Er ist Vermögensberater

Neuer 1860-Präsident: Dieser Mann traut sich das zu

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Helmut Reiter (55) arbeitet als Vermögensberater für die DVAG.

München - Nach Informationen der tz will dieser Mann neuer Löwen-Präsident werden. Wer er ist und was er zu einer möglichen Wahl sagt.

"Wer will sich diesen Verein noch antun?“, fragte die tz nach dem Rücktritt des 1860-Präsidiums um Gerhard Mayrhofer. Die am Montag vom Verwaltungsrat eingesetzten Interims-Vereinschefs Siegfried Schneider und Karl-Christian Bay hegen jedenfalls keine Ambitionen auf das Amt des Oberlöwen, sie sprangen ein, um den Verein handlungsfähig zu halten und zur Mitgliederversammlung am 12. Juli einzuladen.

Dort wird der neue Verwaltungsrat gewählt, der im Anschluss ein neues Präsidium vorschlagen wird, das dann von den Mitgliedern bestätigt werden muss. Einer der Kandidaten für den Verwaltungsrat ist Helmut Reiter (55). Wie die tz erfuhr, wäre der Vermögensberater aus Ilmmünster bei Pfaffenhofen an der Ilm nicht nur interessiert an einem Posten im Kontrollgremium, sondern auch bereit, das Präsidentenamt zu übernehmen. Entweder/oder natürlich, schließlich geht es selbst bei 1860 nicht, dass sich ein Präsident selbst kontrolliert.

Reiter reagierte nicht wirklich überrascht, als ihn die tz am Dienstag mit der Information konfrontierte. „Wenn es so wäre, dann würde ich nicht Nein sagen“, meinte er. „Ich bin seit über 20 Jahren Mitglied und Dauerkartenbesitzer, habe das Relegations-Wunder gegen Bielefeld 1977 miterlebt, die Jahre in der Bayernliga und die erfolgreichen Zeiten unter Wildmoser und Lorant. Für mich ist Sechzig ein Lebensgefühl und eine Aufgabe. Ich will nicht nur kritisieren, sondern mithelfen, dass es wieder aufwärtsgeht mit unserem Verein.“

Was Reiter dafür qualifiziert? Der ehemalige Amateurfußballer und Schiedsrichter war 25 Jahre im Private Banking zweier deutscher Großbanken tätig, zuletzt als Direktor. Seit Oktober 2011 arbeitet der zweifache Familienvater bei der Deutschen Vermögensberatung.

Ob es ihn nicht abschreckt, dass bereits drei Präsidenten an Investor Hasan Ismaik scheiterten? Reiter: „Herr Ismaik ist ein Geschäftsmann, ich komme aus dem Bankwesen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man mit diesem Mann nicht vernünftig reden kann. Er will, dass 1860 Erfolg hat, wir wollen, dass 1860 Erfolg hat. Nur: In den Jahren seit Ismaiks Einstieg 2011 gab es eben keinen Erfolg. Es wurde auf falsche Trainer gesetzt, an richtigen wie Friedhelm Funkel nicht festgehalten. Dazu kam eine Transferpolitik, mit der das Geld durch den Kamin gejagt wurde. Und alles musste Ismaik bezahlen. Man muss sich auch mal in seine Lage versetzen. Vor zwei Jahren wurde er von Mayrhofer noch zum größten Retter überhaupt ausgerufen, jetzt soll er zum Verkauf gezwungen werden. Man tut gerade so, als hätte er die Schuld an allem, aber das ist maximal die halbe Wahrheit.“

Sicher, auch Reiter sieht Sportchef Gerhard Poschner kritisch, auch er glaubt, dass vieles mit einem Investor, „der deutsch denkt“, einfacher wäre. Aber er ist Realist. „Ich würde mich nie hinstellen und vom Aufstieg und Grünwalder Stadion faseln. Eine realistische Stadion-Alternative gibt es dann, wenn wir fünf Jahre am Stück in der Ersten Liga spielen. Und dass es nicht unmöglich ist, mit einem Durchschnitts-Budget aufzusteigen, das haben Braunschweig, Paderborn und Ingolstadt bewiesen. Ich bin erschrocken, wie viele Mitglieder sich vor zwei Jahren von den leeren Versprechen beeindrucken haben lassen und Mayrhofer gewählt haben.“

lk

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