Junge „Löwen“-Juwele

Nachwuchs-Chef Märkle verrät im Interview: So lockt der TSV 1860 neue Jung-Stars

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Nachwuchs-Boss Märkle (r.) im Gespräch mit Reporter Florian Fussek.

Der TSV 1860 ist bekannt für seine hervorragende Nachwuchsarbeit, der schon zahlreiche Stars entsprungen sind. Der neue Chef spricht im Interview über die aktuelle Situation.

Seit Anfang des Jahres 2018 ist Dieter Märkle der Boss im Nachwuchs-Leistungszentrum (NLZ) des TSV 1860. Hier verrät der Strippenzieher der kleinen „Löwen“-Auswahlmannschaften seine Pläne.

Herr Märkle: Der Aufstieg mit der U 19 und U 17 aus der Bayernliga ist das Ziel?

Dieter Märkle: Das muss unser Anspruch sein, allerdings ist die Konkurrenz nicht zu unterschätzen.

Auf welchem Niveau sehen Sie die Löwen?

Märkle: Das ist nicht einfach zu beantworten, ich sehe uns aber auf Augenhöhe mit vielen anderen Vereinen. Auch wenn wir uns mit der U 19 und U 17 nicht in der Bundesliga befinden. In den Testspielen ist aber deutlich zu sehen, dass wir absolut auf Augenhöhe sind – wenn nicht drüber! Man hat zwar die Spielklasse verloren, aber nicht die Qualität, sowohl bei den Spielern als auch der Trainingsarbeit. Allerdings ist die Konkurrenz zwischen den NLZs in Deutschland in den letzten Jahren deutlich größer geworden.

Nachwuchs-Leistungszentrum des TSV 1860 Muenchen an der Gruenwalderstrasse.

Der Abstieg der Jugendmannschaften hat den Kampf um Talente sicher nicht erleichtert.

Märkle: Die meisten Spieler haben Berater und träumen von der großen weiten Fußballwelt – auch wenn nur sehr wenige Profis werden. Sie wollen aber natürlich in den höchsten Spielklassen spielen. Wir können die Spieler fordern, indem wir die Top-Spieler in einer älteren Jugend einsetzen.

„TSV 1860 hat traditionell eine große Zugkraft“

Wie machen Sie Talenten die Löwen schmackhaft?

Märkle: 1860 hat traditionell eine große Zugkraft. Die Durchlässigkeit ist hoch und auch die Qualität der Arbeit, die hier geleistet wird. Schauen Sie sich die aktuelle Erste Mannschaft an, wie hoch der Anteil an Ju­gendspielern ist, die bei uns ausgebildet wurden! Wir können hier nicht mit der besten Infrastruktur punkten. Aber das Wasser muss nicht aus goldenen Hähnen kommen.

Andererseits spielen kaum U-Nationalspieler bei 1860...

Märkle: Das ist nicht ganz korrekt. Wir haben viele Nationalspieler, die aufgrund ihrer Herkunft nicht für Deutschland spielen. Lorenz Knöferl wurde aber aktuell in die deutsche U 16 eingeladen, Nathan Wicht aus der U 15 wurde ebenso wie Nahuel Noll aus der U 17 für einem Lehrgang nominiert. Aber wie schon gesagt: Es kämpfen immer mehr Vereine um die hochtalentierten Spieler. Am Ende spielt auch das Finanzielle eine sehr große Rolle. Wir müssen auch weiterhin die Spieler schon in jungen Jahren im Verein haben. Wenn sie mal hier sind, sich wohl fühlen und eine emotionale Bindung haben ist es unwahrscheinlich, dass sie nochmal gehen.

Sind Sie bereit, Ablösesummen zu zahlen?

Märkle: Das ist im Moment finanziell unmöglich und auch nicht unsere Absicht. Selbst wenn, wäre ich nur bis zu einem gewissen Maß dazu bereit. Die meisten Spieler haben ja ab der U 15 schon Verträge und sind damit gebunden. Da sind dann Summen im Spiel, bei denen wir raus sind.

Nachwuchs-Boss Märkle (r.) will mit U 17 und U 19 der Löwen nach oben.

Ist es für eine Jugendmannschaft immer besser, in einer höheren Liga zu spielen?

Märkle: Das ist die Frage: Hat man die Qualität, um Spiele zu gestalten? Oder steht man bei jedem Spiel mit dem Rücken zur Wand, weil die Qualität der anderen so hoch ist? Ich würde sagen, dass es sportlich in bestimmten Fällen sogar besser ist, mit einer U 21 nicht in der Dritten Liga zu spielen. Es ist egal, ob ich in der Regionalliga Vierter oder Sechster werde. In der Dritten Liga geht es von Anfang an um den Klassenerhalt.

Ist dann langfristig der Aufstieg mit der U 21 in die Regionalliga das Ziel?

Märkle: Das sollte es sein, wenn die Profis aufsteigen, vorher geht es ja schon wegen der Statuten nicht.

TSV 1860: NLZ-Chef Märkle verrät, was auf seinem Wunschzettel steht

Wird der Aufstieg forciert?

Märkle: Das ist eine Grundsatzentscheidung, die von der Verantwortlichen getroffen werden muss. Wenn das Ziel ist, die U 21 fortzuführen, dann sollte auch der Aufstieg angepeilt werden. Sonst ist der Abstand zu groß.

Fühlen Sie sich ausreichend unterstützt?

Märkle: Ich finde immer ein offenes Ohr. Alle Beteiligten versuchen, ihr Bestes zu geben. Es ging nach dem Abstieg darum, den Status Quo zu erhalten. Es ist enorm, was wir in den Nachwuchs investieren – wenn wir das Niveau halten wollen, muss das aber auch so bleiben. Damit wir auf Augenhöhe bleiben, müssen wir mindestens so wie derzeit (rund 800.000 Euro/Jahr, d. Red.) investieren.

Was steht auf Ihrem Wunschzettel?

Märkle: (lacht) Wünschenswert wären mehr hauptamtliche Trainer. Auch der Bereich Videoanalyse gewinnt immer mehr an Bedeutung, da wären zusätzliche Spezialisten schön. Ich würde mir auch wünschen, dass wir es schaffen, in jedem Team zwei Co-Trainer zu installieren, um individueller fördern zu können. Wir sind schon gut aufgestellt – verbessern kann man sich aber immer! 

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Interview: Florian Fussek

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