In der tz erklärt er den Verein

Pacult im Interview: Darum flog ich bei Red Bull raus

+
Löwen-Legende Peter Pacult im tz-Interview.

München - Eigentlich säße am Sonntag Peter Pacult beim Spiel TSV 1860 gegen RB Leipzig als Trainer auf der Bank. Warum alles anders kam und wieso und wie ein Fußball-Klub, der vom Bullenimperium geleitet wird, so tickt, darüber sprach die tz mit Pacult.

Wenn alles so gelaufen wäre, wie es Red-Bull-Chef Didi Mateschitz vorgehabt hatte, dann säße am Sonntag in der Allianz Arena Peter Pacult auf der Bank der Leipziger. Und es käme zum Duell mit seinem Ex-Klub, dem TSV 1860. Aber für den heute 54-Jährigen war im Sommer 2012 schon nach einer Saison wieder Schluss beim Brause-Klub. Warum und wieso und wie ein Fußball-Klub, der vom Bullenimperium geleitet wird, so tickt, darüber sprach die tz mit Pacult.

Wie ärgerlich war damals der vorzeitige Abschied von Red Bull Leipzig?

Pacult: Der kam schon sehr überraschend. Wir hatten zwar knapp den Aufstieg in die dritte Liga in einer seinerzeit sehr starken Regionalliga verpasst, aber Didi Mateschitz hatte damals zu mir gesagt: Peter, du machst das hier zehn Jahre.

Und warum dann die Entlassung?

Pacult: Im Grunde war Ricardo Moniz schuld, der jetzige Löwen-Trainer. Er war damals mit Red Bull Salzburg Meister geworden, schmiss dann in der Vorbereitung auf die neue Saison aber von sich aus hin, weil er mit einer Veränderung in seinem Mitarbeiterstab nicht einverstanden war. Daraufhin verpflichtete Red Bull Ralf Rangnick, der eigentlich Moniz als Trainer ablösen sollte. Vierzehn Tage später aber wurde Rangnick zum Sportdirektor befördert und war für beide Vereine zuständig: Leipzig und Salzburg.

Und dann?

Pacult: Wurde ich von Rangnick ganz schnell beurlaubt. Aber Rangnick hat es nicht fertiggebracht, mich persönlich darüber in Kenntnis zu setzen, sondern das musste Herr Mateschitz erledigen. Ich kann mich noch genau erinnern. Es war an einem Dienstag, vor dem Training. Die Einheit habe ich noch geleitet, dann war Schluss.

Hat Ihnen Ralf Rangnick etwas über die Beweggründe mitgeteilt?

Pacult: Nein. Auch später kam es nie zu einem Gespräch.Ich verstehe es heute noch nicht. In der Saison, bevor ich kam, hatte Red Bull zwanzig Punkte Rückstand gehabt. Und unter mir waren wir dann ganz oben mit dabei.

Weil Red Bull damals auch schon kräftig Geld reingeschossen hat?

Pacult: Von wegen. Als ich Trainer war, durfte Leipzig keinen Spieler holen, der Ablöse kostet. Red Bull hatte damals schlechte Erfahrungen in Salzburg gemacht. Viele teure Spieler waren verpflichtet worden, die dann nichts gebracht haben.

Und wie war das Drumherum in Leipzig?

Pacult: Absolut in Ordnung. Die Hotels, die Vorbereitung – alles wie in der Bundesliga. Außerdem hatte Red Bull damals schon ein wunderbares Trainingsgelände hingebaut – da fehlte es an nichts. Und ich glaube, dass ich meinem Nachfolger auch eine gute Mannschaft hinterlassen habe.

Das Projekt Red Bull wird ja von vielen Fans anderer Klubs abgelehnt. Wir groß waren zu Ihrer Zeit die Anfeindungen?

Pacult: Die gab’s vom ersten Tag an. Damals wurden auch schon Testspiele abgesagt, und wir wurden als Geldsäcke beschimpft.

Wie gut hat man als Viertligatrainer bei Red Bull verdient?

Pacult: Herr Mateschitz wusste, was ich bei Rapid Wien geleistet hatte, und ich wusste, dass ich nicht in der Bundesliga bin. Der Lohn war in Ordnung.

Schafft Leipzig den Durchmarsch in die Bundesliga? 

Pacult: Die Mannschaft hat keinen Druck wie in den vergangenen Jahren, deshalb halte ich es für möglich, dass sie vorn dabei ist.

Trinken Sie eigentlich gern Red Bull?

Pacult: Eigentlich ist es nicht so mein Ding. Aber jetzt haben sie ein neues Getränk, Exotic, das schmeckt mir.

Auch interessant

Meistgelesen

Klare Worte: Das sagt Bierofka zu Zündlern im Sechzig-Block
Klare Worte: Das sagt Bierofka zu Zündlern im Sechzig-Block
So wurden die Sechzig-Bosse in Augsburg schikaniert
So wurden die Sechzig-Bosse in Augsburg schikaniert
Ist das ein richtiges Derby? Für Bierofka keine Frage…
Ist das ein richtiges Derby? Für Bierofka keine Frage…
Vergängliches Idyll: Wie lange bleibt das Grünwalder Stadion Heimat der Löwen?
Vergängliches Idyll: Wie lange bleibt das Grünwalder Stadion Heimat der Löwen?

Kommentare