"24 Stunden für Fußball leben"

Ricardo Moniz: So tickt der neue Ober-Löwe

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Ricardo Moniz in seinem Fußballkeller.

München - Nachdem Ricardo Moniz am Mittwoch seinen Zweijahresvertrag unterschrieben hatte, plante er Donnerstag auf der Geschäftsstelle mit den Löwen die neue Saison. Wie tickt der neue Löwendompteur eigentlich?

Der Mann lebt nur für den Fußball. Ricardo Moniz, der neue Löwentrainer, fühlt sich deshalb auch im Keller seines Hauses in Holland pudelwohl, wo er sich einen Raum gegönnt hat, der vollgestopft ist mit Bildern, Trikots, Plakaten und sonstigen Fußballdevotionalien. Wobei natürlich vor allem die niederländische Geschichte Berücksichtigung fand. Der vor knapp fünfzig Jahren in Rotterdam geborene Moniz, der einst für den FC Eindhoven, Haarlem, Walwijk, Eeklo und Helmond in seiner Heimat gespielt hat, gilt als „fußballnarrisch“ und mit Hilfe dieser Einstellung soll auch der TSV 1860 wieder besseren Zeiten entgegensehen. Nachdem Moniz am Mittwoch seinen Zweijahresvertrag unterschrieben hatte, plante er Donnerstag auf der Geschäftsstelle an der Grünwalder Straße mit den Verantwortlichen der Löwen die neue Saison. Am Abend flog er erst mal wieder heim nach Holland. Nächste Woche wird er offiziell in München vorgestellt.

Und so tickt der neue Löwendompteur

Seine Philosophie: Absolut oranjelike. Moniz ist ein Verfechter des 4-3-3, das auch Sportchef Gerhard Poschner als Spielsystem ausgegeben hat. Der neue Löwencoach schwört auf die Ideen des legendären holländischen Trainers Wiel Coerver, der in den Sechzigerjahren in seinem Land mit neuen Trainingsmethoden, die vor allem auf exzellenter Ballbeherrschung basierten, den Fußball revolutioniert hat. Die Verehrung für Coerver ging bei Moniz sogar so weit, dass er, als ­Coerver vor drei Jahren mit 86 starb, die Mannschaft von Red Bull Salzburg bei einem Spiel mit Trauerflor auflaufen ließ.

Seine Besessenheit: Während seiner Trainertätigkeit beim Hamburger SV als Assistent von Martin Jol kümmerte sich Moniz nach getaner Arbeit bei den Profis um den Nachwuchs im Verein, war sich dabei auch nicht zu schade, bei der F-Jugend vorbeizuschauen und mal ein Training zu leiten. Er ließ die Übungen sogar filmen und besorgte selbst im Elek­tromarkt die DVD-Rohlinge.

Seine Erfolge: Red Bull Salzburg bescherte Moniz in der Saison 2011/2012 das erste Double – Meisterschaft und Pokalsieg – in der Vereinsgeschichte. Er war ein Jahr zuvor Nachfolger des entlassenen Huub Stevens geworden.

Sein Auge: Moniz entdeckte 2012 für die Salzburger bei Barcelona B Mittelstürmer Jonatan Soriano, der in der abgelaufenen Meisterschaftssaison 31 Tore für Red Bull erzielte und mit acht Treffern zudem Torschützenkönig in der Europa League wurde.

Sein Rückgrat: Obwohl Moniz seinen Vertrag bei Red Bull 2012 verlängert hatte, warf er kurz darauf die Brocken hin. Grund: Der neu installierte Vereinsarzt bestand darauf, sich in die Trainingssteuerung einmischen zu dürfen. Moniz wollte sich das nicht gefallen lassen und ging. Kurios: Wenige Wochen danach wurde der alte Vereinsarzt wieder eingestellt.

Seine Schwächen: Trotz des Doublegewinns hielten ihm Kritiker in Salzburg vor, die Spieler zu sehr an der langen Leine zu führen. Was vor allem die südamerikanische Fraktion in der Mannschaft schamlos ausgenutzt habe. Nachteilig wurde Moniz auch ausgelegt, dass er als Chefcoach auch immer wieder mal bei den Trainingsspielchen mitgemacht hat.

Sein neues Leben: „Du musst 24 Stunden für den Fußball leben“, sagte Moniz am Donnerstag zur tz. Bei Red Bull war er nah dran. Er wohnte nicht im feudalen Hotel, sondern in einer einfachen Pension außerhalb von Salzburg, die er nur zum Schlafen aufsuchte. „Gott sei Dank ist meine Lebensgefährtin auch verrückt“, sagte der 49-Jährige damals. Ansonsten sei im Fußball vor allem „eine Mischung aus Know how und Leidenschaft wichtig. Und als die Anfrage von 1860 kam, musste ich nicht lange überlegen. Gerhard Poschner kenne ich schon länger, und ich habe bei allen Verantwortlichen sofort den Hunger verspürt, etwas zu schaffen.“ Die Ziele? Moniz: „Erstmal, uns so konkret wie möglich zu verstärken.“Ein Spieler von Barcelona B soll in Kürze vorgestellt werden.

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tz

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