Der Allrounder im Interview

Koussou: "Bin traurig, dass es nun vorbei ist"

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Nono Koussou verlässt die Löwen nach zwölf Jahren.

München - Nono Koussou verlässt die Löwen am Saisonende nach zwölf Jahren. Im Interview analysiert der Allrounder, warum er den Durchbruch bei den Profis nicht geschafft hat und wie es jetzt weitergehen soll.

Viele Löwen-Fans staunten am vergangenen Sonntag nicht schlecht, als neben Benny Lauth, Daniel Bierofka, Necat Aygün und Andreas Ludwig auch zwei Nachwuchs-Löwen verabschiedet wurden: Philipp Steinhart und Nono Koussou kamen zwar überwiegend bei den Amateuren zum Einsatz, gehörten aber zum Profi-Kader. Beide werden den Klub am Saisonende verlassen.

Dabei gab es bei Koussou mal eine Zeit, in der viele dachten, er stünde kurz vor dem Durchbruch bei den Profis. Warum es nichts wurde, wie er seine zwölf Jahre bei Sechzig bilanziert und wie es jetzt weitergehen soll, erzählt der 21-Jährige im Interview mit unserer Onlineredaktion.

Nono, Du wirst die Löwen im Sommer nach zwölf Jahren verlassen. Warum?

Nono Koussou (21): "Diese Entscheidung haben der Verein und ich gemeinsam getroffen. Ich selber habe gesehen, dass ich bei den Profis nie wirklich eine Chance hatte. In dieser Saison hatte ich zwei Kurzeinsätze. Zudem hatte ich mit Verletzungen zu kämpfen, so war es einfach schwierig auf Einsatzzeiten zu kommen. Ich denke, die Luftveränderung wird mir gut tun, ich bin ja schon zwölf Jahre bei Sechzig und möchte gerne eine neue Herausforderung annehmen."

Du hattest am letzten Spieltag der Saison 2012/2013 einen 85-minütigen Einsatz gegen Aalen. Damals hat Dich Trainer Alex Schmidt in die Startelf gestellt. War er Dein größter Förderer bei 1860?

Koussou: "Kann man so sagen. Ich hatte Schmidt schon in der U17 und U19 als Trainer. Er kennt mich, er weiß, was ich drauf habe. Er hat mich in den Profi-Bereich gebracht."

Welche Erinnerungen hast Du an die Zeit nach dem Aalen-Spiel? Damals gab es ja fast einen kleinen Hype um Deine Person.

Koussou: "Das war natürlich ein schönes Gefühl. Ich habe damals ein ganz gutes Spiel abgeliefert und habe viel Lob dafür bekommen. Damals dachte ich: 'Das ist jetzt der Startschuss, ab jetzt geht es bergauf."

Warum blieb es dann bei diesem einzigen Einsatz von Beginn an?

Koussou: "Wahrscheinlich habe ich einfach nicht mehr die Leistung gebracht, die ich vorher gezeigt habe. So selbstkritisch muss ich sein. Klar, ich hatte auch ein paar Verletzungsprobleme, aber es ist einfach nicht mehr so gelaufen."

"Der Abschied ist schmerzhaft"

Die Situation änderte sich für Dich auch nach dem Trainerwechsel zu Friedhelm Funkel nicht. Wie war der Kontakt zu ihm?

Koussou: "Ich hatte nur ein paar Gespräche mit ihm. Nach dem Trainingslager in der Türkei im Januar hatte ich trotzdem ein sehr gutes Gefühl, dass ich nochmal eine Chance bekommen würde. Denn nach den beiden Testspielen, in denen ich zum Einsatz kam, habe ich gutes Feedback bekommen.

Bist Du enttäuscht darüber, wie es für Dich gelaufen ist?

Koussou: "Enttäuscht bin ich auf keinen Fall. Im Fußball ist es halt so, dass man auch mal den Verein wechseln muss. Ich bin eher traurig, dass die Zeit bei den Löwen nun vorbei ist. Das waren schöne zwölf Jahre, daher ist der Abschied schon schmerzhaft."

Du bist ein sehr flexibler Spieler, kannst sowohl auf der rechten wie auf der linken Seite offensiv wie defensiv spielen. Empfindest Du das als Vor- oder als Nachteil?

Koussou: "Ich sehe es von zwei Seiten. Ein Vorteil ist es, weil ich flexibel einsetzbar bin und auch mal aushelfen kann, wenn ein Spieler auf einer anderen Position ausfällt. Der Nachteil ist, dass ich nicht an eine Position gebunden bin. Wenn ich zum Beispiel einmal rechts hinten spiele und in der nächsten Partie im linken Mittelfeld, dann denke ich: 'Okay, jetzt habe ich plötzlich ganz andere Laufwege, und das Stellungsspiel ist anders'. Deshalb möchte ich mich in meiner weiteren Entwicklung gerne spezialisieren: Entweder auf der rechten Verteidigerposition, oder im linken Mittelfeld.."

Rechts hinten und vorne links? Ziemlich gegensätzliche Positionen.

Koussou: "Ja, aber da fühle ich mich einfach am wohlsten. Auf den Positionen habe ich auch immer meine besten Leistungen abgerufen."

Nachwuchsleiter Schellenberg hat über Dich gesagt, dass Du die Dritte Liga auf jeden Fall "im Kreuz" hast. Empfindest Du das als Kompliment oder eher als Zeichen, dass er Dir nicht mehr zutraut?

Koussou: "Ich empfinde das als Kompliment. Er hat Ahnung von Fußball und kennt sich aus, deshalb sehe ich diese Einschätzung positiv. Trotzdem strebe ich natürlich Höheres an."

Wie sieht das konkret aus? Wohin zieht es Dich?

Koussou: "Ich habe noch keine konkreten Pläne. Mit einigen Vereinen stehe ich in Kontakt. Und bei den letzten Spielen bei den Amateuren waren wohl auch ein paar Scouts da, die mich beobachtet haben. Mal schauen, was sich ergibt."

"Spielpraxis ist mir das Wichtigste"

Worauf kommt es Dir an?

Koussou: "Mir ist einfach ganz wichtig, dass ich Spielpraxis bekomme."

Es wird das erste Mal für Dich sein, dass Du Deine Heimat München verlässt. Bist Du aufgeregt?

Koussou: "Ich sehe es mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Klar, es wird ein kompletter Neuanfang. Ich lasse Familie, Freunde und Freundin hier zurück, das ist ein komisches Gefühl. Aber entweder ich versuche, Karriere zu machen, oder ich bleibe da stehen, wo ich jetzt bin. Und ich möchte nach wie vor Profi werden, deshalb ist dieser Schritt wichtig."

Wenn Du auf zwölf Jahre Sechzig zurückblickst: Was nimmst Du mit?

Koussou: "Die Zeit war schön. Klar, wenn ich nicht gespielt habe, war ich auch mal frustriert. Aber ich habe so viele gute Menschen kennengelernt, Freundschaften sind entstanden. Bei Sechzig geht es wirklich familiär zu, ich hätte mich gerne hier durchgesetzt. Aber es war eine wunderschöne Zeit - mit Höhen und Tiefen. Und jetzt fängt ein neues Kapitel an."

Gibt es jemanden, der Dir besonders ans Herz gewachsen ist?

Koussou: "Moritz Leitner. Er ist mein absolut bester Freund. Wir kennen uns seit der U11, seither waren wir immer befreundet. Wir treffen uns auch heute noch fast jedes Wochenende, obwohl er jetzt in Stuttgart ist."

Was glaubst Du, wo geht der Weg der Löwen in den nächsten Jahren hin?

Koussou: "Ich wünsche den Löwen nur das Beste. Ich bin ja selber ein Löwe, deshalb hoffe ich, dass sie ihren Traum verwirklichen und bald wieder in der ersten Liga sind.

Kannst Du das Szenario vorstellen, irgendwann zu Sechzig zurückzukehren?

Koussou: "Auf jeden Fall! Wenn ich mir vorstelle, ich entwickle mich weiter, die Löwen steigen auf und rufen mich irgendwann mal an und fragen: 'Hey Nono, willst du nicht zurückkommen?' Ich glaube, das würde ich mir nicht zwei Mal überlegen. Sechzig und München, das ist meine Heimat."

Interview: Gregory Straub

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