Hitzige Debatte auf der Delegiertenversammlung / Gegenwind für Präsident Beeck

Raus aus der Arena?

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An ihren Gesichern kann man die Sorgen des TSV 1860 ablesen: Stefan Reuter, Rainer Beeck, Franz Maget und Michael Hasenstab (von links) auf der Delegiertenversammlung.

München - Typisch 1860, könnte man wieder meinen. Drei Anläufe benötigte Wahlleiter Heinz Neumüller, um am Samstag bei der Delegiertenversammlung die Bestätigung von Präsident Rainer Beeck und seiner Vizes Franz Maget und Michael Hasenstab über die Bühne zu bringen.

Beim ersten Mal versäumte er es, die abgegebenen Stimmen zählen zu lassen, dachte, die optische Mehrheit genüge. Beim zweiten Mal beging er den Fehler, erneut im Block über das Präsidium abstimmen zu lassen, erst im dritten Versuch klappte es dann. Einzelabstimmung mit genau abgezählten Stimmen. Es geht doch…

Bilder von der Delegiertenversammlung des TSV 1860 München

Bilder von der Delegiertenversammlung des TSV 1860 München © 
Präsident Rainer Beeck, Vizepräsident Franz Maget und Dr. Michael Hasenstab. © sampics
Vizepräsident Dr. Michael Hasenstab. © sampics
Präsident Rainer Beeck, Vizepräsident Franz Maget und Dr. Michael Hasenstab. © sampics
Stefan Reuter spricht zu den Delegierten. © sampics
Franz Maget. © sampics
Abstimmung per blauer Karte. © sampics
Geschäftsführer Dr. Markus Kern spricht zu den Delegierten. © sampics
Geschäftsführer Dr. Markus Kern. © sampics
V.l.: Stefan Reuter, Präsident Rainer Beeck, Vizepräsidenten Franz Maget und Dr. Michael Hasenstab und Geschäftsführer Dr. Markus Kern. © sampics
Die Vizepräsidenten Franz Maget und Dr. Michael Hasenstab. © sampics
Karsten Wettberg. © sampics
Präsident Rainer Beeck und Vizepräsident Franz Maget. © sampics
Präsident Rainer Beeck. © sampics
Franz Maget mit Marco Kurz. © sampics
Ex-Präsident Albrecht von Linde. © sampics
Präsident Rainer Beeck mit dem Präsidium. © sampics
Präsident Rainer Beeck mit Stefan Reuter. © sampics
Präsident Rainer Beeck am Pult. © sampics
Trainer Marco Kurz. © sampics
Prokurist Bernd Ingerling. © sampics
Münchens OB Christian Ude. © sampics
Präsident Rainer Beeck mit Hans Vonafka. © sampics
Noch einmal Christian Ude. Als würde er auf sein Bier warten. © sampics

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Präsidium bestätigt - Debatte über Allianz Arena

Dass Präsident Beeck dabei 16 Gegenstimmen und 15 Enthaltungen von den 187 Delegierten einstecken musste (Hasenstab erhielt 13 Neins, Maget 18), dürfte seine Ursache in der eine Stunde zuvor recht hitzig geführten Debatte über die finanzielle Lage und die Allianz Arena gehabt haben. „Ich höre hier nur Bla Bla und wie toll alles ist“, wetterte der Delegierte Thomas Lange am Mikrofon im Paulaner am Nockherberg und bezog sich auf die rund zwei Stunden dauernden Berichte des Präsidiums und der Geschäftsführung zu Beginn der Veranstaltung. In einer Powerpoint-Präsentation wurde die Situation des TSV 1860 tatsächlich sehr unaufgeregt dargestellt. Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Herrschaften im Saal eingelullt werden sollten.

Lange wollte sich das nicht gefallen lassen. „Ich komme mir total verarscht vor“, schimpfte er, „die heilige Kuh Allianz Arena wurde immer umschifft.“ Und er forderte die Führung auf: „Greift endlich diesen Drecksvertrag mit den Roten an, die machen uns kaputt.“

Finanzgeschäftsführer Dr. Markus Kern erklärte, dass man für die Arena in diesem Geschäftsjahr mit 5,3 Millionen Euro an Kosten plane. Allein für das Catering (die Verpflegung für die VIPs) muss 1860 laut Vertrag jährlich zwei Millionen abdrücken. Genau so viel wie der FC Bayern. Nur, dass beim TSV 1860 gar nicht so viele Edelfans da sind, die Essen für so viel Geld verfuttern können. „Schenkt es dann wenigstens der Münchner Tafel“, schlug der Delegierte Daniel Bauer vor und fügte hinzu: „Beim FC Bayern zahlen die Oberen, also die VIPs, die Unteren, nämlich diejenigen, die auf dem Stehplatz sind. Bei uns aber zahlen die Unteren die Oberen. Das hat doch alles keine Zukunft. Wenn’s so weitergeht, haben wir für den Fußball noch einen Etat von vier Millionen und können mit den anderen nicht mehr mithalten.“

Beeck sagte, dass man aus dem Arena-Vertrag (läuft bis 2025) nicht aussteigen könne, und Maget erklärte zu einem von manchem Delegierten gewünschten Wechsel ins Stadion an der Grünwalder Straße: „Sofort raus aus dieser Fantasie. Die Stadt gibt keine Millionenbeträge für den Profifußball mehr aus.“

Apropos Millionenbeträge. Den TSV 1860, genauer die KgaA, drücken derzeit 6,5 Millionen Euro Verbindlichkeiten, davon „3,8 Millionen kurzfristige“, wie Markus Kern erläuterte.

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Dazu belastet den Verein die Tatsache, dass er erneut drei Millionen Verlust in diesem Jahr einfährt. „Das gefährdet zwar nicht die Lizenz“, erklärte Markus Kern, „aber wir können so nicht wieder in die neue Saison gehen.“

Deshalb sei der Verein wieder mal auf der Suche nach Investoren, sagte Beeck, der sich vorstellen kann, „zehn bis 15 Prozent unserer Anteile abzugeben“. Zehn Prozent zum Beispiel für etwa 2,5 Millionen Euro.

Noch ist kein Käufer in Sicht. Für Timo Gebhart dagegen wohl schon. Geschäftsführer Stefan Reuter: „Es ist doch illusorisch zu sagen, nein, wir verkaufen nicht, wenn Top-Klubs an Spielern interessiert sind.“

Der Ausverkauf der Talente stößt aber einigen sauer auf. „Ein Klub mit 20 000 Mitgliedern kann doch kein reiner Ausbildungsverein sein“, moserte der Delegierte Bauer. Dem TSV 1860 wird nichts anderes übrig bleiben…

Was aus diesen Löwen wurde...

bodden_dpa
Seit dem Aufstieg in die Bundesliga 1994 kamen und gingen viele Kicker an die Grünwalder Straße 114 zu den Münchner Löwen. Die einen blieben in guter Erinnerung, die anderen weniger. Sehen Sie hier eine Auswahl "vergessener Löwen-Kicker" und was aus ihnen wurde. Olaf Bodden kickte zwischen 1994 und 1998 bei 1860 und erzielte in dieser Zeit 25 Tore. Heute verdient der ehemalige Stürmer als Spielerberater sein Geld. © dpa
dowe_archiv
Jens Dowe kickte zwischen 1994 und 1996 im Grünwalder Stadion (51 Spiele, acht Tore). Der Mittelfeldspieler beendete seine Karriere 2004 in der Regionalliga bei Holstein Kiel und arbeitet heute im Jugendbereich von Hansa Rostock. © Archiv
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Holger Greilich schnürte die Kickstiefel zwischen 1995 und 2002 für die Löwen (114 Spiele, zwei Tore). Er beendete seine Karriere 2004 beim 1. FC Saarbrücken. Heute arbeitet der ehemalige Verteidiger als Spielerberater. © dpa
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Horst Heldt spielte von 1995 bis 1999 bei den Löwen (111 Spiele, elf Tore) und beendete seine Karriere 2006 beim VfB Stuttgart. Dort arbeitet "Hotte" auch heute noch - als Sportdirektor. © dpa
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Thomas "Icke" Häßler spielte zwischen 1999 und 2003 beim TSV 1860 (115 Spiele, 21 Tore) und beendete seine Karriere ein Jahr später beim SV Salzburg. Heute arbeitet "Icke" als Technik-Trainer bei seinem Heimat-Klub 1. FC Köln. © dpa
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Jens Jeremies' Vergangenheit als Löwe ist vergleichsweise kurz, wenn man seine drei 1860-Jahre (1995 bis 1998, 78 Spiele, zwei Tore) den acht Jahren beim FC Bayern gegenüberstellt. Jeremies beendete seine Karriere ebenda 2006 und arbeitet heute bei IMG. © dpa
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Roland Kneißl spielte sieben Jahre lang bei den Löwen und beendete seine Karriere dort im Jahr 1995. Später arbeitete Kneißl auch als Manager bei den Löwen, heute ist Kneißl bei der Fan GmbH 1860. © Archiv
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Alexander Kutschera war zwischen 1994 und 1997 ein Löwe (53 Spiele, ein Tor). Er beendete seine Karriere 2001 bei Eintracht Frankfurt und ist heute Trainer bei der SpVgg Landshut. © dpa
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Stefan Malz spielte von 1997 bis 1999 bei den Löwen (36 Spiele, zwei Tore). Er wechselte danach zu Arsenal London, konnte sich dort aber nie durchsetzen. Seine Karriere beendete Malz 2008 als Spieler beim FSV Oggersheim. © dpa
max_dpa
Martin Max ist vielen Löwen-Fans als Knipser in guter Erinnerung. Er spielte zwischen 1999 und 2003 bei den Löwen (112 Spiele, 51 Tore) und beendete seine Karriere 2004 bei Hansa Rostock. Heute arbeitet Max gemeinsam mit einem anderen Ex-Löwen, Keeper Daniel Hoffmann, als Trainer beim Bezirksligisten TSV Grafing. © dpa
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Thomas Miller war und ist ein Ur-Löwe, der insgesamt 82 Bundesliga-Spiele für die Sechzger bestritt (ein Tor). Wie auch schon zeitweise während seiner aktiven Zeit arbeitet Miller als Finanzbeamter, heuer in Fürstenfeldbruck. © Archiv
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Erik Mykland spielte zwischen 2000 und 2002 bei den Löwen (26 Spiele, null Tore). Der 1971 geborene Mittelfeldspieler ist immer noch als Fußballer aktiv, und zwar beim norwegischen Zweitligisten Kristiansand. © dpa
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Peter Nowak regierte das Löwen-Mittelfeld zwischen 1994 und 1998 (93 Spiele, 15 Tore). Heute ist der gebürtige Pole Co-Trainer der US-Nationalmannschaft. © Archiv
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Peter Pacult schoss die Löwen mit seinem Treffer in Meppen 1994 in die Bundesliga, wo er in der Aufstiegssaison in 16 Spielen drei Mal einnetzte. Später arbeitete Pacult zwischen 2001 und 2003 auch als Chefcoach der Löwen. Heute coacht er den österreichischen Traditionsklub Rapid Wien. © Archiv
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Abedi Pele kickte zwischen 1996 und 1998 bei den Löwen (50 Spiele, zwei Tore). Heute engagiert sich Pele als WM-Botschafter für Südafrika. © dpa
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Rainer Berg hütete das Löwen-Tor zwischen 1991 und 1997 (100 Spiele) und arbeitet heute als Torwarttrainer bei der SpVgg Unterhaching. © dpa
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Thomas Riedl schnürte die Kickstiefel von 1999 bis 2001 für die Löwen (33 Spiele, ein Tor - das aber beim 1:0-Sieg gegen den FC Bayern). Heute steht der 32-Jährige bei Austria Kärnten unter Vertrag. © dpa
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Rene Rydlewicz spielte von 1994 bis 1996 bei den Löwen (46 Spiele, zwei Tore) und beendete seine Profi-Karriere im Sommer 2008 bei Hansa Rostock. Rydlewicz arbeitet nun bei Hansa Rostock. © Archiv
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Manfred Schwabl kam über den FC Bayern und den 1. FC Nürnberg zum TSV 1860 München und spielte dort von 1994 bis 1997 (83 Spiele, ein Tor). Heute arbeitet Schwabl als Unternehmer. © dpa
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Superstar Davor Suker ließ seine internationale Karriere (u.a. Real Madrid und Arsenal) bei den Löwen ausklingen (2001 bis 2003, 25 Spiele, fünf Tore). Heute arbeitet der ehemalige Top-Stürmer als Unternehmer und als Berater des kroatischen Fußball-Verbandes. © Sampics
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Bernhard Trares trug zwischen 1991 und 1997 das Löwen-Trikot (133 Spiele, 14 Tore), er beendete seine Karriere 2004 beim KSC. Heute trainiert der Ex-Kapitän Wormatia Worms. © dpa
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Manni Bender war zwar auch mal ein Roter, wechselte aber später die Farben und spielte zwischen 1996 und 1999 bei den Löwen (51 Spiele, vier Tore). Zuletzt war Bender als Trainer in der österreichischen Bundesliga bei SCR Altach aktiv. © dpa
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Elvis Brajkovic (ganz links) verteidigte für die Löwen zwischen 1994 und 1996 (18 Spiele, null Tore). Der 1969 geborene Kroate kickte bis Sommer 2008 als Profi in seiner Heimat weiter. Sein letzter Verein war NK Primorac Belgrad. © dpa
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Auch Harald Cerny hat eine "rote Vergangenheit", spielte aber nur für zwei Jahre als Profi beim FC Bayern. Von 1995 bis 2007 trug der Österreicher dann den Dress der Sechzger (263 Spiele, 17 Tore). Cerny blieb seinem Verein verbunden und arbeitet heute als U15-Trainer bei 1860. © dpa
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Didier Dheedene spielte nur ein Jahr lang bei den Löwen. Nach 18 Spielen (ein Tor) in der Saison 2001/2002 war dann aber Schluss. Seine Karriere setzte der Defensivspieler bei Austria Wien und Germinal Beerschot fort, wo er seine Karriere 2007 beendete. © dpa

Quelle: tz

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