Meisterlöwe im tz-Interview

Grosser: "Ismaik hatte Angebot für 1860 - und lehnte ab"

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Vermisst klare Worte beim TSV 1860 München: Peter Grosser.

München - Der TSV 1860 am Abgrund - das schmerzt auch Peter Grosser. Wo der Hund bei den Löwen begraben liegt und was er von Hasan Ismaik hält – darüber sprach er mit der tz.

Fünfzig Jahre werden es am 28. Mai, dass der TSV 1860 seine Deutsche Meisterschaft feierte. Peter Grosser durfte die Schale damals als Mannschaftskapitän entgegennehmen. Klar, dass der heute 77-Jährige das große Jubiläum nicht als Zweitliga-Absteiger begehen will. „Natürlich mache ich mir Sorgen um Sechzig“, sagt Grosser. „Nach dem Spiel in Berlin mehr denn je.“ Wo der Hund bei den Löwen begraben liegt und was er von Hasan Ismaik hält – darüber sprach Grosser mit der tz.

Herr Grosser, was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Sie am Sonntag die Anfangsphase in Berlin gesehen haben?

Peter Grosser: Ich war entsetzt! Es kann nicht sein, dass ich nach vier Niederlagen in der Liga so passiv in ein Spiel gehe. Das war kollektiver Tiefschlaf in den ersten zehn Minuten. Wenn der Ortega den Ball von Wood nicht hält, dann ist das Spiel ja praktisch schon entschieden, bevor es richtig angefangen hat.

Ein Einstellungsproblem?

Peter Grosser: Ich weiß es nicht. Ich kann nur sagen, was ich gesehen habe, und das hatte mit Abstiegskampf nichts zu tun. Da muss ich um jeden Meter Boden kämpfen, meinem Mitspieler helfen, Zweikämpfe suchen, dem Gegner wehtun. Mit spielerischen Mitteln wirst du den Abstieg nicht vermeiden. Und wenn ich sehe, dass bei Plusgraden einige mit Handschuhen rumlaufen … Oh mei.

Grosser: "Intern - das geht den Spielern links rein, rechts raus"

Was muss passieren?

Peter Grosser: Die Mannschaft und der Verein müssen endlich aufwachen und den Abstiegskampf annehmen. Da müssen die Fetzen fliegen im Training! Und es müssen klare Ansagen kommen – nicht nur intern. Intern bringt in der jetzigen Phase nichts, das geht den Spielern links rein und rechts raus. Ich erinnere an die Wutrede von Franz Beckenbauer damals nach dem 0:3 in Lyon. Das war hart vor Presse und Sponsoren, aber genauso musst du die Burschen packen. Profifußballer halten das aus.

War Ihnen das Lob nach dem Nürnberg-Spiel zu groß?

Peter Grosser: Viel zu groß. Natürlich haben sie sich in der ersten Halbzeit Chancen rausgespielt, schön und gut. Aber dass sie in der zweiten Halbzeit bei 0:1-Rückstand teilweise zehnmal quer und zurückgespielt haben, bis sie mal über die Mittellinie gekommen sind, das hat keiner angesprochen. Dabei lernst du nur aus den Fehlern, nicht aus den positiven Dingen – vor allem nach Niederlagen. Bei Sechzig wird über alles der Mantel der Nächstenliebe gebreitet, anstatt endlich mal auf den Tisch zu hauen.

Wer sollte das tun?

Peter Grosser: Bei Bayern macht’s der Sammer. Und hier? Geschäftsführer? Präsident? Da hörst du nichts! Ich kann von meiner Warte nur sagen: Bitte nicht wie letztes Jahr einschlafen und Daumendrücken, dass im Relegations-Rückspiel wieder einer in der 94. Minute trifft.

Was macht Ihnen noch Hoffnung auf den Klassenerhalt?

Peter Grosser: Dass es noch 13 Spiele sind. Man darf bei aller Kritik nicht komplett schwarzmalen. Nach den nächsten beiden Heimspielen können wir auf drei Punkte an Düsseldorf dran sein! Du musst dich in dieser Liga vor keiner Mannschaft fürchten, aber du musst dir gegen jede Respekt verschaffen.

Grosser: "Ismaik handelt in meinen Augen grob fahrlässig"

Gutes Stichwort. Von mangelndem Respekt spricht auch Hasan Ismaik gerne. Was halten Sie von seiner Strategie?

Peter Grosser: Strategie? In meinen Augen handelt der Mann grob fahrlässig! Er redet von einem neuen Stadion, aber wenn er so weitermacht, dann genügt bald auch das Grünwalder.

Was werfen Sie ihm konkret vor?

Peter Grosser: Er hat im Winter nicht nur die öffentlich versprochene Million nicht gezahlt, sondern auch die 750.000 Euro Strafe der DFL in Kauf genommen. Oliver Kreuzer musste mit Marius Wolf das größte Talent verkaufen, um Spieler ausleihen zu können.

Was wäre aus Ihrer Sicht nötig gewesen?

1860-Investor Hasan Ismaik.

Peter Grosser: Kreuzer hat mit den bescheidenen Mitteln das Optimale rausgeholt, aber es wäre wesentlich besser gewesen, jetzt drei, vier oder fünf Millionen Euro zur Verfügung zu stellen, um Leute mit Spielpraxis und Perspektive kaufen zu können. Ich weiß, dass Kreuzer für 1,5 Millionen Euro einen schwedischen Nationalstürmer (Grosser meint Emir Kujovic, 27, vom schwedischen Meister IFK Norrköping) hätte holen können. Der wollte nach München. Aber das Geld war nicht da.

Fehlt Ismaik ein vernünftiger Berater?

Peter Grosser: Er hatte doch einen! Ulrich Bez hat ihm zwei Vorschläge gemacht: Richtig investieren oder verkaufen. Daraufhin wurde er abgesetzt.

Weil Ismaik die Angebote angeblich zu niedrig waren…

Peter Grosser: Ismaik hat im Dezember in London kundgetan, dass er zum Verkauf bereit sei, sofern er seine investierte Summe zurückbekommt. Ich weiß, dass es über die Jahreswende ein Angebot gegeben hat, das dem entsprochen hat. Er hat es abgelehnt.

Interview: Ludwig Krammer

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