Und ewig lockt die Turnhalle

Cassalette: Punktsieg auf dem Weg zum "Volltagesjob"

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Peter Helfer, Peter Cassalette und Hans Sitzenberger (v.l.) bei der Fragerunde im Grünwalder Stadion.

München - Peter Cassalette, Präsidentschaftskandidat beim TSV 1860, stellt sich an der Basis vor und erlebt bei der Fragerunde die üblichen Debatten.

Draußen ging die erste Rauchpause in kleine Debattierzirkel über, drinnen lehnte Peter Cassalette an einem Stehtisch und pustete ins Mikrofon. Weiter geht’s, sollte das heißen. Zurück auf die Plätze, zurück zur Tagesordnung. Schließlich lag gerade mal das Auftaktgeplänkel hinter den Präsidentschaftskandidaten des TSV 1860 und etwa 100 Löwen-Anhängern, die sich zu einem Kennenlern-Abend in der Gaststätte des 60er-Stadions versammelt hatten (der Live-Ticker zum Nachlesen).

Cassalette, der sich, seine Vita und seine Positionen in einem 23-minütigen Vortrag skizziert hatte (inhaltlich wie bei seiner Einstands-Pressekonferenz), wirkte ein wenig ungeduldig, denn er schien zu ahnen, dass der anstrengende Teil des Abends erst folgen würde – zum Beispiel in Form unangenehmer Fragen. Solche zum Beispiel, die gleich dem ersten Redner unter den Nägeln brannten.

Punktsieg: Peter Cassalette (r., neben Vize-Kandidat Peter Helfer) wurde gnädig beurteilt.

Aufgebaut hat sich hinten im Saal ein streitbarer Vertreter von der Ultra-Vereinigung Cosa Nostra. Der Aufreger, den er vortrug, betraf den Mallorca-Urlaub, den Cassalette noch schnell eingeschoben hatte – eine Woche vor seiner geplanten Wahl durch die Mitglieder (Sonntag, ab 14 Uhr, Zenith). „Wieso legen Sie sich in die Sonne, anstatt zum Beispiel nach Abu Dhabi zum Investor zu fliegen?“ Cassalette hörte sich die Frage geduldig an, ein Lächeln huschte über sein Gesicht – sie schien ihm gelegen zu kommen, um etwas gerade zu rücken. „Ich hab mich selber nicht ganz gut gefühlt dabei“, räumte der 62-Jährige ein und klärte auf: Seine Frau sei Lehrerin und an die Ferien gebunden, der Urlaub vor einem halben Jahr gebucht worden. „Ich hätte natürlich sagen können: Was schert mich Frau, was schert mich Kind? Wichtig ist, dass 1860 gewinnt.“ Ins Gelächter im Saal schob er hinterher: „Ich bin seit 25 Jahren verheiratet – das wollte ich nicht unbedingt riskieren.“ Zumal er ja vorhabe, sich ab Sonntag in einem „Volltagesjob“ um die Löwen zu kümmern, seine zweite große Liebe.

Ein erster Punktsieg für den designierten Oberlöwen war das, und Cassalette hatte Glück: Schon der nächste Redner war deutlich freundlicher gestimmt. Trainerlegende Karsten Wettberg stand auf, fragte nichts Konkretes, hielt aber eine flammende Rede zu den üblichen Löwen-Themen: Pro eigenes Stadion – kontra das stillose Vergraulen von Klubikonen. Die erwartbare Zustimmung konnte Cassalette leicht miternten („Da bin ich voll auf Ihrer Seite“). Natürlich lehnt auch er den vorzeitigen Verkauf von Talenten ab. Danach franste der Abend ein bisschen aus, verlor sich in löwentypischen Debatten ums 60er-Stadion, nicht gemachte Mannschaftsfotos und der ewigen Vision von einer eigenen Turnhalle.

Bilder von der Löwen-Versammlung

Bilder von der Löwen-Versammlung

Substanziell gab der Abend wenig her, wie langjährige Fans beklagten. „Pfff“, meinte Fritz Fehling, 64, einer der Allesfahrer. Sein Eindruck: „Ich glaub’, der nimmt das alles zu leicht. Er hat kein Hintergrundwissen. Unter dem Strich war mir das alles zu wenig.“ Manfred Pantschur (62), Erster Vorstand der Forstlöwen, war etwas gnädiger in seinem Urteil: „Eine Frage auf meine Antwort habe ich zwar nicht bekommen. Nämlich, ob er neue Kredite durch Ismaik befürworten würde. Ich bin Kämmerer von Beruf und habe da etwas andere Vorstellungen. Aber im Großen und Ganzen war’s schon in Ordnung.“

Der treffendste Satz kam wie so oft von von Hans Vonavka (Pro1860), einem der Co-Veranstalter des Abend: „Ich weiß nicht, ob ich den Leuten, die sich zur Wahl stellen, gratulieren oder kondolieren soll.“ In der Tat: Das – neben vielen anderen Dingen – weiß man bei 1860 nie so genau.

Uli Kellner

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