"Mich hat's total zerlegt"

Bodden: Kollaps wegen falschem Medikament!

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Olaf Bodden leidet unter dem Chronischen Erschöpfungssyndrom (Chronic Fatigue Immune Dysfunction Syndrome, CFIDS)

München - Seit ein paar Monaten ist es still geworden um Löwen-Idol Olaf Bodden. Die tz kennt den Grund. Der kranke Ex-Stürmer ist zum "Opfer" des Medikaments "Rituximab" geworden.

Er war einer der besten Stürmer, die je das Löwen-Trikot überstreiften, erzielte in 67 Einsätzen 25 Erstligatore für den TSV 1860. Und trotz seines Chronischen Erschöpfungssyndroms (Chronic Fatigue Immune Dysfunction Syndrome, CFIDS), das ihm seit 15 Jahren zu schaffen macht, sah man Olaf Bodden (45) regelmäßig in der Allianz Arena, wo er seinen Sechzigern die Daumen drückte.

Seit ein paar Monaten ist es jedoch still geworden um den 1,92m-Mann. Und die tz kennt den Grund. Bodden ist zum „Opfer“ des Medikaments „Rituximab“ geworden, von dem er sich eigentlich und endlich Hilfe versprochen hatte. „Ich wollte gesund werden“, sagt er, „das Medikament war meine große Hoffnung. Stattdessen hat’s mich total zerlegt.“

Derzeit fällt es Bodden schon schwer, alleine zur Toilette zu gehen. „Wenn sich meine Freundin und vor allem meine Tochter nicht so um mich kümmern würden“, sagt er, „dann müsste ich den ambulanten Pflegedienst in Anspruch nehmen. Mir geht’s mehr als bescheiden.“

Auf das Medikament war Bodden durch Internetrecherchen gestoßen. „Ich habe dann medizinische Vorträge besucht, wo über eine norwegische Studie informiert wurde, wonach Rituximab bei meiner Krankheit helfen kann.“ Von der Immunulogin Prof. Carmen Scheibenbogen ließ sich Bodden in der Berliner Charité das Medikament als sogenannter „Off-Label-Use“ verschreiben, da es in Deutschland für CFIDS nicht zugelassen ist. Über die Risiken war Bodden aufgeklärt. Dass es allerdings so schlimm kommen würde, hätte er nicht für möglich gehalten.

„Am dritten Tag nach der ersten Infusion am 16. November 2012 habe ich Grippe-Symptome bekommen“, erinnert er sich. „Das zog sich über Monate hin, wurde mal besser, mal schlechter. Und Ende März kam der Total-Crash. Ich hatte überhaupt keine Kraft mehr und liege seitdem fast nur noch im Bett.“ Das Medikament hatte Boddens B-Lymphozyten (den weißen Blutkörperchen zugehörig) zerstört, die er als vermeintliche Ursache für das CFS ausgemacht hatte. Doch statt einer Besserung folgte die komplette Lahmlegung des Immunsystems. Drei Klinik-Aufenthalte in München brachten keine Besserung. „Mir wurde gesagt, dass ich nur warten kann, bis mein Körper die nötige Menge an B-Lymphozyten wieder hergestellt hat. Wenn’s gut läuft, bin ich in fünf Monaten wieder auf dem Stand wie vor der Infusion im November.“

So liegt Bodden nun also zuhause im Münchner Osten und lässt die Zeit vergehen. Längere Texte kann er nicht lesen, dafür mangelt es ihm an Konzentration. „Selbst Fernsehen ist schwierig, wenn dir die Kraft zur Aufmerksamkeit fehlt“, sagt er.

Sollte seine Kraft bis Ende des Jahres einigermaßen zurückkehren, will Bodden seine konservative Immuntherapie fortsetzen. „Mein Traum ist es, irgendwann wieder ein normales Leben mit Arbeit und Sport führen zu können“, sagt er. „Und vielleicht gibt es ja doch mal ein Medikament, das mir hilft."

lk

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