Was für und was gegen einen Erfolg spricht

Angst oder Zuversicht? Die Löwen vor dem Freiburg-Spiel

+
Korbinian Vollmann, Daylon Claasen und Rubin Okotie (von rechts) nach der Niederlage in Heidenheim.

München - Am Samstag empfängt der TSV 1860 den SC Freiburg in der Allianz Arena. Nach dem Gala-Auftritt der Breisgauer gegen den 1. FC Nürnberg am 1. Spieltag fürchten viele die nächste Löwen-Pleite. Wir haben die Ausgangslage untersucht.

Das Auftaktprogramm der Löwen zur neuen Zweitliga-Saison hat es durchaus in sich: Nächster Gegner des TSV 1860 München ist am Samstag Bundesliga-Absteiger SC Freiburg. Wer den Auftritt der Freiburger beim Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg am Montagabend gesehen hat, dem kann nach der schwachen Löwen-Leistung in Heidenheim wirklich Angst und Bange werden. Mit 6:3 schickten die Breisgauer den FCN zurück ins Frankenland. Die Elf von Trainer Christian Streich hinterließ damit gleich zu Saisonbeginn ein riesengroßes Ausrufezeichen und unterstrich eindrucksvoll ihre Aufstiegsambitionen.

Was bedeutet das für die Löwen? Muss man wirklich so pessimistisch sein? Oder gibt es auch Grund zur Hoffnung auf eine Überraschung? Wir haben die Ausgangslage vor dem Spiel untersucht:

Diese Tatsachen sorgen dafür, pessimistisch auf das Freiburg-Spiel zu blicken

Der SC Freiburg ist bereits zu Saisonbeginn in bestechender Form:

Was war das für eine Ansage am Montagabend! Mit 6:3 zerlegten die Freiburger den vor allem zu Beginn in der Defensive desolat agierenden 1. FC Nürnberg. Besonders das Mittelfeld um die jungen Maximilian Philipp und Vincenzo Grifo überzeugte mit großer Spielfreunde, schnörkellos und schnell vorgetragenem Offensivspiel. Die Löwen-Defensive erwartet am Samstag Schwerstarbeit.

Der wohl sichere Ausfall von Daniel Adlung wiegt sehr schwer

Die Bänderverletzung, die sich der Mittelfeldspieler in Heidenheim zuzog und deswegen auch ausgewechselt werden musste, erlaubt wahrscheinlich keinen Einsatz des 27-jährigen am Samstag. Beim Mittwochstraining stand "Adi" nicht auf dem Platz. Ob die Löwen den Ausfall ihres Mittelfeld-Leaders verkraften können, ist fraglich. Und jetzt droht auch noch Rubin Okotie auszufallen.

1860 ist immer für ein schnelles Gegentor gut

 Es war eines der größeren Mankos der Vorbereitung: In beinahe jedem Testspiel kassierten die Löwen gleich zu Beginn ein schnelles Gegentor. Brennt der SC Freiburg am Samstag zu Spielbeginn ein ähnliches Feuerwerk ab wie gegen den 1. FC Nürnberg, dürfte es sehr schwer werden für die Löwen. Zumal das Aufholen eines Rückstandes bereits in der vergangenen Saison nicht zu den Stärken der Mannschaft um Kapitän Christopher Schindler gehörte.

Die Heimschwäche des TSV 1860 München

 Jeder Löwenfan kennt die erschreckend schwache Heimbilanz des TSV 1860 in der vergangenen Saison: Nur 16 magere Punkte konnten die Löwen aus 17 Heimspielen holen, gleichbedeutend mit dem letzten Platz in der Heimtabelle. Man darf gespannt sein, ob der TSV 1860 seine eklatante Heimschwäche ablegen kann. Großer Grund zur Hoffnung besteht zur Zeit allerdings nicht.

Dem TSV 1860 fehlt die Qualität in der Offensive

 Nach 30 zumindest einigermaßen ansprechenden Minuten in Heidenheim stellten die Löwen ihre Offensivbemühungen vor allem im zweiten Durchgang nahezu komplett ein und beschränkten sich aufs reine Verteidigen. Eine Taktik, die durch den späten Treffer von Heidenheims Kraus keinen Ertrag brachte. Nur mit Verteidigen wird es schwer, drei Punkte gegen Freiburg einzufahren.  

Diese Tatsachen sorgen dafür, zuversichtlich auf das Freiburg-Spiel zu blicken

Die Angst vor Torjäger Nils Petersen ist unbegründet

 Zwar erzielte der 26-jährige Stürmer gegen den 1. FC Nürnberg einen der schnellsten Hattricks in der Geschichte der 2. Liga (innerhalb von sechs Minuten), doch waren darunter zwei Elfmeter und ein Abseitstor. Ein Überangreifer, der Sechzig am Samstag quasi im Alleingang abschießt (entsprechende Vermutungen finden sich zuhauf unter den Löwenfans) kommt damit definitiv nicht nach München, zumal Petersen in der Vorbereitung kein einziger Treffer gelang.

Die Defensive des Löwen funktioniert (einigermaßen)

 Verspricht wenigstens eins ein wenig Hoffnung für Samstag, dann die Tatsache, dass die Defensive des TSV 1860 bis auf einige Unsicherheiten grundsätzlich funktioniert. Neuzugang Milos Degenek und Christopher Schindler scheinen in der Innenverteidigung zu harmonieren und Linksverteidiger Maxi Wittek einen weiteren Sprung in spielerischer und körperlicher Entwicklung gemacht zu haben.

Lediglich auf der Rechtsverteidigerposition haben die Löwen nach der Umschulung von Gary Kagelmacher zum Sechser (eine Aufgabe, die der "Uru" durchaus souverän erledigt) Nachholbedarf, mit Vladimir Kovac und Daylon Claasen sind die Löwen hier nicht optimal besetzt.

Für Gary Kagelmacher (l.) und die Löwen war beim Saisonbeginn beim 1. FC Heidenheim nichts zu holen.

Pikantes Detail am Rande: Am Samstag können die sportlichen Verantwortlichen den ehemaligen Wunschspieler für die rechte Abwehrseite, Mensur Mujdza, live begutachten. Nach dem Wechsel von Sascha Riether zum FC Schalke 04 ist der Bosnier wieder erste Wahl beim SC Freiburg und absolvierte die kompletten 90 Minuten gegen den 1. FC Nürnberg als Kapitän.

Konterspiel könnte entscheidend sein

Aufbauend auf einer sicheren Defensive bieten sich dem TSV 1860 München am Samstag durchaus Möglichkeiten, das Spiel für sich zu entscheiden. Die Tatsache, dass der SC Freiburg seine 4:0 Führung am Montagabend in der 2. Halbzeit beinahe noch verspielt hätte beweist, dass bei der jungen Freiburger Mannschaft im gesamtmannschaftlichen Gefüge, vor allem in der Abstimmung zwischen Offensive und Defensive, ebenfalls noch nicht alles stimmt. Schnelles Umschaltspiel über die Außen könnte gegen den SC Freiburg durchaus Erfolg versprechen. Mit Valdet Rama, Krisztian Simon oder Marius Wolf haben die Löwen zudem passende Spieler in ihren Reihen. Kontern im eigenen Stadion? Warum nicht? Wenn es am Ende erfolgreich sein sollte ...

Die Löwen müssen nicht in roten Stutzen auflaufen

 Was war die Aufregung am Sonntag und in den Folgetagen groß, dass der TSV 1860 München gegen den 1. FC Heidenheim mit roten Stutzen spielen musste. Klar, der Schachzug der Heidenheimer, den Löwen die roten Stutzen aufzuzwingen, obwohl man sie problemlos auch selbst hätte anziehen können, war sicherlich nicht die feine Art. Andererseits hatte das Theater um das ungeliebte Beinkleid sicher nicht die spielentscheidende Wirkung, die ihr von manchem Löwen-Verantwortlichen nach dem Spiel beigemessen wurde.

 Am Samstag können die Löwen mit Sicherheit wieder in ihren eigenen Stutzen auflaufen, diese Ausrede zählt dann wirklich nicht mehr.

Fazit

Nur mit einer ordentlichen Leistungssteigerung dürfte für die Löwen am Samstag etwas zu holen sein, denn mit dem SC Freiburg gastiert ein ganz anderes Kaliber in der Allianz Arena, als es am vergangenen Sonntag der 1. FC Heidenheim gewesen ist. Mit einer sicheren Defensivordnung und schnellen Umschalt- bzw. Konterspiel könnte der TSV 1860 gegen den SC Freiburg durchaus Erfolg haben, ähnlich wie beim 3:0-Erfolg in der vergangenen Saison in Fürth. Einen spielerischen Leckerbissen seitens der Weiß-Blauen sollte man am Samstag jedoch nicht erwarten.

ep

18 Dinge über 1860, die Sie noch nicht wussten

18 Dinge über 1860, die Sie noch nicht wussten

Auch interessant

Meistgelesen

Aigner: „Zwei Bonusspiele, um die Saison zu retten“
Aigner: „Zwei Bonusspiele, um die Saison zu retten“
Löwen wollen jetzt zusammenhalten - aber wie?
Löwen wollen jetzt zusammenhalten - aber wie?
Das erwartet Pereira von den Löwen in Regensburg
Das erwartet Pereira von den Löwen in Regensburg
1860 bangt um Uduokhai - Amilton droht das Aus
1860 bangt um Uduokhai - Amilton droht das Aus

Kommentare