Trainer zeigt sich verändert

Möhlmanns neues Ziel ist Platz 14

München - Benno Möhlmann hat sich gewandelt: Er ist jetzt gelöst, tiefenentspannt, ein smarter Plauderer. Und setzt seinen Löwen ein neues Ziel.

Je länger die Pressekonferenz am Freitag dauerte, desto deutlicher wurde, was die unglückliche 1:2-Pleite von Leipzig mit der mentalen Verfassung der Löwen angerichtet hat. Nichts nämlich. Vorausgesetzt natürlich, die Gemütslage eines Trainers bildet irgendwo auch die Stimmung in der Kabine ab. War Benno Möhlmann nicht bis Weihnachten ein leiser, manchmal einsilbiger Grübler? Der Möhlmann vor Ostern ist ein anderer: Gelöst, tiefenentspannt, ein smarter Plauderer. Die Freundschaft von Frau Möhlmann zur Ex-Frau von Norbert Meier, die erfolgreiche Bremer Trainerschule, das Vorbild Otto Rehhagel („Einfach arbeiten – trotzdem erfolgreich sein“) – zu all diesen bunten Themen ließ sich Möhlmann vor dem wichtigen Heimspiel gegen Bielefeld vernehmen. „War fast zu lustig heute“, meinte er im Rausgehen.

Aber: Möhlmann gönnt sich und seiner Mannschaft diese Prise Ausgelassenheit, weil seine Zweifel zunehmend schwinden, dass der sportliche Aufwärtstrend von kurzer Dauer sein könnte. „Wenn ich zurückdenke, wie es im Oktober, November, Dezember auf dem Trainingsplatz war“, erinnert er sich mit Schaudern. Heute dagegen: „Wir haben selbst bei kleinen Spielformen Teams auf dem Platz, die gewinnen wollen, die sich wehren. Das gehört dazu. Das ist die Basis, die man einfach haben muss.“

Die Löwen 2016 entsprechen jetzt in groben Zügen dem, was sich der Ex-Profi unter einer konkurrenzfähigen Zweitliga-Mannschaft vorstellt. Sie kämpft als Einheit, sie gibt Gas, sie ist effektiv – meistens zumindest. „Bis auf Union (0:3), wo wir einen Holperer drin hatten, haben wir das seit Januar in jedem Spiel hingekriegt.“ Aus diesem Einstellungswandel leitet der Trainer viel Optimismus ab – in Verbindung natürlich mit der signifikant verbesserten Tabellensituation. „Wir gehen mit Zuversicht und gesundem Selbstbewusstsein in die letzten Spiele.“

Als problematisch könnte sich am Sonntag erweisen, dass Möhlmanns Team auf einen Gegner trifft, der ähnlich gestrickt ist wie die neuen Löwen. Auch sein Spezl Meier wisse nämlich, „worauf es ankommt“. Der 1860-Coach hat Respekt vor dem Aufsteiger: „Das ist schon auch ’ne Truppe, die über Zusammenhalt funktioniert, über gegenseitiges Kennen, über Cleverness und Abgezocktheit. Das sind lauter Spieler, die über die Gemeinschaft stark werden.“ Bremer Schule halt.

Als positiv bewertet es Möhlmann, dass Mittelfeld-Stabilisator Kai Bülow wieder fit ist: „Die Grippe ist zu 100 Prozent auskuriert – und die Zehenverletzung ist auch am Abklingen. Seinem Einsatz steht nichts entgegen.“

Aufschlussreich war auch, was Möhlmann zur Einschätzung seines Torhüters Stefan Ortega sagte, in den vier Keller-Duellen mit Bielefeld, Duisburg, Paderborn und Frankfurt werde sich der Klassenerhalt entscheiden: „Meinetwegen können wir auch die anderen vier Spiele gewinnen.“ Seine Prognose: „Wenn wir alles einsetzen, was wir haben, dann werden wir so viele Punkte holen, um am Ende zwei, drei, vier oder fünf Mannschaften hinter uns zu lassen.“ Halt, bremste er sich: „Fünf wohl nicht.“ Ist also Platz 14 sein neues Saisonziel, ein sicherer Platz am unteren Ende des Tabellenmittelfeldes? Ja, nickte Möhlmann. Davon geht er inzwischen aus. Ganz im Ernst Und in aller Entspanntheit.

Uli Kellner

Rubriklistenbild: © Sampics

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