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"Diesem Team ist wirklich alles zuzutrauen"

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Von: Armin Linder, Uli Kellner

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Der SC Paderborn mischt die Liga auf. © dpa

Paderborn - Der nächste Löwen-Gegner SC Paderborn steht da, wo die Sechziger hinwollen: auf Tabellenplatz drei. Wie haben die Ostwestfalen das denn geschafft?

Kein richtiges Trainingszentrum, keine Scoutingabteilung, nur Platz 13 in der Etat-Tabelle: Die Wettbewerbsnachteile sind groß, dennoch klopft der SC Paderborn fast schon sensationell ans Tor zur Fußball-Bundesliga. „Diesem Team ist wirklich alles zuzutrauen“, meinte Präsident Wilfried Finke.

Der Mäzen des SCP hatte schon kurz vor der Winterpause forsch den erstmaligen Sprung in die Bundesliga ins Visier genommen. „Wir sind nah am Relegationsplatz, und diese Chance sollten wir nutzen. Bis auf Köln und Kaiserslautern sehe ich keine Mannschaft, die besser besetzt ist als wir“, hatte er gesagt: „Die Ausgeglichenheit der Liga macht es in dieser Saison möglich, mit etwas Glück etwas Außergewöhnliches zu schaffen. Dieser Gedanke muss in die Köpfe der Spieler.“

Dies ist offenbar gelungen, denn in den ersten beiden Spielen des Jahres präsentierte sich Paderborn in der Tat wie ein Spitzenteam. Manager Michael Born beurteilt die Situation allerdings noch vorsichtig. „Natürlich will man immer den maximalen Erfolg“, sagte er dem SID: „Aber normalerweise ist das mit unseren derzeitigen Möglichkeiten unrealistisch. Deshalb sollten wir den Ball flach halten.“

Ähnlich sieht es Trainer Andre Breitenreiter. Als ein Journalist nach dem - zudem hochverdienten - 1:0-Auswärtssieg beim 1. FC Köln seinen Kollegen Peter Stöger fragte, ob dieser den SCP zu den Aufstiegsrivalen zähle, verdrehte der 40-Jährige noch die Augen. Kurz darauf verspürte er „ein kurzes Zucken in der Halsschlagader“, denn Stöger antwortete wie selbstverständlich, „dass eine Mannschaft, die in Düsseldorf, Kaiserslautern und Köln gewinnt, natürlich zu den Aufstiegsaspiranten zählt“.

Eine Woche später fegte Paderborn Arminia Bielefeld im Derby mit 4:0 aus dem Stadion, eroberte den Relegationsplatz und der Traum von der Bundesliga begann bei den Fans so richtig. Er träume noch nicht, versicherte Born. „Ich würde mich natürlich auch nicht wehren“, ergänzte er schmunzelnd: „Aber Fakt ist: Auch Fürth oder Braunschweig waren beim Aufstieg schon einen Schritt weiter als wir. Mit unserem Etat ist noch nie jemand aufgestiegen.“

Allerdings, so Born, „haben wir eine deutlich größere Tiefe im Kader als vor zwei Jahren“. Und schon damals mischte der SCP lange um den Aufstieg mit, lag am Saisonende nur einen Zähler hinter dem späteren Aufsteiger Fortuna Düsseldorf. Am Saisonende verlor Paderborn Erfolgstrainer Roger Schmidt an RB Salzburg, wie im Jahr zuvor Andre Schubert an den FC St. Pauli.

„Das war keine einfache Situation, weil jeder Trainer andere Vorstellungen hat“, betonte Born. Doch im vierten Jahr in Folge - im Vorjahr trennte man sich kurz vor Saisonende von Stephan Schmidt - hat er für diese Position einen Volltreffer gelandet. Natürlich hat die Konkurrenz auch Breitenreiter schon im Visier. Hannover-Präsident Martin Kind bezeichnete den SCP-Coach, der 1992 mit 96 den DFB-Pokal gewann, demonstrativ als „jung und perspektivisch“.

Doch Breitenreiter sah eine Perspektive in Ostwestfalen und verlängerte bis 2016. Auch das zeigt die Entwicklung des SCP. Die irgendwann in die Bundesliga führen könnte. Vielleicht ja schon im Sommer.

Am Samstag empfangen die Löwen den Überraschungsdritten in der Allianz Arena - und wollen natürlich den Höhenflug des SCP abrupt stoppen.

Funkel: "Wir haben die Punkte nicht gemacht"

Dass nun eigentlich auch die Sechziger vorne mit dabei sein könnten, weil die Konkurrenz Punkte gelassen hat, bereitet 1860-Coach Friedhelm Funkel keine schlaflosen Nächte. "Es bringt ja nichts, wenn ich mich darüber ärgere", sagt er über die Ergebnisse der Konkurrenz. "Wir haben die Punkte nicht gemacht, darüber ärgere ich mich und nicht, was die anderen machen. Was-wäre-wenn, das ist immer so eine Spielerei, da bin ich kein Freund von. Entscheidend ist, was du selber beeinflussen kannst, und da haben wir mit einem Punkt aus zwei Spielen mindestens zwei zu wenig geholt."

sid/ulk/lin

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