Der neue Mann im Porträt

Neuer 1860-Coach Moniz: Ideen wie bei Albert Einstein

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Ricardo Moniz.

München - Ricardo Moniz ist neuer Chefcoach des TSV 1860 – der 49-jährige Niederländer erhält einen Zweijahresvertrag.

Münchens Presse war in Habacht-Stellung. Es hatte Signale gegeben, dass am Mittwoch etwas verkündet werden sollte. Neuer Trainer, neue Spieler, neuer Sponsor – die Liste der abzuarbeitenden Posten ist ja lang beim TSV 1860, der sich eine Runderneuerung verordnet hat. Aber: Gleiche Informationslage wie seit Wochen. Bis zum Abend lautete die Spitzenmeldung auf tsv1860.de: „WM 2014: Das tippen die Löwen.“ Nicht unbedingt der Lesestoff, nach dem sich die 60er-Fans derzeit sehnen.

Erst am Abend lüftete der Zweitligist das Geheimnis – und präsentierte in Ricardo Moniz einen Mann, den keiner auf der Rechnung hatte. Der 49-jährige Niederländer sammelte nach seiner aktiven Karriere einst von 2005 bis 2008 zunächst bei Tottenham Hotspurs in der Premier League als Techniktrainer erste Erfahrungen, ehe Martin Jol 2008 seinen Landsmann als Assistenten beim Hamburger SV einsetzte. Bei den Hanseaten arbeitete er später auch unter Bruno Labbadia, nach dessen Demission er sogar für einige Zeit die Chefrolle übernahm. Sein Weg führte ihn weiter zu Red Bull Salzburg, wo er erst als Jugendkoordinator, später als Teammanger und Trainer arbeitete. 2012 feierte er das Double in der österreichischen Liga. Zuletzt betreute er den polnischen Erstligisten Lechia Danzig als Chefcoach. Letzte Saison war er zeitweise als Trainer bei Hannover 96 im Gespräch.

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„Ricardo ist ein Vollbluttyp“, erklärte 1860-Sportchef Gerhard Poschner die Entscheidung, „er lebt Fußball.“ Bevor man sich geeinigt hatte, waren konnten ein paar Namen durchgestrichen werden. Gertjan Verbeek und Holger Stanislawski waren auf derselben Liste gelandet wie vor ihnen bereits Carlos Bernegger (FC Luzern), Thomas Schneider (zuletzt VfB Stuttgart), Nenad Bjelica (zuletzt Austria Wien), Markus von Ahlen (Interimslösung), und Lothar Matthäus (Sky). Die Liste der Trainer, die nicht wollen oder dürfen, die unfreiwillig auf der Liste gelandet sind oder nie wirklich in Frage kamen, war lang.

Von Ahlen bleibt als Assistent

„Ich bin mir sicher, dass Ricardo noch mehr Fußball aus den Spieler herauskitzelt und durch seine Leidenschaft jeden Einzelnen überzeugt“, sagte Poschner. Moniz erhält einen Zweijahresvertrag, was schon als ein großer Vertrauensbeweis zu bewerten ist – zuletzt statteten die Löwen ihre Übungsleiter in der Regel mit kürzer befristeten Arbeitspapieren aus. Der Niederländer ist binnen eines Jahres der vierte Chefcoach der Giesinger, nach Alexander Schmidt, Friedhelm Funkel und von Ahlen soll er nun die Aufgabe übernehmen, den Klub endlich wieder in die Erste Liga zu führen. Von Ahlen wird ihn als Co-Trainer begleiten. „Wir wissen, was wir am Trainer und Menschen von Ahlen haben und sind froh darüber, ihn weiterhin an uns binden zu können“, sagte Poschner gegenüber dem „kicker“. Eine Zeit hatte sich die Interimslösung durchaus auch Chancen ausgerechnet, dauerhaft das Kommando zu haben.

Moniz gilt als Verfechter des 4-3-3-Systems, das die Löwen am liebsten spielen möchten. „Er bildet junge Talente hervorragend aus und verkörpert mit seiner Art, Fußball spielen zu lassen, alle Löwen-Tugenden: mutig und aggressiv nach vorne und dabei niemals aufgeben“, skizzierte Poschner die Philosophie des neuen Mannes.

Dass er Salzburg trotz seiner großen Erfolge verließ, begründete er mit Angeboten aus anderen Ligen und unterschiedlichen Auffassungen in Fragen der Nachwuchsarbeit. Im August 2012 wurde er Trainer des ungarischen Rekordmeisters Ferencvaros Budapest, wo er im Dezember 2013 wegen Erfolglosigkeit gehen musste. Ende März 2014 unterschrieb er bis zum Saisonende bei Danzig. Er gilt als Anhänger der Ideen des niederländischen Star-Trainers Wiel Coerver, der in den 60ern und 70ern revolutionäre Schritte unternahm und bis heute in seiner Heimat als „Albert Einstein des Fußballs“ bezeichnet wird. Seine Lehre dient unter anderem bei Manchester United bis heute in allen Jugendteams bis zu den Profis als Basis.

Klingt, als hätte sich das Warten auf den neuen Coach gelohnt. Aber beim TSV 1860 ist Vorsicht stets geboten, das lehrt die Geschichte.

Andreas Werner und Uli Kellner

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