Innere Blockaden

Moniz will 1860-Taktik ändern - aber darf er das?

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1860-Trainer Ricardo Moniz steht unter Druck.

München - Die Löwen wirken seltsam gehemmt, auch gegen den FC Ingolstadt. 1860-Trainer Ricardo Moniz würde gerne die Taktik ändern, doch darf er das?

Dieser Biss. Diese Leidenschaft. Genauso hatte sich Ricardo Moniz das vorgestellt. „Alle waren heute sehr angefressen im positiven Sinn“, sagte der 1860-Trainer und hob insbesondere den Einsatzwille von Daniel Adlung, Guillermo Vallori und Julian Weigl hervor. Der Haken bei der Sache: Besagtes Trio lebte die angestaute Aggressivität im Reservistentraining am Sonntag aus. Die elf bzw. 14 Löwen-Profis, die tags zuvor gegen Ingolstadt ein glückliches 1:1 geholt hatten, genügten nicht ansatzweise dem kämpferischen und spielerischen Mindeststandard. „Wir waren zu passiv“, klagte Moniz und wiederholte diesen Satz so aktiv und häufig, als könne er den bedauernswerten Rückschritt damit ungeschehen machen.

„Die Wahrheit kommt immer oben“, sagte Moniz, und die Wahrheit beim TSV 1860 schaut weiterhin trostlos aus. Noch immer kein Heimsieg, noch immer dem hinteren Relegationsplatz näher als dem vorderen. Die Arena war am Tag des Wiesnauftakts trotz idealen Wetters schwach besucht (erschreckend leer vor allem die Vip-Tribüne). Und jetzt, da sechs Spiele vorüber sind, drängt sich ein Vergleich mit der Vorsaison auf. Damals erlebte Alexander Schmidt das Ozapfen bereits als Privatier, obwohl er neun Punkte geholt hatte (drei mehr als Moniz). Auf Platz 6 der Tabelle liegend war Schluss für den Coach, der die Erwartungen von Präsident Gerhard Mayrhofer so bitter enttäuscht hatte.

Auch das Moniz-Team enttäuschte am Samstag auf ganzer Linie. Ingolstadt war durch den überragenden Pascal Groß verdient in Führung gegangen (16.) und bis zum schnellen 1:1 durch Rubin Okoties fünften Saisontreffer (20.) drückend überlegen. „Danach hatten wir ein paar gefährliche Aktionen nach vorne“, analysierte Kapitän Christopher Schindler. „Die zweite Halbzeit war dann allerdings zum Vergessen.“

Schindler beklagte riesige Löcher im Mittelfeld. Vor allem die körperlos spielenden Spanier Ilie Sanchez und Edu Bedia zeichneten dafür verantwortlich (worüber Schindler höflich hinweg schwieg). In der Pause sei seitens des Trainers die Direktive gekommen, „den Ballführenden unter Druck zu setzen, aber das würde nicht gemacht“, so der Kapitän. „Ingolstadt hatte mehr Chancen, mehr Bewegung“, sagte Gary Kagelmacher, Schindlers Partner in der Innenverteidigung. Einziges Plus der Löwen: Wie bereits in St. Pauli ging die Chancenverwertung in Richtung 100 Prozent, was Moniz nur bedingt zufrieden stellte. „Natürlich haben wir gegen den Tabellenführer gespielt“, sagte er, „trotzdem haben wir haben uns alle viel mehr Torchancen vorgestellt.“

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Die erste Analyse von Moniz hat ergeben, dass das Team nicht selbstbewusst sei, obwohl die letzte Niederlage sechs Wochen zurück liegt (0:3 gegen Leipzig). Und speziell die im Schlussverkauf erworbenen Martin Angha und Valdet Rama seien noch nicht fit genug. „Leonardo hat fast rechter Verteidiger gespielt“, beschrieb er das Leiden von Anghas Seitenpartner. Und was Rama angeht: Der habe das 1:1 zwar perfekt vorbereitet, aber die Luft des Albaners reiche eben noch nicht, um 93 Minuten lang für Betrieb zu sorgen, wie das die Außen des FCI vorexerziert haben.

Moniz überlegt jetzt, wie er es schaffen kann, der Mannschaft ihre Blockade zu nehmen. „Einige haben vielleicht Stress“, räsonierte er, „sie fühlen sich vielleicht noch nicht so frei.“ Letzteres könnte auch für ihn selber gelten. Erneut zeigte der Trainer auf, wie die Taktiklösung für das nächste Spiel aussehen könnte: Rodri und Okotie vorne, Rama und Leonardo als eingerückte Außen – dahinter Chefzweikämpfer Stark und vielleicht Weigl. Jedoch: Die Fesseln, die für das Team gelten, gelten auch für Moniz. Darf er das einfach, sich der 4-3-3-Doktrin zu widersetzen? Und was, wenn er gleich beide Spanien-Importe draußen ließe, auf die Sportchef Gerhard Poschner so stolz ist? „Ich respektiere Ihre Meinung“, sagte er zu einem Journalisten, der Sanchez und Bedia als Schwachpunkte geißelte, „aber als Trainer muss ich die Spieler schützen.“ Vor allem aber muss sich Moniz selber schützen. Zur Erinnerung: Der Abpfiff für Schmidt erfolgte nach einem 0:2 gegen Sandhausen, dem 1860-Gegner morgen um 17.30 Uhr.

von Uli Kellner

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