Es wird eng im Kader

Die Kehrseite der 1860-Einkaufswut

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Ricardo Moniz.

München - Der quantitativ aufgestockte Kader des TSV 1860 München bereitet dem Löwen-Coach Freude – aber auch Sorgen.

Die Helden des ertragreichen Sonntagsdienstes kamen in unterschiedlicher Verfassung aus Hamburg zurück. Yannick Stark, Schütze des Siegtreffers am Millerntor (2:1), hatte ein rechtes Auge, das in allen erdenklichen Blautönen schimmerte – Folge eines Zusammenpralls mit St. Pauli-Hüne Buballa. Torhüter Stefan Ortega, der den ersten Saisonsieg mit drei spektakulären Paraden gerettet hatte, war äußerlich unversehrt – und innerlich voller Glückseligkeit über sein bisher bestes Spiel im Löwen-Trikot. „Wir haben das Spiel mit Glück und einem fantastischen Ortega gewonnen“, gab es für den Halbspanier ein Sonderlob von Ricardo Moniz, dem auch am Tag danach noch wenig euphorischen Trainer.

Moniz wollte den ersten Sieg in St. Pauli seit 2001 (3:0 unter Peter Pacult) nicht überbewerten – genauso wie er es ablehnte, die Auswärtsspiele zuvor ausschließlich negativ zu beurteilen. „Man muss immer eine intelligente Analyse machen“, kritisierte er die für seinen Geschmack zu ergebnisgesteuerten Kritiker. „Das Szenario war wie in Kaiserslautern und Heidenheim. Dort haben wir auch zur Halbzeit geführt – und es dann unglücklich weggegeben.“ Der Unterschied sei, dass der Kader inzwischen komplett ist – und es eben ein mühsamer Prozess sei, sieben internationale Neuzugänge und drei spätsommerliche Nachzügler zu einer gut abgestimmten Einheit zu formen.

Habt Geduld, lautete die Botschaft des Niederländers – und gerade jetzt, da der erste Schritt geschafft ist, sieht der engagierte Coach am Horizont bereits die nächsten Probleme aufziehen. So sehr er sich nämlich über die gehobene Qualität freut, die ihm dank der jüngsten Zukäufe Rama, Rodri und Angha zur Verfügung steht, so sehr bekümmert es ihn, dass sich die sogenannten Härtefälle bei der Kadernominierung unweigerlich mehren werden.

Die Kehrseite der sommerlichen Einkaufswut bekam er gerade erst vor Augen geführt. Kai Bülow schaute noch hanseatisch-kühler als sonst, als er am Sonntag auf die Ersatzbank zustrebte. Daniel Adlung sei „schockiert“ gewesen, dass er gar nicht erst mitfahren durfte. Und bewährte Kräfte wie Dominik Stahl, derzeit noch knieverletzt, werden in Kürze in den Kader zurückdrängen. „Wenn Stahl auch noch kommt, habe ich als Trainer viel Luxus – aber auch viele Probleme“, sagte Moniz und sah nicht uneingeschränkt glücklich aus, als er seine Schäflein gedanklich zusammenzählte.

Für St. Pauli hatte Moniz bereits ein 19er-Aufgebot zusammengestellt. Trotzdem mussten drei Profis zu Hause bleiben (neben Adlung auch Vallori und Claasen) und vier Junglöwen bei der U 21 aushelfen (u.a. Wittek). Richtig lustig wird es aber erst, wenn man sich vorstellt, dass alle Spieler, die laut Klub-Homepage als Profis gemeldet sind, gleichzeitig einsatztauglich wären. Sage und schreibe 31 „Egos“ (Moniz) müsste der Trainer dann befriedigen – und schon der Gedanke daran bereitet ihm Unbehagen.

„Ich finde das normal“, erinnerte Moniz an seine Zeit in Tottenham, als er Diven wie Edgar Davids bei Laune halten musste. „Das Problem ist, dass das ungewöhnlich ist für unsere Leute. Das musst du erst mal managen.“ Bloß wie? „Keine Ahnung“, sagte Moniz und zuckte mit den Schultern. „Wie lange das gut geht, weiß ich nicht. Aber sie sind Profis, sie werden vom Verein bezahlt– und sie müssen das akzeptieren.“ Nicht entgangen ist ihm, dass seine Beliebtheit bei Teilen des Kaders nicht unbedingt Höchstwerte erreicht hat. „Heute mögen sie mich nicht“, sagte Moniz mit Blick auf Adlung und Co., „aber ich habe kein Problem damit. Sie müssen mich sogar hassen. Das zeigt mir, dass sie ambitioniert sind.“

Sicherheitshalber will Moniz sein Lieblingsthema – Menschlichkeit und Zusammenhalt – bei allen Teamsitzungen weiter vertiefen. Und wenn doch einer ausschert? „Wer nicht interessiert daran ist, der kann gehen“, sagte er und kündigte einen kompromisslosen Kurs an: „Wenn sich Leute bei der Presse ausweinen, werde ich das killen. Wir brauchen mentale Härte.“ Drei Partien in sechs Tagen, wie sie nun bevorstehen (Ingolstadt, Sandhausen, Fürth), gibt der Spielplan im Sinne der Einsatzstreuung leider nicht immer her.

Als Beispiel, wie man sich tadellos verhält, führte Moniz den jungen Ortega, 21, an, der sich nach eigener Auskunft an Persönlichkeiten wie Manuel Neuer und Iker Casillas orientiert. „Am Anfang war er der Schlechteste“, blickt Moniz sportlich zurück, um sogleich auf die menschlichen Qualitäten des Torwarts überzuleiten: „Er ist ein Junge, der nie angefressen ist. Er war immer positiv – und als Kiraly suspendiert wurde, hat es bei ihm Klick gemacht.“ Dass dieser Ortega inzwischen auch noch Spiele gewinnt, ist ein angenehmer Nebeneffekt.

Uli Kellner

 

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