Ein Traditionsverein geht vor die Hunde

Das Schweigen der Löwen

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Wie bleiben wir oben? 1860-Trainer von Ahlen (r.) wirkt ratlos, Sportchef Poschner ist ausnahmsweise sprachlos.

München - Ein Traditionsverein geht vor die Hunde – und keiner schert sich drum. Löwen-Trainer von Ahlen ist weiterhin „total“ von sich überzeugt – seine Bosse gehen derweil auf Tauchstation.

In der Spitze fünf Rentner, ein Kamerateam, die üblichen Zeitungsreporter – das ist es auch schon an öffentlicher Aufmerksamkeit, am Tag nachdem die Hoffnungen des TSV 1860 auf den Klassenerhalt einen herben Dämpfer erhalten haben. Die Bosse: abgetaucht. Kein Statement zur prekären Lage, keine Beschwichtigungsreden im Büro des Sportchefs, wie sonst üblich. Die Mannschaft läuft sich unbehelligt den Frust aus den Beinen, Markus von Ahlen leitet das Training der Reservisten – und nimmt hinterher pflichtschuldig auf der Verhörbank Platz.

Der Ton bei den Pressegesprächen wird schärfer nach diesem niederschmetternden 1:2 gegen Heidenheim, einem gefühlten 1:5 (trotz der glücklichen Führung durch einen Okotie-Elfmeter). „Sind Sie noch überzeugt, dass Sie hier die Wende schaffen?“, will ein Internetreporter wissen. Die Reaktion des Trainers: Blicke wie Blitze, dann ein ähnlich bissig vorgetragener Konter: „Sie glauben doch nicht im Ernst, dass ich mit Ihnen jetzt darüber diskutiere!?“ 14 Pflichtspiele, acht Pleiten, erst ein Heimsieg. Von Ahlen kennt seine erschütternde Bilanz, doch er sagt: „Ich bin von meiner Arbeit total überzeugt.“ Aus seiner Sicht geht es jetzt darum, „dass es die Spieler auf dem Platz umsetzen“. Wie das gehen soll? „Indem wir arbeiten, weiterarbeiten.“ Heute mal wieder unchristlich früh, zumindest aus Sicht verwöhnter Fußballprofis. „Training ist um 8 Uhr“, bellt von Ahlen: „Der weitere Trainingsplan folgt morgen.“

Der Coach zieht die Zügel an, mal wieder. Mit einer Analyse des Scheiterns wirkt er überfordert. Erklärungen? Ursachen für dieses hergeschenkte Spiel? „Es ist in der Tat sehr ärgerlich – und auch schwer nachzuvollziehen“, sagt er zum kollektiven Tiefschlaf nach einer anständig geführten ersten Hälfte. Seine Ausführungen drehen sich im Kreis („Unerklärlich, ich bin verärgert“) – nur einmal, da wird der sonst so Sanfte fast ein bisschen grantig. Als Trainer, sagt er, seien die Einflussmöglichkeiten nach der Pausensitzung begrenzt: „Ich erwarte von erfahrenen Spielern, dass sie Dinge auch mal auf dem Platz regeln. Da nützt es nichts, sich hinterher hinzustellen und zu sagen: Wir waren zu passiv. Da muss ich auf dem Platz zeigen: Ich bin aktiv!“ Mit schönen Grüßen an Daniel Adlung, den selbst ernannten Leader. Viel ist der Kapitän gelaufen, oft jedoch wirr. Beim Eckball zum 1:2 stand er steif daneben – was ihn zu oben zitiertem Satz verleitete. „Das hat auch was mit Selbstständigkeit zu tun“, schimpft von Ahlen, „mit Typsein, mit Mentalität. Das ist etwas, was ich erwarte.“

Bilder: Löwen-Training nach der Heidenheim-Pleite

Eine seltsam lethargische Mannschaft, ein Trainer, der hilflos wirkt, schweigende Bosse – so bereiten sich die Löwen also auf Darmstadt vor, ein weiteres Schlüsselspiel, auch für den Trainer. Thomas Blazek, der neue Medienchef, wirbt um Verständnis, dass bis Sonntag keine Interviewpartner zur Verfügung stehen, abgesehen von der Freitagsrunde. „Motto: Das Schweigen der Löwen. Weniger quatschen, mehr arbeiten.“ Dass im Hintergrund bereits Was-wäre-wenn-Szenarien bequatscht werden, darf allerdings angenommen werden. Einstweilen hat der Satz von Sportchef Gerhard Poschner Gültigkeit, geäußert nach Spielende: „Der Trainer wird am Sonntag sicher auf der Bank Platz nehmen.“

Uli Kellner

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