Wohin mit den Vereinen?

Münchner Stadionfrage: Nächster Streit vorprogrammiert?

Das Grünwalder Stadion soll in den nächsten Jahren bundesligatauglich werden.
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Das Grünwalder Stadion soll in den nächsten Jahren bundesligatauglich werden.

Dass das Grünwalder Stadion innerhalb der nächsten Jahre umgebaut wird, ist nur noch Formsache. Doch wohin weichen die Vereine in der Zwischenzeit aus?

  • Das Grünwalder Stadion wird in den kommenden Jahren aller Voraussicht nach umgebaut.
  • Damit müssten für 1860 München, Türkgücü und die Bayern Amateure in der Übergangszeit Ausweichspielstätten gefunden werden.
  • Eine offensichtliche Lösung liegt dabei momentan nicht auf der Hand.

München - Lange hielt die Münchner Stadionfrage Vereine und Stadtverwaltung in Atem. Mit der Zeit wurde das Thema ein leidiges, am Ende stand ein Kompromiss, mit dem keiner so recht zufrieden war, eine Lösung, die auch nicht von Dauer sein kann. Türkgücü, als dritter Verein im Grünwalder Stadion, bekam als Ausweichspielstätte das altehrwürdige Olympiastadion zur Verfügung gestellt. 

Dass das Thema damit nicht gänzlich vom Tisch sein würde und eine langfristige Lösung damit nur in die Zukunft geschoben wurde, war allen Beteiligten klar. Doch nun, im Hinblick auf die nächsten Jahre, scheint sich ein weiterer Engpass anzubahnen. Denn: Das Grünwalder Stadion wird umgebaut.

Grünwalder Stadion: Bald fit für die Bundesliga?

Bereits im August diesen Jahres stimmte der Münchner Stadtrat dem Umbau grundsätzlich zu. Eine Kapazitätserhöhung von 15.000 auf 18.105 Zuschauer, die durchgehende Überdachung der Tribüne und eine verbesserte Flutlichtsituation stehen dabei im Zentrum. Ziel der Ertüchtigung ist in erster Linie die Bundesligatauglichkeit

Wie aus einem Verwaltungsdokument, welches am 2. Dezember im Sportausschuss diskutiert wurde, hervorgeht, würde das Grünwalder Stadion zum aktuellen Zeitpunkt nur dann die Lizenz der DFL für die 1. und 2. Bundesliga erteilt bekommen, wenn die Perspektive einer zeitnahen Ertüchtigung bestünde. Aus diesem Grund sei das Vorhaben in den Augen des Ausschusses essenziell

Auch wenn die Details wohl noch länger ungeklärt bleiben werden, dürfte der Umbau nur noch Formsache sein. Und damit auch die Gewissheit, dass man vor einer weiteren logistischen Herkules-Aufgabe steht. Wohin mit all den Mannschaften während der etwa zweijährigen Arbeiten?

Stadionfrage: Suche nach Lösungen gestaltet sich schwierig

Auf Anfrage hielten sich die drei Münchner Drittligisten bisher allesamt bedeckt. So hieß es lediglich, man sei im ständigen Austausch miteinander. Dass sich Vereine und Stadtverwaltung bis dato noch keine ausführlichen Gedanken über die bevorstehende Zwickmühle gemacht haben, erscheint unwahrscheinlich. Zu eindeutig scheint es, dass hier nicht die eine offensichtliche Lösung gibt. Welchen Szenarien sind also realistisch? 

Relativ sicher dürfte sein, dass auch hier wieder das Olympiastadion Teil der Lösung sein wird. Bürgermeisterin Verena Dietl, selbst leidenschaftliche Löwin, machte bereits klar, dass für den TSV 1860 die Kultstätte die wahrscheinlichste Option sein wird. Der Grund: Die Löwen haben im Vergleich zu den kleinen Bayern und Türkgücü München den mit Abstand höchsten Zuschauerschnitt. 

Olympiastadion: Herrscht in der Kultstätte bald Hochbetrieb?

Denkbar wäre außerdem, dass auch die Bayern Amateure oder Türkgücü München im Olympiastadion ihre vorübergehende Spielstätte finden. Wer dabei den Zuschlag erhalten würde, lässt sich jedoch noch nicht abschätzen. Zwar trägt Türkgücü schon in dieser Saison seine Heimspiele teilweise dort aus, der Aufsteiger pocht allerdings schon seit Längerem auf eine permanente Stadionlösung

In diesem Zusammenhang war bereits des Öfteren über eine Rückkehr ins Städtische Stadion an der Dantestraße spekuliert worden. Bis zum Jahr 2006 trug Türkgücü dort seine Heimspiele aus. Momentan dient es lediglich als Spielstätte zweier American-Football-Vereine. Zwar wird das 1928 eröffnete Dantestadion aktuell bereits renoviert, drittligatauglich wird es dadurch allerdings nicht. Viel mehr reduziert man die Kapazität von 12.000 auf 4.999 Zuschauer. Damit wäre weder die Mindestkapazität für Türkgücü (10.000 Zuschauer), noch für die kleinen Bayern (für zweite Mannschaften: 5.000 Zuschauer) erreicht. Eine Ertüchtigung für den Profibetrieb schließt man in der Verwaltung nach unseren Recherchen zwar nicht kategorisch aus, besonders wahrscheinlich ist diese Lösung allerdings aufgrund der hohen Kosten nicht. 

SpVgg Unterhaching: Deutliche Absage an die Löwen

Das könnte dazu führen, dass man auf die Mithilfe von Drittligist Nummer vier angewiesen sein könnte. Der Sportpark Unterhaching hat ein Fassungsvermögen von 15.000 Zuschauer und könnte aus logistischer Sicht vorübergehend sicher eine weitere Mannschaft beherbergen. Gerüchten, nach den sich der TSV 1860 München in Unterhaching zwischenzeitlich einmieten möchte, erteilte die SpVgg Unterhaching bereits im vergangenen Februar eine deutliche Absage: „Eine dauerhafte oder auch zeitweise Untervermietung an den TSV 1860 München wird es nicht geben“, hieß damals in einer Stellungnahme des Präsidiums. Ob die Entscheidung im Fall von Bayern oder Türkgücü anders ausfallen würde, ist unklar. Kommentieren wollte man ein solches Szenario bei der SpVgg nicht. Wenn die Höhe der Miete stimmt, wäre es zumindest nicht ausgeschlossen. Hier würde wohl der FC Bayern der aussichtsreichste Kandidat sein. 

Ziehen die Bayern Amateure bald in die Allianz Arena?

Die wohl unkomplizierteste Lösung jedoch wäre der Umzug der Bayern Amateure in die Allianz Arena, womöglich sogar permanent. Es würden keine zusätzlichen Mietkosten anfallen und viele logistische Probleme lösen. Viele fragen sich, warum der Umzug nicht schon längst vollzogen ist. Ein solcher Umzug wäre innerhalb des Vereins aber wohl alles andere als populär. Die Fans sehen die Hermann-Gerland-Kampfbahn, wie das Grünwalder Stadion im roten Teil der Stadt genannt wird, ebenfalls als natürliche Spielstätte der Bayern Amateure. Ein Drittligaspiel im großen Rund der Allianz Arena vor wenigen hundert Zuschauern wäre hingegen nichts anderes als trostlos. Auch wenn die Fröttmaninger Arena als Ausweichspielstätte sicher in Frage kommen dürfte, ist sie alles andere als ein Selbstläufer. 

Der neugeschaffene Bayern-Campus, auf dem neben den Jugendteams auch die Bayern-Damen ihre Heimspiele austragen, kommt aller Voraussicht nach nicht in Frage. Das Fassungsvermögen von derzeit 2.500 Zuschauern müsste demnach schon zeitnah verdoppelt werden, um eine Zulassung für die 3. Liga zu bekommen. Äußerst unwahrscheinlich.

In Luft auflösen könnten sich die Problemstellung in weiten Teilen dann, wenn der FC Bayern II zum relevanten Zeitpunkt nicht mehr in der 3.Liga spielen sollte. Da die Bauarbeiten jedoch zwei Jahre dauern sollen, wäre auch in diesem Fall keine Planungssicherheit gegeben.

Türkgücü: Umzug nach NRW als Ultima Ratio?

Bekanntermaßen spielten die Verantwortlichen von Türkgücü München schon in diesem Jahr mit dem Gedanken an einen Umzug in den Westen, sollte die Stadt München nicht zeitnah eine Lösung präsentieren. Die Statuten des DFB erstickten die Überlegungen allerdings bereits im Keim. Wer dachte, man hätte diese Gedankenspiele bei Türkgücü bereits ad acta gelegt, wurde vor einigen Wochen eines besseren belehrt. Türkgücü-Geschäftsführer Max Kothny machte in einem Interview klar, dass das Thema sehr wohl wieder auf den Tisch kommen könnte, sollte das Reglement es in Zukunft erlauben. Doch auch das ist alles andere als absehbar. 

Somit scheint die Stadt München zusammen mit den Drittligisten einmal mehr auf eine Sackgasse zuzusteuern. Zur Überbrückung der Zeit des Umbaus scheinen neben dem Olympiastadion der Unterhachinger Sportpark sowie die Allianz Arena die naheliegendsten Optionen zu sein. Doch auch das kann nur vorübergehende Erleichterung schaffen. Denn: Im Anschluss daran soll auch das Olympiastadion renoviert werden. Es scheint also, als würde uns die Münchner Stadionfrage noch länger begleiten. Eines ist jedoch klar: Eine langfristige Lösung muss her. 

(Pascal Edenhart)

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