Trainersturz bei den Löwen

Von Ahlen soll's richten - "Ihn hat das überrollt" 

München - Die Löwen beurlauben Trainer Ricardo Moniz und befördern seinen Vorgänger und bisherigen Co-Trainer Markus von Ahlen zum Chef. Das Saisonziel: Die Top sechs.

Ricardo Moniz schleppte drei große Koffer und Taschen aus der 1860- Geschäftsstelle zu seinem Auto. Und es schien, als befänden sich in seinem Gepäck nicht nur seine Sportutensilien, sondern auch der zentnerschwere Frust, der ihn am gestrigen Vormittag schwer zu schaffen machte.

„Ich bin sehr enttäuscht“, lautete sein knapper Kommentar, bevor der Niederländer mit finsteren Gesichts seinem bisherigen Arbeitsplatz den Rücken kehrte.

Kurz zuvor hatte ihm Sportchef Gerhard Poschner mitgeteilt, dass er nach nur sieben Zweitliga-Spieltagen als Trainer des TSV 1860 beurlaubt ist. Seine Begründung für den elften Trainerwechsel bei den Sechzigern seit dem Bundesliga-Abstieg 2004: „Wir haben eine schlechte Tabellenposition. Wir haben schlechte Ergebnisse.

Entscheidend war aber auch die sportliche Darstellung in den letzten zwei Spielen: Das waren deutlich Schritte in die falsche Richtung.“ 0:1 hatten den Münchner – in Überzahl – am Dienstag beim SV Sandhausen verloren. Für Moniz, der vor drei Monaten sein Amt antrat, bedeutete das das bittere Ende.

Überraschender Aufstieg: Markus von Ahlen übernahm am Mittwoch als neuer 1860-Cheftrainer das Kommando.

Der Nachfolger des 50-Jährigen, der die Löwen mittels eines 4-3-3-Systems zu neuer Offensivkraft beflügeln sollte, ist zugleich sein Vorgänger: Markus von Ahlen. Und dessen Beförderung zum Cheftrainer stellte die eigentliche Überraschung des Tages dar. Nach der Trennung von Friedhelm Funkel war der 43-jährige Assistenztrainer im April diesen Jahres bis zum Saisonende eingesprungen. In den fünf Spielen, in denen von Ahlen das sportliche Sagen hatte, errangen die Sechziger immerhin zehn Punkte. Danach rückte der Rheinländer wieder klaglos ins zweite Glied zurück.

Diesmal aber wollen die Münchner voll auf ihn setzen: „Wir brauchen jetzt vor allem eine sehr kurzfristige Lösung.“ Von Ahlen, der bisherige Assistent, erfülle dabei die wichtigsten Kriterien: „Markus kennt die Mannschaft, er kennt den Verein, die Missstände, Schwierigkeiten, Risiken und Chancen“, sagt Poschner. Er habe deswegen auch mit keinem anderen Trainerkandidaten gesprochen, „und ich werde das auch nicht tun“. Denkbar ist dabei auch, dass finanzielle Gründe eine Rolle spielen.

Selbst für von Ahlen kam die Entwicklung unerwartet. Poschner: „Ihn hat das überrollt.“ Der 43-Jährige übernahm bereits am Mittwoch das Kommando im Training, danach klärte er im Dienstgespräch mit Poschner die Details seines neuen Jobs – und gab bei dieser Gelegenheit auch erst seine Zusage.

Bilder: 1860 entlässt Moniz, Von Ahlen trainiert

Bilder: 1860 entlässt Moniz, Von Ahlen trainiert

Die Zeit drängt nun für 1860. Schon am Freitag steht die Heimpartie gegen die Greuther Fürth (18.30 Uhr, Allianz Arena) auf dem Terminplan. „Das ist ein sehr, sehr wichtiges Spiel“, betont Poschner. Seine Erwartungen beschreibt er so: „Eine komplett andere Leistung als zuletzt.“

Moniz, der – Poschner zufolge – von seiner Demission „überrascht“ gewesen sei, hatten die Löwen das nicht mehr zugetraut. Vor allem seine taktischen Winkelzüge schienen immer undurchschaubarer geworden zu sein. „Die Mannschaft“, so der Sportchef, „hat auf dem Platz nicht das gebracht, was in Ricardos Kopf vorging.“

Wobei Poschner indirekt anklingen ließ, dass es dem Trainer zudem nicht gelungen ist, die Leistungspotenziale auch nur ansatzweise auszuschöpfen: „Wir sind von allen unseren Spielern überzeugt. Alle unsere Spieler haben große Qualität.“ In der bisherigen Saison ist das aber kaum zu sehen gewesen. Poschner: „Die vielversprechenden Momente sind viel zu selten aufgeblitzt.“

Uneins waren sich Verein und Moniz auch in puncto Saisonziel. Der Trainer hatte bekanntlich erklärt, er wolle mit 1860 Zweitligameister werden. Poschner meint: „Natürlich hat er sich damit selbst unter Druck gebracht. Vielleicht hat er auch eine Erwartungshaltung erzeugt, die nur schwer zu erfüllen ist.“ Der Geschäftsführer Sport bemüht sich nun um moderates Sinnen und Trachten: „Bei uns ist niemand angetreten und hat gesagt: Wir reißen jetzt die Welt ein.“

Wobei Poschner auch nach dem verkorksten Saisonstart keine Veranlassung sieht, alle sportlichen Ambitionen fahren zu lassen: „Ich glaube fest daran, dass wir unter die ersten Sechs kommen – das ist unser Ziel.“ Das klang fast schon wie neue Bescheidenheit.

Armin Gibis

Rubriklistenbild: © dpa

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