trotz glücklicher Führungen mit Niederlagen. Kritik an Aufstellungen, Einwechslungen und Arbeitseifer werden eher in den Fanforen laut. Trotzdem: Sportchef Oliver Kreuzer soll schon vor drei Tagen die Suche nach einem potenziellen Nachfolger aufgenommen haben.

Das große Problem dabei: Trainer, die 1860 gerne hätte, sind nicht frei (Kauczinski), zu begehrt (Slomka) oder zu teuer (Veh). Eher nicht in Frage kommen auch Werner Lorant und Peter Neururer, die klassischsten aller Feuerwehrmänner. Der Haken bei Neururer: Seit dem legendären Flughafentreffen mit Geschäftsführer Noor Basha im Herbst 2015 stänkert der enttäuschte Trainer mit Vorliebe gegen die Führung der Löwen – was dieser nicht gefallen dürfte. Der Mangel an verfügbaren Nothelfern ist offenbar so groß, dass selbst der Name Daum gefallen sein soll. Eine prominente Lösung ist aber ebenso unrealistisch wie eine Premiumbesetzung (Luhukay). Besonnene Kräfte raten zu einem Trainer mit Stallgeruch (Pacult?). Eine offizielle Stellungnahme des Vereins gab es bisher nicht. „Die Maschinerie ist aber am Laufen“, erfuhr die tz aus Klubkreisen.

Und Möhlmann? Der nimmt es seinem Arbeitgeber nicht mal krumm, dass er der einsetzenden Demontage kein kräftiges Dementi entgegensetzt. Bei einem Telefonat mit Sportchef Kreuzer sind beide Seiten offenbar im Vagen geblieben. Einen Treueschwur habe Kreuzer jedenfalls nicht geleistet. „Zu diesem Zeitpunkt kann er mir das nicht versichern“, zeigte sich Möhlmann verständnisvoll: „Jetzt ist die Diskussion da. Wir müssen schauen, dass wir vernünftig miteinander sprechen. Es gehört zu Ollis Job, alle Möglichkeiten in Betracht zu ziehen, da mache ich mir nichts vor.“

Video: Update - Benno Möhlmann und der TSV 1860 München stehen kurz vor Trennung

Möhlmanns Erwartung ist, dass am Dienstag eine verbindliche Entscheidung fällt – in diese oder die andere Richtung. „Ich möchte jetzt nicht von Woche zu Woche diese Diskussion führen“, stellte er klar: „Entweder es gibt die hundertprozentige Bereitschaft für die letzten vier Wochen, das zusammen durchzuziehen. Oder aber man geht gleich auseinander. Wenn der Verein grundsätzlich der Meinung ist, dass ein Trainerwechsel etwas bewirken könnte, dann ist es sicher besser, das jetzt durchzuziehen als drei Wochen, zwei oder eine vor dem Saisonende.“

In jedem Fall sah der angezählte Coach keinen Anlass, seinen für Montagabend gebuchten Rückflug zu stornieren. Das Training am Dienstag um 10 Uhr hat er fest eingeplant: „Da gehe ich im Moment zu 100 Prozent von aus.“ Irgendwann im Laufe des Tages steht dann das Gespräch mit Kreuzer an. Derzeit sieht es so aus, als könnte Möhlmann schon bald viel Zeit haben für seinen neuen Rasenmäher.

Video: Laktattest der Löwen kurz vor Ende der Saison

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