Wie glücklich ist das Duo darüber?

Rejek und Schmidt: Beförderung wider Willen

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Heinz Schmidt (l.) und Markus Rejek.

München - Mit Vize Heinz Schmidt und KGaA-Chef Markus Rejek wurden bei den Löwen zwei Hintergrund-Arbeiter aufgewertet, die sich noch etwas schwer tun, plötzlich so viel Verantwortung (und Macht) zu schultern.

Bekanntlich muss man beim TSV 1860 jederzeit mit allem rechnen – da geht es den Fans in der Kurve nicht anders als den Männern in der Teppichetage. Seit dem Wochenende stehen plötzlich zwei Funktionäre in der vordersten Reihe der Verantwortungsträger, die ihre neuen Rollen nie angestrebt haben – und bei der Mitgliederversammlung in der TonHalle den Eindruck erweckten, nicht ganz glücklich zu sein mit ihren Beförderungen.

Heinz Schmidt, vormals Vize, schreibt Geschichte als Ein-Mann-Präsidium, nachdem sein eigener Rücktritt rechtlich unwirksam war, wohingegen Siegfried Schneider und Karl-Christian Bay planmäßig aus der Übergangsspitze schieden. Und Markus Rejek? Der wurde beim Gesellschaftertreffen in Abu Dhabi zum starken Mann in der Geschäftsführung ernannt. Rejeks Auftrag besteht fortan darin, den aufgerückten Co-Geschäftsführer Noor Basha zu führen – und Gerhard Poschner zu überwachen, den degradierten Sportchef auf Zeit. „Ich habe diese Konstellation gefürchtet“, kommentierte Schmidt seine Aufwertung wieder Willen. Rejek sprach von einer „skurrilen Situation“ und teilte vorsorglich mit, er sei bei 1860 „per se nicht mit sportlicher Kompetenz angetreten“. Sondern: als Fachmann für die Bereiche Marketing und Finanzen.

Schmidt sieht sich weiterhin als Mann im Hintergrund („Ich bin Vize, nicht Präsident“), akzeptiert aber inzwischen, dass er noch eine Weile im Amt bleiben wird. Satzungsgemäß bis zum Juli 2016, wenn die dreijährige Amtszeit des letzten ordentlich gewählten Präsidiums abläuft. Oder eben bis zu einer Außerordentlichen Mitgliederversammlung – wann auch immer diese einberufen wird. „Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich die Arbeit als Schatzmeister sehr gerne mache und dass ich bei geeigneter Konstellation auch geneigt wäre, wieder zu kandidieren“, sagte Schmidt am Sonntag und hatte womöglich eine sehr nahe liegende Konstellation im Sinn. Mit Siegfried Schneider nämlich, der lediglich betonte, nicht für ein dauerhaftes Präsidium zur Verfügung zu stehen.

Denkbar wäre, dass es dem neuen Verwaltungsrat (um Bay) gelingt, Schneider zu überreden, zumindest bis 2016 weiterzumachen. Der Vorteil läge auf der Hand: Schneider ist mit allen komplexen Themen vertraut und scheut die Causa Poschner (Ultimatum bis Oktober) ebenso wenig wie den ewigen Machtkampf mit dem Investor. Der Verkauf von Hasan Ismaiks Anteilen ist womöglich nur auf Eis gelegt.

Der fleißige Schmidt, 54, könnte Schneider im Hintergrund entlasten. Er scheint sich als Vize schon deshalb wohler zu fühlen, weil er keine große Lust verspürt, sich als Frontmann mit dem streitbaren Investor aufzureiben. „Wir wissen nicht warum, aber Ismaik war für uns nicht mehr erreichbar“, erinnert er an die Probleme, an denen das Präsidium Gerhard Mayrhofer gescheitert war: „Wir wussten auch nicht, warum er nicht mehr mit uns spricht.“

KGaA-Chef Rejek, 47, dagegen war vorige Woche dabei, als eine kleine Abordnung Hasan Ismaik einen Besuch abstattete. „Ich froh und dankbar, dass die Gespräche in Abu Dhabi stattgefunden haben“, sagte er: „Und dass die Gesellschafter auf einem seriösen, guten Weg miteinander gesprochen haben.“ Ihm selber sei es um „operative Themen“ gegangen, um infrastrukturelle vor allem. 1,2 Millionen Euro wurden für neue Krafträume und bessere Rasenplätze bewilligt – und für den Ausbau der Fußballschule. „Wir wollen sie größer machen und ihr mit Bernhard Winkler ein Gesicht geben“, verkündete Rejek: „Wir wollen, dass zehnjährige Kinder das 1860-Trikot nicht mit Scham, sondern mit Stolz tragen. Dazu müssen wir blaue Berührungspunkte schaffen.“

Fußballschule mit Bernhard Winkler als Aushängeschild

Nach einem sportlichem Aufbruch der Profis klang es nicht unbedingt, was Rejek vor den Mitgliedern erklärte. „Die große Aufgabe besteht darin, uns unabhängiger zu machen von sportlichem Erfolg“, sagte er. Seine Auffassung ist, dass den Löwen eine Portion Demut gut ansteht, nachdem man dem Tod in der Relegation gerade so von der Schippe gesprungen ist. „Wir wollen weiter den Weg der Konsolidierung gehen und im Nachwuchsbereich gut arbeiten“, betonte der KGaA-Chef und erntete vor allem für folgender Bemerkung schrille Pfiffe: „Wir sind in der 2. Liga angekommen. Wir müssen froh sein, wenn wir ein solider Zweitligist sind. Das Ziel muss sein, einfach genügend Punkte zu sammeln, um nicht wieder in eine Situation wie voriges Jahr zu gelangen.“

Und dann sprach Rejek doch noch großen Teilen des Anhangs aus der Seele. „Wir treten uns leider immer wieder selber vors Schienbein“, spielte er auf die ewigen Querelen im Führungszirkel an: „Was in den letzten Wochen passiert ist, ist der Wahnsinn. Das muss aufhören. Es muss Ruhe einkehren in diesen Verein.“ Ein nachvollziehbarer Wunsch. Doch bekanntlich ist bei 1860 mit vielem zu rechnen, nur nicht mit Ruhe.

Die Mitgliederversammlung zum Nachlesen im Ticker

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