Fröhling glaubt an seinen Stürmer

Löwen-Stürmer Okotie nähert sich der alten Form

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Erfolgreich gestrafft: Von wegen Ich-AG! Rubin Okotie arbeitet neuerdings auch viel für die Mannschaft.

München - In Nürnberg fehlten dem 1860-Stürmer Rubin Okotie nur Zentimeter zu einem erlösenden Erfolgserlebnis. Trainer Fröhling glaubt an ihn.

Es schien Rubin Okotie schwer zu fallen, sich über den Kopfballtreffer seines Teamkollegen zu freuen. Der Wiener hatte kurz zuvor im Derby gegen Nürnberg den Ball an Pfosten genickt, zum so lang ersehnten Erfolgserlebnis fehlte nur eine Winzigkeit. Doch Kai Bülow traf im Nachsetzen: 1:0 und zugleich der erste Saisontreffer der Löwen überhaupt – ein freudiges Ereignis. Okotie, 28, aber winkte ab, er wirkte gefrustet, trabte fast unbeteiligt von dannen, von Jubelstimmung keine Spur. Dabei hatte er ja die wichtige Vorarbeit geleistet. Kam da die stürmende Ich-AG zum Vorschein, der allein die persönliche Torbilanz wichtig ist?

„Das hab ich so jetzt nicht gesehen“, sagte Torsten Fröhling mit leichtem Schmunzeln und stellte sich schützend vor seinen verhinderten Torjäger. „Er hat sich geärgert, dass seiner nicht reingegangen ist“, so die salomonische Interpretation des Trainers: „Aber er wird sich auf alle Fälle gefreut haben, dass wir ein Tor gemacht haben.“

Ist ja irgendwo auch nachvollziehbar, dass Okotie fast schon verzweifelt angesichts seiner anhaltenden Torflaute. Zwölf Treffer waren ihm in der vergangenen Hinrunde gelungen, doch dann kam eine Verletzung (Knie), eine Formkrise, eine Rückwärtsentwicklung des Marktwertes – und plötzlich lief es nicht mehr. Okoties letzter Treffer war jener im Panenka-Stil gechipte Elfmeter gegen Heidenheim am 20. Spieltag der vergangenen Saison – danach blieb der österreichische Nationalspieler in 629 Spielminuten torlos, inklusive Relegation (exklusive Pokal). Es gibt wohl keinen Stürmer der Welt, an dem solch eine lange Schaffenskrise spurlos vorüber gehen würde.

Aber: Allein von seinem Aktionsradius her ist der Okotie im Sommer 2015 nicht mehr mit jenem aus dem Frühjahr vergleichbar. Die Körpersprache zeugt von innerer Straffung, und er läuft neuerdings wieder, so weit ihn die Füße tragen. Das neue Pressing, das Fröhling seinen Löwen eingeimpft hat, wäre nicht möglich, würden Okotie und Stephan Hain nicht selbstlos jedem gegnerischen Ball hinterher jagen. „Er hat kontinuierlich einen Sprung gemacht“, lobt Fröhling den Stürmer, der erkennbar gewillt ist, sich selbst aus dem Sumpf zu ziehen. „Er ist gut in Bewegung, er ist fleißig, er ist mannschaftsdienlich zurzeit – und deswegen habe ich bei ihm überhaupt keine Bauchschmerzen.“

Ein bisschen ist es ja auch Fröhlings Verdienst, dass sich Okotie Zentimeter für Zentimeter der alten Form nähert. Selbst in einer Phase, als sich der Wiener in der Mannschaft zu isolieren schien, hat der Trainer seinen vordersten Angreifer nie fallen lassen. Dieses Vertrauen in Verbindung mit Okoties Ehrgeiz war wohl die Grundlage dafür, dass der Wille zum Neuanfang auf fruchtbaren Boden fiel. „Er ist ziemlich fit – oder schon sehr fit“, lobt Fröhling das zähe Ringen des Stürmers um physische Stärke: „Er hat sich peu à peu gesteigert – wie die ganze Mannschaft. Deswegen sage ich: Wenn einer reingeht, dann schießt er vielleicht auch ein zweites oder drittes.“

Bekanntlich blieb es in Nürnberg ja nicht bei einem Pfostentreffer. Okotie scheiterte noch ein zweites Mal am Aluminium, kurz vor Schluss sogar freistehend. Doch wie wertvoll er auch als Mitspieler sein kann, zeigte jene Szene aus der fünften Minute: Okotie kam im Strafraum an den Ball, zog aber nicht selbst ab, sondern legte präzise auf für Marius Wolf, der die Kugel dann über die Latte jagte. Spielt so jemand, der nur sein eigenes Glück im Sinn hat? „Wie gesagt: Er braucht ein Erfolgserlebnis“, sagt Fröhling: „Nürnberg war von ihm noch eine Steigerung gegenüber Hoffenheim. Jetzt müssen wir versuchen, das in Nuancen weiter zu verbessern – oder erst mal zu halten.“

Armin Gibis und Uli Kellner

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