Das blaue Doppel-Gespräch

Cassalette und Patzke im Interview: "Lästern? Wir doch nicht!"

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1860-Präsident Peter Cassalette (r.) und Rekordnationalspieler Bernd Patzke in ihrer Lieblingsbar.

München - Peter Cassalette leitet als Präsident die Geschicke bei den Löwen. Früher himmelte er die Stars wie Bernd Patzke an. Die tz trifft die beiden Blauen zum Interview.

Treffpunkt Schumann's. Der Barklassiker am Odeonsplatz ist seit Jahrzehnten das zweite Zuhause von Peter Cassalette und Bernd Patzke. Der Präsident der Löwen und ihr Rekordnationalspieler sitzen hier oft beisammen, plaudern über Gott und die Welt und natürlich über den TSV 1860. Was lag näher, als sich mit den beiden dort mal zu einem Gespräch zu treffen.

Meine Herren, wie und wann haben Sie sich eigentlich kennengelernt?

Cassalette: Das war 1980 anlässlich einer Taufe in Holzkirchen. Wir hatten einen gemeinsamen Freundeskreis und waren dort eingeladen. Als Löwenfan hatte ich natürlich schnell Kontakt zum Bernd gefunden und wir wurden Freunde.

Die sich seitdem regelmäßig im Schumann's treffen.

Cassalette: Na ja, regelmäßig, das ist so eine Sache. Seit ich bei 1860 Präsident bin, finden wir nicht mehr so oft Zeit. Wir haben auch keinen festen Tag. Wobei ich am liebsten am Donnerstag hingehe, weil es da Tatar gibt.

Die letzten Jahre bei 1860 waren ja alles andere als erfreulich. Es wurde sicher viel gelästert. Trauen Sie sich das noch, seitdem er Präsident ist, Herr Patzke?

Patzke: Sagen wir mal so, ich belaste Peter nicht mit dem, was mir vielleicht bei 1860 nicht passt.

Cassalette: Gelästert haben wir sowieso nie. Kritisch miteinander diskutiert, klar. Man konnte ja nicht mit allem einverstanden sein, was im Verein passiert ist.

Bernd Patzke gehörte zur Meistermannschaft von 1966. Wie sehr hängen Sie noch an diesen Spielern?

Cassalette: Das waren einfach meine Götter, die ganz großen Idole. Heute noch. Ich bin in Steinhausen am Vogelweideplatz aufgewachsen und war Ende der 50er-Jahre, mit fünf oder sechs, zum ersten Mal im Grünwalder und habe natürlich danach die tollen Zeiten mit der Meisterschaft, Pokalsieg und Europacupfinale hautnah miterlebt.

Wer war Ihr Lieblingsspieler? Bernd Patzke?

Cassalette: Nicht böse sein, Bernd. Aber am liebsten mochte ich den Rudi Brunnenmeier. Und vom Radi hatte ich den Bravo-Starschnitt an der Wand. Aber vom Bernd habe ich mir mal extra ein Autogramm beim Training geholt.

Der ist ja auch Rekordnationalspieler des TSV 1860. Mit 18 Länderspielen. Sind Sie stolz drauf?

Patzke: Ach was. Was sind denn heute schon 18 Länderspiele? Aber im Monat bekomme ich immer noch etwa 20 Autogrammanfragen. Sogar aus China und Russland. Ich war ja auch nicht so schlecht. Der ehemalige Bundestrainer Sepp Herberger hat damals mal gesagt, dass ich für einen Verteidiger eigentlich viel zu gut Fußball spielen könne…

In dieser glorreichen Zeit stammten viele Spieler wie Heiß, Rebele, Reich oder Wagner aus der eigenen Jugend. Im vergangenen Jahrzehnt verloren die Löwen solche Talente in jungen Jahren gleich reihenweise. Die Benders, Volland, zuletzt Weigl. Kann man dagegen überhaupt was tun?

Cassalette: Damals in den Sechzigerjahren lief der Profifußball noch anders ab. Jetzt haben 15-Jährige schon einen Berater, und wir sind halt ein Ausbildungsverein geworden. In der U 19 besitzen wir derzeit wieder einige Leute mit viel Potenzial. Eins aber muss anders werden: Wenn einer weggeht, dann müssen wir wenigstens schauen, dass wir richtig Geld für ihn kriegen.

Sie haben mal gesagt, dass es Sie - als Sie noch nicht Präsident waren - immer aufgeregt habe, wenn der Assistent vom Co-Trainer plötzlich Cheftrainer geworden ist.

Cassalette: Ich will damit ausdrücken, dass wir in allen Bereichen Erfahrung und Kontinuität reinbringen müssen. In meinem Amt ist es doch das Gleiche. Als ich nach meiner Wahl beim OB war, sagte Dieter Reiter, dass ich in diesem Jahr schon der dritte Löwenpräsident sei, der bei ihm vorstellig wird. Man braucht die richtigen Leute und muss ihnen dann auch vertrauen. Deshalb ist es auch mein Wunsch, dass Benno Möhlmann und Oliver Kreuzer bei uns bleiben.

Auch in der 3. Liga?

Cassalette: Man muss sehen, was in diesem Fall passieren würde. Vor allem, was Hasan Ismaik dann für eine Meinung hat.

Was haben Sie für eine Meinung von Ismaik, Herr Cassalette?

Cassalette: Das werde ich oft gefragt bei DFL-Tagungen oder Ähnlichem. Was habt ihr denn da für einen, heißt es oft, und wie kommt ihr mit dem klar? Ich sage: gut. Weil es auch so ist. Das geht so weit, dass Hasan mir inzwischen die Hand hält, wenn es bei einem Spiel aufregend wird…

Und Ihre Meinung, Herr Patzke?

Patzke: Der Verein hat ihm viel zu verdanken, weil Ismaik viel Geld reingesteckt hat. Und wenn dann sportlich trotzdem nichts rauskommt, dann hat er doch recht, wenn er sauer ist.

Cassalette: Mir hat Ismaik bei einem unserer ersten Treffen erzählt, dass vor zwei Jahren jemand vom TSV 1860 zu ihm gekommen ist und 1,5 Millionen Euro wollte, um drei Spanier aus Barcelona zu verpflichten. Ein Jahr später kam der gleiche Mann und sagte zu Ismaik, dass er jetzt 500.000 Euro brauche, um die Spanier wieder loszuwerden…

Patzke: Damals war niemand im Verein mit Fachwissen, der das Ganze kontrolliert hätte. Was unter Präsident Mayrhofer und Sportchef Poschner passiert ist, durfte doch niemals sein.

Warum, Herr Cassalette, haben Sie nach Ihrer Wahl ein Gespräch mit dem früheren Präsidenten Dieter Schneider gesucht und nicht mit Ihrem eigentlichen Vorgänger Gerhard Mayrhofer?

Cassalette: Weil Herr Schneider mir einfach sympathischer war, und weil ich von einigen Leuten gehört habe, dass Herr Mayrhofer sich über meine Wahl negativ geäußert habe. Mich kenne ja keiner und ich hätte eine perspektivlose Rede gehalten.

Apropos Perspektive: In welcher Liga spielt 1860 in der kommenden Saison?

Cassalette: In der Zweiten. Und zwar, weil wir Vereine hinter uns lassen, die derzeit noch vor uns liegen.

Und wenn es doch in die Dritte ginge, in welchem Stadion würden Sie spielen?

Cassalette: Ja, die Stadionfrage. Wir haben beides durchrechnen lassen. Und als Ergebnis ist herausgekommen, dass das Stadion an der Grünwalder Straße in der 3. Liga nicht wirtschaftlicher wäre als die Allianz Arena.

cm

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