Brausehersteller suchte Fußball-Standort

Investor-Hammer: Red Bull hatte die Löwen im Visier

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Löwenfans protestieren gegen das "Marketingkonstrukt" RB Leipzig.

München - München statt Leipzig? Als Red Bull vor über acht Jahren nach einem Fußball-Standort in Deutschland suchte, war offenbar auch der TSV 1860 ein Kandidat.

Fünf Punkte trennen RB Leipzig vom dritten Platz in der 2. Bundesliga. Dem Platz, der zur Teilnahme an der Relegation berechtigen würden. Der von Red Bull finanzierte Ost-Klub ist also noch im Rennen um die Aufstiegsplätze - und das in seiner ersten Zweitliga-Saison. Der 2:1- Sieg gegen den SV Darmstadt vom Wochenende hat die Hoffnungen unter den Anhängern noch einmal befeuert.

Dabei hätte alles ganz anders laufen können. Denn dass der finanzkräftige Brause-Hersteller sich vor sechs Jahren für den Standort Leipzig entschieden hat, war nicht von vornherein klar. Wie die Welt berichtet, hatte der von Dietrich Mateschitz gegründete Getränkehersteller in der Planungsphase auch andere Vereine im Blick: den FC St. Pauli, Fortuna Düsseldorf - und den TSV 1860 München.

Red Bull hatte vier Klubs im Visier - auch 1860

Am Beispiel St. Pauli berichtet die Welt, wie Red Bull über Mittelsmänner vor achteinhalb Jahren an den Verein herantrat und Interesse an einem großen Sponsoring bekundete. Und schließlich bei einem Meeting die Karten auf den Tisch legte: Red Bull wollte St. Pauli kaufen.

Doch der Hamburger Kult-Verein war offenbar nur eine mögliche Variante. Auf der Suche, wo sich das Red-Bull-System am besten realisieren ließe, habe sich der Konzert laut dem Bericht auf vier Standorte fokussiert. Einer davon war demnach München.

Der TSV 1860 befand sich zu dieser Zeit in einer sportlich wie wirtschaftlich schwierigen Phase: In der Saison 2005/06 hatten die Löwen erst zwei Spieltage vor Schluss den Klassenerhalt gesichert. Dazu hing die drohende Insolvenz wie eine dunkle Wolke über den Köpfen der Vereinsführung. Diese widrigen Umstände boten eine gute Verhandlungsposition für einen finanzstarken Investor wie Red Bull.

Leipzig im Auf-, 1860 im Abstiegskampf

Beim FC St. Pauli - zu diesem Zeitpunkt sportlich ebenfalls wenig erfolgreich - wurde nach den ersten Gesprächen aber schnell deutlich, dass ein Einstieg keine realistische Option ist: "Für mich und auch die meisten anderen war aber von Beginn an klar, dass wir nicht zusammenkommen würden. Das Thema schaffte es nicht mal in die Präsidiumssitzung", sagt der spätere Klubpräsident Stefan Orth gegenüber der Welt.

Auch die Löwen blieben eigenständig, bis sich der Verein vier Jahre später mit Hasan Ismaik einem jordanischen Investor öffnete. Red Bull zog weiter - und fand in Leipzig seinen passenden Standort. Der Verein startete eine Aufstiegsserie von der Oberliga bis in die 2. Bundesliga und klopft nun an der Tür zu Deutschlands höchster Spielklasse.

Die Münchner Löwen kämpfen derweil gegen den Abstieg. Und dennoch dürfte ein nicht zu vernachlässigender Teil der Anhängerschaft froh sein, dass der Getränkehersteller trotz aller Millionen seine Zelte nicht in München aufschlug. Vor den Duellen mit RB protestierten Löwenfansgegen das "Marketingkonstrukt" in Leipzig. Ein Einstieg von Red Bull hätte die Anhänger wohl - einmal mehr - gespalten.

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dg

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