SC-Freiburg-Star im Interview

Niederlechner: „Es ist mein Ziel, für den TSV 1860 aufzulaufen“

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Flo Niederlechner kehrt immer wieder gerne in seine Heimat nach Hohenlinden zurück. 

Florian Niederlechner hat nicht den klassischen Weg zum Fußball-Profi genommen. Im Interview mit Fussball-Vorort spricht er über die Talentförderung, seine Heimatverbundenheit und seine Ziele für die Zukunft.

Gemeinsam mit Fussball-Vorort ließ der SC Freiburg Stürmer seine Karriere schon Revue passieren. Nun stellt er sich weiteren Fragen und das Interview dürfte dabei das Herz einiger Löwen-Fans höher schlagen lassen.

Hast du das Gefühl, dass dir etwas fehlt, weil du nicht den klassischen Weg gegangen bist?

Nein, überhaupt nicht. Ich glaube, wenn ich den Weg gegangen wäre, zum Beispiel beim TSV 1860, wäre ich niemals Profi geworden. Dort hätte ich gar keine Chance gehabt. Klar fehlte es mir ein bisschen im athletischen Bereich. Das musste ich einfach mit Fleiß aufholen. Klar war es am Anfang eine Umstellung und andere waren mir weit voraus, aber das habe ich mittlerweile schon alles aufgeholt.

Ist es heute überhaupt noch möglich ohne Ausbildung in einem Nachwuchsleistungszentrum in die Bundesliga zu kommen?

Unmöglich würde ich nicht sagen, das ist das falsche Wort. Es ist alles möglich im Fußball, aber es wird schon verdammt schwer. Ich glaube, wenn ich damals nicht das Glück gehabt hätte, dass Unterhaching die finanziellen Probleme hatte, wäre ich auch nicht Fußballprofi geworden. Ich habe sehr davon profitiert, dass sie auf Spieler in der Region setzen mussten.

Wie bewertest du den Trend, dass Jugendspieler immer früher gebunden werden und Vereine große Summen investieren?

Mittlerweile ist es so. Klar, der Jugend gehört die Zukunft, aber man darf auch auf keinen Fall die erfahrenen Spieler vergessen. Man hat es letztes Jahr an Real Madrid gesehen. Sie haben mit vielen erfahrenen Spielern die Champions League gewonnen. Nur mit Jugend hat man gar keine Chance. Hätten wir damals bei der SpVgg Unterhaching ein paar erfahrene Spieler gehabt, wären wir dann auch weiter oben gewesen. In einer schlechten Phase ist es wichtig, erfahrene Spieler zu haben, die vorne weg marschieren. 

„Ich bin halt auch einer, der gerne heim geht“

Was sind die größten Unterschiede zwischen Amateur- und Profifußball?

Natürlich die Intensität im Training. Plötzlich jeden Tag Einheiten, teilweise sogar zweimal. Das war ein großer Unterschied. Ich musste mich brutal umstellen. Natürlich ist auch die Qualität der Spieler eine ganz andere. Der größte Unterschied war sogar der Schritt von der zweiten in die erste Liga. Das ist noch einmal eine andere Hausnummer.

Was gefällt dir am Amateurfußball?

Vor fünf Wochen, als ich meine Sprunggelenksverletzung hatte, war ich in Ebersberg und habe meinen alten Jungs zugeschaut. Ich mag es einfach, wenn man mal in Ruhe ein Spiel anschauen kann, gemeinsam mit Freunden wie es früher war. Es ist auch was anderes als der Profifußball.

Allgemein bist du ein sehr heimatverbundener Mensch.

Ich bin so großgezogen worden. Damals Bayernliga war ja schon ein großer Schritt. Es folgten dritte, zweite und erste Liga. Ich bin immer so geblieben, wie ich bin, weil meine Eltern mich auch am Boden gehalten haben. Ich hatte gar nicht die Möglichkeit abzuheben. Ich bin halt auch einer, der gerne heim geht, mit seinen Jungs Schafkopf spielt und mal ein Bierchen trinkt. Ich bin so, wie ich früher war, bin gut damit gefahren und will mich auch nicht ändern.

Was wünschst du dir persönlich für die kommende Saison und für den SC Freiburg?

Es reicht jetzt mit meinen Verletzungen. Das waren jetzt schon zwei Kanonenschläge. Ich wünsche mir natürlich Gesundheit und dass ich der Mannschaft so schnell wie möglich mit Toren und guten Leistungen helfen kann. Mannschaftlich gesehen zählt beim SCF nur der Klassenerhalt.

Du sagst von dir selbst, dass du ein „Sechzger durch und durch“ bist. Kannst du dir auf lange Sicht einen Wechsel zum TSV 1860 München vorstellen? 

Absolut! Da bin ich ganz offen. Klar ist es mein großes Ziel, dass ich irgendwann für 1860 auflaufen kann. Das wird die Zukunft zeigen. Es sind dann viele Faktoren, die stimmen müssen. Ich will auf alle Fälle nochmal den Löwen auf der Brust haben.

Gespräch: Jan Ahrens

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