tz-Interview mit Leipzig-Fan

RB-Blogger: "Auch 1860 hat doch einen Investor"

Infos zu RB Leipzig gibt’s unter http://rotebrauseblogger.de

München - Kein Zweitligaverein polarisiert mehr als RB Leipzig. Die tz sprach mit einem, der sich auskennt bei den Leipzigern: Matthias Kießling (40) schreibt als Blogger seit 2010 über den Klub.

Matthias Kießling, Blogger

Kein Zweitligaverein polarisiert mehr als RB Leipzig. Einige 1860-Fans haben für Sonntag zu einem Protestmarsch vom Stachus zur Arena aufgerufen, Präsident Gerhard Mayrhofer hingegen sagte im Fürstenfeldbrucker Tagblatt: „Es gibt halt Neider und Fans, die gegen einen angeblichen Retortenklub protestieren. Aber es ist legitim, was man bei RB Leipzig macht. Uns hat das nicht zu interessieren.“ Die tz sprach mit einem, der sich auskennt bei den Leipzigern: Matthias Kießling (40) schreibt als „roterbrauseblogger“ seit 2010 über den Klub.

Herr Kießling, warum machen Sie das?

Kießling: (lacht) Ich schreibe gerne, interessiere mich für Fußball und war damals in Elternzeit, als ich mit dem Blog begonnen habe. Ich komme eigentlich aus Cottbus, war Energie-Fan, aber das ist schon Ende der 90er erkaltet. Als ich Anfang 2000 nach Leipzig gezogen bin, habe ich mich mir die Szene hier angeschaut, die leeren Versprechungen, all das verbrannte Geld. Als Red Bull mit einem Plan und dem nötigen finanziellen Hintergrund gekommen ist, hat mich das interessiert. Zum Fan war es dann nicht mehr weit.

Müssen Sie sich oft rechtfertigen?

Kießling: Anfangs in der Familie bei den Dynamo-Dresden-Fans war’s nicht leicht, aber das hat sich gelegt. Auch die Internet-Debatten bewegen sich zumeist auf einer sachlichen Ebene.

Wie beurteilen Sie die Protestaktionen die von gegnerischen Fans initiiert werden?

Kießling: Ich kann manche Argumente wie die Mitglieder-Mitbestimmung durchaus nachvollziehen. Aber auf der formalen Ebene verstößt der Klub gegen nichts, was die DFL vorschreibt. Jede Vereinsgründung ist ein Kind ihrer Zeit. Hier wurde der Verein von einem Unternehmen gegründet. Gerade in der früheren DDR ist der Punkt der Vereinsgründungen selten etwas, auf das man stolz sein kann.

Zahlreiche Fans sehen RB Leipzig als reine Marketingmaßnahme, die traditionelle Geschäftsmodelle im Fußball mit schierer Finanzkraft chancenlos mache.

Kießling: Ich finde es schwierig, wenn Leute so tun, als dürfe sich im Fußball nichts verändern. Vereine mit unterschiedlichen Finanzmodellen hat es doch immer schon gegeben. Da wird die Diskussion schnell heuchlerisch. Auch 1860 hat doch einen Investor. Meine Erfahrung zeigt mir: Je näher die Leute dran sind an dem, was hier passiert, desto nüchterner sehen sie es. Hier wird eine gewachsene Mannschaft gezielt verstärkt. Und letzlich werdennur die Leute in Leipzig darüber entscheiden, ob’s funktioniert - nicht die Fans in Kaiserslautern oder Duisburg. Ich sehe das mit der Fußballromantik so: Schön, wenn man sie hat. Aber wenn nicht, dann ist es auch okay. Ich

frage mich öfters, ob es den Ultras um die Vereine geht, oder doch eher um sich selbst. Da ist viel Egozentrik dabei.

Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz spricht schon von der Deutschen Meisterschaft. Sie auch?

Kießling: (lacht) Mateschitz ist ein bisschen fußballfremd. Die Bundesliga in zwei, drei Jahren, das halte ich für realistisch. Aber der dauerhafte Sprung in die Spitzengruppe, das ist schon extrem. Dazu brauchst du sicher nochmal vier, fünf Jahre.

Interview: lk

 

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