Neuer Trainer vom TSV 1860

Möhlmann-Premiere: Und gleich geht’s um die Wurst

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Genug trainiert: Benno Möhlmann steht vor dem Debüt – und glaubt an die Mentalität seiner Mannschaft.

München - Der neue Trainer Benno Möhlmann steht bei seiner 1860-Premiere am Montag unter Druck: Etliche Spieler fallen aus, und nur ein Sieg zählt. 

Als kulinarischer Konter hätte sich ein Topf Maultäschle angeboten. Eine schöne Metzelsupp. Oder sonst eine landestypische Spezialität aus der Region Nordbaden. Aber: Benno Möhlmann ist ja kein Trainer, der auf übertriebene motivatorische Reize setzt. Und als alter Hase im Fußballgeschäft dürfte der neue 1860-Coach auch eher geschmunzelt haben über die Einstimmung des Gegners auf das heutige Zweitligaspiel. Weißwürste hat’s beim Karlsruher SC gegeben. Initiator Jan Mauersberger, der aus München stammende KSC-Verteidiger, fiebert dem badisch-bayerischen Duell entgegen, der „Champions-League-Atmosphäre“ im Flutlichtschein der Allianz Arena. „Das wird ein besonderes Spiel für die ganze Mannschaft“, sagte er.

In jedem Fall steht eine Zweitligapartie an, die für beide Kontrahenten richtungweisenden Charakter hat. Karlsruhe (Platz 16) hat zuletzt drei Remis in Serie fabriziert, die Löwen (17.) deren vier. Zusätzlich wurde der Trainer ausgetauscht. Es geht also sprichwörtlich um die Wurst heute Abend. „Natürlich ist das ein Schlüsselspiel“, sagte Kapitän Christopher Schindler: „Gerade weil es bei Karlsruhe auch nicht so läuft. Ich weiß aber nicht, ob es sinnvoll ist, sich jetzt den kompletten Druck in den Kopf reinzuhauen. Das bringt aus meiner Sicht nichts, weil wir dann verkrampfen.“

Die Ergebnisse der Konkurrenz haben in jedem Fall nicht dazu beigetragen, die Lage zu entkrampfen. Düsseldorf und Paderborn fuhren Siege ein.Möhlmann jedoch denkt eh, dass die Rivalen um den Klassenerhalt woanders zu suchen sind („Denken Sie, dass diese Teams absteigen?“). Und der Nachfolger von Torsten Fröhling ist der Ansicht, dass das Team das mentale Rüstzeug mitbringt, sich in Drucksituationen zu behaupten. „Ich glaube nicht, dass die Mannschaft mental und physisch auf dem Boden war“, sagte er: „Bislang fehlte die letzte Entschlossenheit und damit die Effizienz. Die Kaltschnäuzigkeit müssen wir hinbekommen. Wir sind alle der Meinung, dass wir das Spiel gewinnen können.“

Allerdings: Möhlmann muss in seinem Einstandsspiel mit stark reduziertem Personal zurechtkommen, vor allem in der Defensive. Neben Innenverteidiger Kai Bülow (Knie) fällt wohl auch Rodnei aus (Magen-Darm). Erstmals wird daher U 21-Talent Sertan Yegenoglu im Kader stehen – und womöglich gleich in der Startelf. Rechts hinten und im defensiven Mittelfeld zeichnet sich zudem eine Zwangsrochade ab. Gary Kagelmacher wird wohl als Sechser gebraucht, da Milos Degenek eine Gelbsperre absitzt. Daylon Claasen, zu Saisonbeginn stark als Flügelstürmer, könnte erneut als Rechtsverteidiger aushelfen – wie in der Vorbereitung.

Spannend ist auch die Frage, welchem Torhüter Möhlmann das Vertrauen schenkt. Eine Szene vom Freitag legt die Vermutung nahe, dass der Trainer die Hierarchie seines Vorgängers übernimmt. Möhlmann scharte nach dem Training alle drei Keeper um sich (auch Michael Netolitzki), redete fünf Minuten auf das Trio ein, woraufhin Vitus Eicher vergnügt wirkte und Stefan Ortega eher mürrisch in die Kabine trottete.

„Für uns ist das ein sehr wichtiges Spiel“, fasste Möhlmann die Lage vor seiner Pflichtspielpremiere zusammen: „Wir wollen den ersten Dreier einfahren. Die Spieler haben den Wunsch, nicht der Musik hinterherzulaufen.“ Mit anderen Worten: Nur ein Sieg zählt. Alles andere ist erstmal: wurscht.

Uli Kellner

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