Moniz lobt Okotie

Rüüübin, der Üüüüberraschungshit

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Rubin Okotie (r)

München - Rubin Okotie hat sich bei den Löwen in Rekordzeit unverzichtbar gemacht. Coach Moniz ist voll des Lobes über den Stürmer.

Das „Ü“ hat beim TSV 1860 eine steile Karriere gemacht. Um ein neues Vereinslied anzuteasern (und gleichzeitig das Sommerloch zu überbrücken), hatten sich die Löwen-Bosse eine, nun ja, kreative Kampagne ausgedacht. Fünf kurze Internetvideos, in denen Protagonisten des Klubs nur den Buchstaben „Üüüüü“ anstimmten, bereiteten den Boden für eine am Ende etwas enttäuschende Hymne (beginnend mit der Zeile: „Üüüber uns da Himme’ is weiß-blau . . .“). Wer aber geglaubt hat, damit sei es vorbei mit der künstlichen Popularität des Umlautgraphems „Ü“, der wird gerade eines Besseren belehrt. Ricardo Moniz hat ein neues Wort kreiert, das das Zeug zu einem Ü-berraschungshit hat. Das Wort lautet: „Rüüübin“.

Rubin Okotie, niederländisch „Rübin“ ausgesprochen, ist bislang der größte Treffer, den die Löwen auf dem internationalen Transfermarkt gelandet haben. Der 27 Jahre alte Angreifer pakistanisch-nigerianisch-österreichischer Herkunft kam mit zweifelhaftem Leumund nach München (Wandervogel, verletzungsanfällig), doch schon nach drei Pflichtspielen hat er es geschafft, selbst notorische Grantler wie den Ex-Löwen-Coach Werner Lorant zu überzeugen. Okoties Bilanz ist die eines Klassestürmers: zwei Treffer beim Start in Kaiserslautern (zur am Ende verspielten 2:0-Führung), zwei beim DFB-Pokalspiel in Kiel (zum 2:1) – üüüberragend. „Das könnte was werden mit ihm“, urteilte Lorant nach Okoties ersten 90 Pflichtspielminuten. Weitere 180 Minuten später sagt Moniz, sein aktueller Trainer: „Er ist jetzt physisch sehr stark, sehr fit, kann pressen.“ Und vor allem: „Er hat eine positive Körpersprache.“

Die ist besonders wichtig in Zeiten, die schwierig sind. Die Zeiten bei 1860 sind ja meistens schwierig, und Okotie ist in dieser Hinsicht vielleicht der richtige Mann am richtigen Ort. Bei keinem seiner fünf Ex-Klubs nahm seine Karriere die von Experten prognostizierte Fahrt auf. Mal ließ ihn sein anfälliger Körper im Stich, früher soll er sich auch schon mal selbst im Weg gestanden sein. Aber: Der Stürmer ist auch ein Meister darin, sich selbst aus dem Sumpf zu ziehen. Seit er auf eigene Rechnung den privaten Fitnesstrainer Heinrich Bergmüller (Spitzname: „Schinderheini“) beschäftigt, macht das vorgeschädigte Knie keine Probleme mehr. Und generell sagt Kämpfernatur Okotie: „Man kann im Fußball nichts vorhersagen. Aber man kann Gas geben.“

Genau so einen haben die Löwen gebraucht: Einen, der Gas gibt, kurze, prägnante Sätze sagt – und Tore schießt. Nur das größte Problem, das kann auch Okotie nicht lösen: Dass es einen Vollblustürmer wie ihn nur einmal im Kader gibt. Bekanntlich will 1860 ja diese Woche nachlegen. Okotie, der Unverzichtbare, würde sich darüber freuen: „Jede Verstärkung, die uns weiterhilft, ist super.“

Sportlich wird ihm keiner so schnell den Rang ablaufen – und privat läuft es sowieso für ihn. In Rekordzeit hat er auf dem überhitzten Münchner Immobilienmarkt eine schöne Vierzimmerwohnung mit Garten gefunden. Seine Verlobte Vanessa erwartet zudem ein Baby. Würde man Okotie nach seinem aktuellen Gemütszustand fragen, könnte die Antwort nur lauten: Üüüüberragend!

Uli Kellner

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