Trainingslager in Marbella

Rama über Abstieg: "Jeder muss sich mehr zutrauen"

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München - Löwen-Angreifer Valdet Rama spricht im tz-Interview über Abstieg, Anführer und Bagida.

Als „überlebenswichtig im Abstiegskampf“ – so hat Meisterlöwe Bernd Patzke die beiden Löwen Rubin Okotie und Valdet Rama nach dem Testspiel gegen den SV Grödig (2:1) bezeichnet. In der Tat waren es die beiden Angreifer, die Gerhard Poschners Transferpolitik aus dem vergangenen Sommer bislang vor der Zensur „ungenügend“ bewahrt haben. Okotie ist mit zwölf Treffern der erfolgreichste Torjäger der Liga, Rama hat in 13 (Teil-)Einsätzen immerhin schon drei Tore aufgelegt und zwei selbst erzielt.

„Was Herr Patzke da in der tz gesagt hat, ist eine Ehre für mich“, sagt Rama über den Artikel vom vergangenen Montag. Doch bevor’s zu pathetisch klingt, schiebt er schnell hinterher: „Mit meiner Qualität und Erfahrung muss ich der Mannschaft auch weiterhelfen. Ich bin gefragt, voranzugehen, die jungen Spieler mitzunehmen. Wir haben sicher Leute im Kader, die mehr reden als ich. Aber wenn meine Meinung gefragt ist, dann sag ich sie auch.“

Und zwar unverblümt. „Jeder hier muss sich mehr zutrauen“, appelliert Rama an seine Kollegen in Blau. „Manchmal habe ich das Gefühl, wir glauben zu wenig an uns. Das muss sich ändern. Du musst schon mit dem Gedanken aufstehen: Heute gewinnen wir das Spiel!“

Der Klassenerhalt als Kopfsache. Klar, dass auch der Körper entsprechend funktionieren sollte. Gegen Ende der Hinrunde quälte sich Rama morgens trotz aller Siegesgedanken oft mit stechendem Rücken aus dem Bett, konnte der Mannschaft in Nürnberg, gegen Karlsruhe und Kaiserslautern nicht wirklich helfen und musste in Leipzig schließlich ganz passen. Nun sei die schmerzhafte Blockade gelöst. „Mir geht’s gut soweit“, sagt der Albaner, der 1996 mit neun Jahren aus dem Kosovo nach Deutschland flüchten musste und über die Stationen Wolfsburg, Ingolstadt, Hannover, Örebrö und Valladolid zu den Löwen gelangt ist.

In München hat Rama mit seiner Frau Lara und dem acht Monate jungen Töchterchen Soraya die alte Wohnung von Gábor Király bezogen. „Ich fühle mich wohl hier in der Stadt“, sagt der praktizierende Muslim, den der große Zulauf bei den Demonstrationen gegen Bagida sehr gefreut hat. „Es ist traurig, was da zum Teil in Deutschland passiert“, sagt Rama. Vieles werde zum Zwecke der Stimmungsmache in einen Topf geworfen, was bei näherer Betrachtung nicht zusammengehöre. Nur durch Begegnung und Austausch ließen sich Vorurteile überwinden. „Im Endeffekt geht es doch immer um gegenseitigen Respekt“, sagt Rama. „Wenn mir jemand Respekt entgegenbringt, dann gebe ich das doppelt zurück.“

Ja, da denkt jemand über den Tellerrand des Fußballs hinaus. „Mit 27 Jahren hab ich schon einiges gesehen, bin rumgekommen“, erzählt Rama. Die nächsten vier Monate werden nun entscheidend sein für seine weitere Karriere. Mit 1860 geht’s ums Überleben in der Zweiten Liga, mit der albanischen Nationalmannschaft könnte der Außenstürmer Historisches auf den Weg bringen. „Wir haben gute Chancen, uns erstmals für eine Europameisterschaft zu qualifizieren“, sagt Rama.

Ob er’s im Kreuz hat...?

Bilder: Morgenlauf, Kraftraum, Pool - der 1860-Triathlon

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lk

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