Coach gibt intern Rätsel auf

Moniz und 1860: Es riecht nach Trennung

München - Sportchef Gerhard Poschner lässt bewusst offen, ob Ricardo Moniz die Ligapause übersteht – der 1860-Trainer gibt intern Rätsel auf.

Verschiedene Stockwerke, verschiedene Uhrzeiten. Der eine empfängt die Besucher auf der Ostseite des Gebäudes, der andere im Westen. Deutlicher als am Montag hätte der Dauerkrisenklub namens TSV 1860 kaum demonstrieren können, dass etwas nicht stimmt im Verhältnis zwischen dem Trainer und seinen Vorgesetzten.

Zunächst war Ricardo Moniz dran, 12.15 Uhr, Aufenthaltslounge der Profis, „eine andere Umgebung“, wie er lächelnd anmerkte. Von fünf Münchner Pressevertretern wurde der Niederländer mit jenen Gerüchten konfrontiert, die tags zuvor über zwei TV-Sender (Sky, Sport1) verbreitet worden waren. Nämlich die, dass seine Position nicht erst seit dem 1:1 gegen Darmstadt höchst umstritten sei im Klub – und dass nicht auszuschließen sei, dass bis Ende der Länderspielpause ein anderer Trainer den ungemütlichen Job bei 1860 übernimmt, den Moniz noch vor kurzem als „Sechser im Lotto“ bezeichnet hatte. Moniz, der stets seine Ehrlichkeit betont („Ich bin, wie ich bin“), sagte dazu: „Für mich ist das neu. Ich bin mit einem offenen Gesicht hierher gekommen, das ist für mich das Wichtigste. Und das bleibt auch jetzt so, obwohl wir nur zwei Punkte geholt haben.“

Moniz erweckt nicht den Eindruck, als spüre er schon nach fünf Pflichtspielen internen Gegenwind. Erst vor vier Tagen habe er eine Wohnung in München bezogen, die letzten drei Spiele sieht er positiv, da das Team jedes Mal 0:1-Rückstände wettgemacht habe, und überhaupt: „Für mich ist das Glas immer halb voll.“ Jede Form von „Stimmungmacherei“ findet er schädlich, aber: „Ich bin ein Kämpfer. Ich habe solche Sachen schon öfter erlebt. Viel schlimmere noch. Du musst stabil sein in solchen Zeiten. Gerade dann zeigt sich, wer deine Freunde sind.“

Ortswechsel. 13.15 Uhr, das Büro von Sportchef Gerhard Poschner, der viel rauchen wird und Tee aus einer spanischen Souvenirtasse trinkt. Poschner sagt nicht, dass alles in Ordnung sei. Im Gegenteil. Er lehnt jedes Bekenntnis zum Trainer ab. Ganz bewusst offenbar. „Ich weiß nicht, was morgen ist“, sagt er wohlüberlegt. Und: „Im Profifußball gibt es keine Garantien. Für gar nichts. Und schon gar nicht in Situationen, die nicht zufriedenstellend sind.“

Gerhard Poschner (r.) mit Ricardo Moniz.

Poschner sagt offen, dass er sehr unzufrieden ist. Selbst als er von den Reportern darauf hingewiesen wird, dass solche Aussagen nicht gerade zur Beruhigung der Lage beitragen werden, zuckt er nur mit den Schultern. Unruhe bei 1860 sei doch normal, erklärt er, und unabhängig von der Tabelle sei doch die Lage so: „Das, was wir momentan spielen, ist meilenweit weg von dem, was wir uns alle wünschen, inklusive dem Trainer.“ Poschners Mängelliste ist lang: Das Spiel gegen Darmstadt sei „furchtbar“ gewesen, die Mannschaft habe keine Sicherheit, keine Stabilität, kein Mittelfeld, auf dem das 4-3-3-System fuße. „Wir haben wenig Mechanismen, die greifen“, fasst der Sportchef die Lage zusammen: „Da waren wir in der Vorbereitung schon mal weiter.“

Ein paar Sätze später lässt Poschner durchblicken, wie ernst es um die so euphorisch gestartete Verbindung mit dem charismatischen Moniz bestellt ist. „Wir haben hier ein Projekt am Laufen“, sagt er und entwirft ein griffiges Bild: „Wir möchten nicht von diesem Weg abgehen. Im Moment befinden wir uns aber auf einer Abbiegespur, und ich möchte verhindern, dass die zur Sackgasse wird.“

Das klingt nicht gut für den Trainer, der noch vor kurzem als moderner Lorant gefeiert wurde – und sich plötzlich in eine selbstverschuldete Isolation begeben hat. Moniz gilt intern inzwischen als stur, rätselhaft, fast beratungsresistent. Differenzen gibt es bezüglich der Kaderzusammenstellung, der Taktik, dem Umgang mit der Mannschaft, eigentlich in fast allen Punkten. Eine Entscheidung, wie es mit Moniz weitergeht, sei noch nicht gefallen, sagt Poschner, aber klar ist: Heute und morgen werden noch viele Gespräche stattfinden. Poschner dementierte nicht, dass er sogar mit anderen Trainern spricht („Ich spreche täglich mit allen möglichen Leuten“). Kurzum: Alles ist möglich – eine Trennung aber die wahrscheinlichste Lösung.

Trainer-Dämmerung also, mal wieder. Wie sich die Lage darstellt, hat Moniz nur zwei Chancen, im Amt zu bleiben. Option eins ist, dass er sich öffnet und seine Alleingänge aufgibt. Option zwei ist, dass die Vereinsführung auf dem abgegrasten Markt keinen geeigneten Nachfolger findet. Zur Erinnerung: Schon nach der Entlassung von Friedhelm Funkel hat es zwei Monate gedauert, bis Anfang Juni der Neue präsentiert wurde. Moniz sei „von Anfang an“ sein Favorit gewesen, schwärmte Poschner damals. Inzwischen dürfte ihm dämmern, dass man auch beim Scouten von Trainern nicht gegen Missverständnisse gefeit ist.

Uli Kellner

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