Obama lässt die Löwen hoffen!

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Mit seinen Vorgängern Kennedy, Johnson, Carter und Clinton machten die Löwen gute Erfahrungen. Jetzt hofft der TSV 1860 auch wieder auf erfolgreiche Zeiten unter Barack Obama.

Auf der ganzen Welt setzen die Menschen seit vergangenen Dienstag ihre Hoffnungen in Barack Obama, den designierten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika.

Ob Wirtschaftskrise, Irak-Konflikt oder die sozialen Missstände im eigenen Land – Obama soll’s richten. Auch beim TSV 1860 dürfte man jetzt wieder besseren Zeiten entgegensehen. Dank Obama. Oder besser: Dank der Tatsache, dass er ein Präsident der demokratischen Partei ist. Wann immer nämlich diese am Ruder war, ging’s den Löwen gut. Stellten jedoch die Republikaner das Staatsoberhaupt, herrschte an der Grünwalder Straße Chaos, Tristesse oder sogar Weltuntergangsstimmung.

Löwen sechs Spiele ungeschlagen - Die Super-Serie in Bildern

Löwen sechs Spiele ungeschlagen - Die Super-Serie in Bildern © 
Eine Tabelle zum Abgewöhnen! So sah die Zweitliga-Rangliste am Tag vor dem Ingolstadt-Spiel aus. Was dann folgte, hätten nicht mal die größten Optimisten zu hoffen gewagt. Lassen Sie hier noch einmal die grandiosen Jubelwochen des TSV 1860 Revue passieren. © tz
6. SPIELTAG (28.9.): 1:1 gegen den FC Ingolstadt - die Wende! © Fishing4
Punktgleich mit dem Tabellenletzten empfängt der TSV 1860 den FC Ingolstadt zum Bayern-Derby. Auch wenn die Verantwortlichen ihm den Rücken stärken: Marco Kurz kann sich nicht sicher sein, nach dem Spiel noch Trainer zu sein. © sampics
Daniel Bierofka erzielt das 1:0 - doch die Freude hält nicht lange. © Fishing4
"Zecke" Neuendorf gleicht in der 82. Minute für die Ingolstädter aus. 1:1 zum Schlusspfiff, wieder nicht gewonnen. Vier Zähler aus sechs Spielen - miserabel! © sampics
Dass das 1:1-Unentschieden der Auftakt zu einer grandiosen Serie ist, kann zu dem Zeitpunkt noch keiner ahnen. Und das sieht man in den Gesichtern. © sampics
Die Strafe: Am 30.9. gibt's für die Löwen beim Wiesn-Ausflug nur schales alkoholfreies Bier oder langweilige Blubberbrause - zum Feiern gibt's nun wirklich keinen Anlass. © sampics
7. SPIELTAG (3.10.): 3:0 beim FSV Frankfurt - die Befreiung! © Fishing4
Den "Tag der Arbeit" am 3. Oktober nehmen die Löwen wörtlich. © sampics
Ein wenig scheinen den Sechzgern im Frankfurter Stadion die Knie zu schlottern. 0:0 steht's zur Halbzeit. Doch sie kämpfen sich ins Spiel und schaffen, was zu dem Zeitpunkt keiner für möglich gehalten hätte: einen richtig überzeugenden Sieg! © dpa
Das 2:0 durch Timo Gebhart. © Fishing4
Fabian Johnson und Lars Bender besorgen die weiteren Tore. © Fishing4
Jubel ohne Ende! Da freut sich das Löwenherz - und ist erleichtert. © Fishing4
8. SPIELTAG (19.10.): 3:1 über die SpVgg Greuther Fürth - die Bestätigung! © Fishing4
16 Tage lagen zwischen den Spielen - und mit ihnen die Unsicherheit, ob der Sieg über Frankfurt nur eine Eintagsfliege war oder der Anfang vom Ende der Krise. © dpa
Schock! Schon in der 3. Minute trift Fürth. Zur Pause liegen die Sechzger mit 0:1 zurück. © dpa
Durchatmen: Timo Gebhart gleicht in der 56. Minute per Kopf aus. © Fishing4
Dann beginnt die große Benny-Lauth-Show. 2:1! © sampics
Und das 3:1 in drei Minuten später! © dpa
So ausgelassen hat man die Löwen in dieser Saison zuvor noch nicht jubeln sehen! © Fishing4
Und auch Marco Kurz sitzt wieder fester im Trainerstuhl © sampics
Zwei Tage nach dem Sieg der große Skandal: Berkant Göktan wird des Kokainkonsums überführt. Auch die Verletzungsmisere wird immer größer. Binnen einer Woche erreichen die Löwen die Hiobsbotschaften, dass Daniel Bierofka, Danny Schwarz und Lars Bender unters Messer müssen und für den Rest der Hinrunde ausfallen. © sampics
9. SPIELTAG (26.10.): 2:0 beim VfL Osnabrück - die Trotzreaktion! © Fishing4
Zeigen sich die Löwen geschockt über den Göktan-Skandal und die Verletztenmisere? © Fishing4
Nö! © Fishing4
Nikolas Ledgerwood erzielt das 1:0 © Fishing4
Diese beiden besorgen das 2:0. Traumflanke Sven Bender - und Interimskapitän Benny Lauth netzt zum 2:0 ein. Der dritte Löwen-Sieg in Folge ist perfekt! © Fishing4
10. SPIELTAG (29.10.): 1:0 gegen TuS Koblenz - die Vergoldung! © sampics
Vierter Sieg in Folge - der "goldene Oktober" mit zwölf von zwölf möglichen Zählern ist perfekt. © sampics
Mann des Tages ist Timo Gebhart, der mit einem Kracher das einzige Tor besorgt © sampics
Das Ergebnis von 1:0 trügt: Es ist keineswegs ein knapper Sieg, sondern ein hochverdienter. Und vor allem - das kann man gar nicht oft genug betonen - der vierte Triumph in Folge. © sampics
"Wir wollen hüpfen hüpfen hüpfen, wollen hüpfen hüpfen hüpfen, wollen hüpfen hüpfen hüpfen, wollen hüpfen." Es läuft einfach rund bei den Löwen. © sampics
11. SPIELTAG (3.11.): 0:0 beim 1. FC Kaiserslautern - das Schweinespiel © Fishing4
Jetzt klappt sogar das! Aus Spielen, die die Löwen früher verloren hätten, retten sie mit viel Kampf und Moral wenigstens noch einen Punkt ins Ziel. "Schweinespiel" nennt man so was in der Fußballersprache. © Fishing4
Der FCK erweist sich als starker Gegner, aber nicht stark genug, um das Löwen-Tor zu erschüttern. Das liegt auch an ihm, dem Mann des Tages: Keeper Philipp Tschauner, der die "Null" festhält. © Fishing4
Aber auch als Kollektiv funktionieren die Löwen auf dem Betzenberg. Sie glänzen nicht etwa mit Spielwitz, aber doch zumindest mit Leidenschaft - bis sogar Blut fließt. © Fishing4
Schlusspfiff, 0:0, Punkt gewonnen! © Fishing4
Sechs Spiele in Folge ungeschlagen - die Löwen haben sich aus dem absoluten Tabellenkeller bis auf Platz 6 hervorgearbeitet. Die Aufstiegsplätze sind in Reichweite. Greifen die Löwen schon Sonntag gegen Rot-Weiß Oberhausen zu? © tz

Hier der Beweis:

In den Fünfzigerjahren dümpelten die Löwen meist im Niemandsland der Oberliga Süd herum und stiegen sogar zweimal ab. Der US-Präsident hieß Dwight D. Eisenhower, ein knallharter Republikaner.

Anfang der Sechzigerjahre die Wende zum Guten. John F. Kennedy kam in den USA an die Macht, Max Merkel beim TSV 1860. Die Blauen wurden 1963 Süddeutscher Meister und qualifizierten sich für die neugegründete Bundesliga. Es lief prima. Am 22. November 1963 aber fiel Kennedy einem Attentat zum Opfer, der Schock saß auch bei den Löwen tief. Sie verloren alle vier Spiele nach dem Anschlag. Unter Kennedys Nachfolger, Lyndon B. Johnson (natürlich auch ein Demokrat), ging’s dann jedoch bald steil aufwärts. Deutscher Pokalsieger 1964, Europacupfinalist 1965 und Deutscher Meister 1966 – lauter „demokratische“ Erfolge.

1969 kündigte sich das Unheil an. Der Republikaner Richard Nixon wurde neuer Präsident, die Löwen stiegen ein Jahr später ab.

Sieben Jahre verbrachten sie in der 2. Liga, im Jahr 1977 endlich der Wiederaufstieg. US-Präsident war seit ein paar Monaten natürlich endlich wieder ein Demokrat: Jimmy Carter, der Erdnussfarmer.

„Alles Peanuts“ dachte man sich auch beim TSV 1860 und warf in der Folge das Geld mit offenen Armen zum Fenster raus. Auch die Wahl des Republikaners Ronald Reagan im Jahr 1980 nahm man der Grünwalder Straße nicht als Warnsignal. So kam es, wie es kommen musste. Während Reagan den „Krieg der Sterne“ in Angriff nahm, gingen bei den Löwen 1982 alle Lichter aus: Lizenzentzug, Zwangsabstieg, Verlust aller Stars, Drittklassigkeit. Für viele, viele Jahre.

1992 dann endlich die zwei Namen, die den TSV 1860 wieder aus der Bedeutunglosigkeit herausrissen. Clinton und Lorant. Vor dem einen kniete Monica Lewinsky nieder, vor dem anderen die Fans des TSV 1860. In einem Rutsch beförderte Lorant die Löwen aus der dritten in die erste Liga und erreichte Jahre später sogar die Qualifikation für die Champions League. Die Sechziger scheiterten damals, im Sommer 2000, knapp an Leeds, der Demokrat Clinton musste drei Monate später gehen.

Und Platz machen für einen Republikaner: George W. Bush. Sowas wie ein Falko Götz der Politik. Der führte den TSV 1860 im Jahr 2004 runter in die 2. Liga. Rausgekommen sind sie aus ihr bisher noch nicht. Aber jetzt gibt’s ja Obama…

Quelle: tz

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