Wie Ismaik die Löwen-Entwicklung sieht

Basha im tz-Interview: "Hasan glaubt an das Projekt 1860"

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Noor Basha, Statthalter und Cousin von Hasan Ismaik.

München - Im großen tz-Interview spricht Noor Basha, Statthalter von Investor Hasan Ismaik, über seinen Job-Wechsel und die Gedanken seines Cousins.

Wie geht’s weiter beim abstiegsbedrohten TSV 1860? Wohin steuert der ehemalige Giesinger Arbeiterklub mit seinem Hauptgesellschafter aus Abu Dhabi? Da Hasan Ismaik erst nach der Saison wieder nach München kommen will, um eine Bilanz zu ziehen, versuchte die tz von seinem Münchner Statthalter Noor Basha erschöpfende Antworten auf die aktuell drängendsten Löwen-Fragen zu bekommen. Teilweise mit Erfolg.

Noor, mit Ihren Twitter-Botschaften haben Sie zuletzt reichlich Interpretationsspielraum gelassen. Erst verkündeten Sie, dass das Leben darin bestünde, Widerstand zu leisten, danach drohten Sie allen mit Vernichtung, die sich „uns“ in den Weg stellten. Was treibt Sie um?

Basha: Wir sind im Abstiegskampf, und ich bin ein emotionaler Mensch, das ist die ganze Erklärung. Ich finde es fantastisch, wie unsere Fans die Mannschaft unterstützen. Das macht mich jedes Mal sprachlos im Stadion, egal ob zu Hause oder bei Auswärtsspielen wie zuletzt in Fürth. Und genauso sprachlos haben mich die Interpretationen vieler Journalisten gemacht, die meine Tweets als Indiz für einen angeblichen internen Machtkampf bei 1860 herangezogen haben. Das war in höchstem Maße respektlos.

Dann klären Sie uns auf: Was waren die Umstände Ihres Jobwechsels?

Basha: Unser Geschäftsführer Markus Rejek und ich als Geschäftsführer von H.I. Squared (bisheriger 1860-Vermarkter, d. Red.) haben über einen Zeitraum von mehreren Monaten den neuen Vermarktervertrag mit Infront ausgehandelt, der 1860 in den nächsten dreizehneinhalb Jahren eine hohe zweistellige Millionensumme garantiert. Ich hatte auch vorher schon einen Arbeitsvertrag in der 1860 KGaA, jetzt ist meine Rolle die, dass ich zusammen mit Markus (Rejek) die Geschäftsentwicklung vorantreibe, Türen in die Wirtschaft öffne und das Bindeglied zu Hasan (Ismaik) bin, mit dem wir fast täglich in Kontakt stehen. Es war nicht so, dass ich um einen Job gebettelt habe oder nicht weiß, was ich tun soll. Solche Unwahrheiten zu streuen, ist bösartig. Dass uns Hasan und ich mit Kommentaren zurückgehalten haben, ist einzig unserer Professionalität geschuldet.

Wie beurteilt Ihr Cousin die aktuelle Lage bei 1860?

Basha: Er ist natürlich enttäuscht vom bisherigen sportlichen Abschneiden in dieser Saison, das sind wir alle hier. Aber Hasan glaubt weiterhin an das Projekt 1860 und er vertraut Markus Rejek und Gerhard Poschner, dass sie den Klub nach vorne bringen. Nach einem massiven Umbruch geht die Kurve in vielen Unternehmen erst mal nach unten, um danach richtig anzusteigen. Ich vergleiche Sechzig da mit einem Baby, das laufen lernt.

Mit Verlaub, aber vier Jahre nach dem Einstieg von Herrn Ismaik bei 1860 müsste das blaue Baby doch längst laufen können.

Basha: Aber die ersten drei Jahre bestanden doch nur aus Streit! Es gab kein vernünftiges Finanzreporting, keinen klaren Plan, sondern nur Absichtserklärungen. Der September 2013, die Entlassung von Robert Schäfer, war das eigentliche Geburtsdatum des Babys. Der neue Präsident war bereits da, zwei neue Geschäftsführer sind seitdem hinzugekommen. Und langsam aber sicher verbessern sich auch die Zahlen, auch wenn es sportlich natürlich viel, viel besser laufen könnte. Trotzdem: Das Defizit haben wir spürbar verringern können. Unser Ziel ist und bleibt es, 1860 unabhängig zu machen.

Unabhängig von alljährlich neuen Zuwendungen Hasan Ismaiks?

Basha: Ganz genau.

Noch ist das Jahresdefizit beträchtlich. In welcher Form wird Ismaik dieses Mal zum Erhalt der neuen Lizenz beitragen?

Basha: Das sind Interna. Ich kann nur sagen, dass Hasan seinen Beitrag leisten wird, der Prozess ist im Gang.

Und im Falle des Abstiegs?

Basha: Die Mannschaft hat keine Absteigermentalität. Wir werden nicht absteigen.

Ihr Optimismus in Ehren, aber…

Basha: Markus Rejek hat sich dazu doch schon geäußert. 1860 kann auch in der Dritten Liga überleben. Mehr gibt es dazu von mir nicht zu sagen.

Sie haben kürzlich im Magazin „11Freunde“ über die Situation der Löwen als Mieter in der Allianz Arena lamentiert, wo keine Einnahmen aus Logen und Namensrechten generiert werden könnten. Mit welcher Absicht?

Basha: Das war eine Feststellung, kein Jammern. Dass 1860 auf Sicht ein eigenes Stadion braucht, liegt doch auf der Hand. Und es wird auch daran gearbeitet. Aber im Moment ist nicht der richtige Zeitpunkt, dieses Thema öffentlich zu diskutieren. Der Sport steht im Vordergrund. Alleine der Sport.

Dann lassen Sie uns über den Sport reden. Inwiefern ist mit Hasan Ismaiks Politik der Existenzsicherung eine sportliche Weiterentwicklung überhaupt möglich? Müsste nicht ein wesentlich größeres Volumen investiert werden, um den großen Schritt zu schaffen?

Basha: Wir sind Sechzig, nicht Leipzig. Schauen Sie auf die Liga, auf Klubs wie Ingolstadt oder Karlsruhe, wo vernünftig und in Ruhe gearbeitet wird. Diese Kontinuität muss unser Ziel sein.

Ein wohlbekannter Satz bei 1860.

Basha: Ja, das weiß ich auch. Aber aus den Fehlern der Vergangenheit werden wir lernen. Eines ist sicher: Mit unserem Etat müssen wir uns in der Zweiten Liga nicht verstecken.

Interview: lk

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