Randale im Relegationsspiel

Löwen-Rowdy auf der Anklagebank, dann sagt der Richter: „Ich bin glühender Bayern-Fan!“

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Bewährung statt Haftstrafe: Löwen-Fan Kevin M. bleibt dank Richter Thomas Müller (kl. Foto) ein freier Mann.

Ein weiterer Löwen-Fan ist nach der Relegations-Randale in der Allianz Arena verurteilt worden - von einem Anhänger des FC Bayern. Das Urteil fiel weniger hart aus. 

München - Er warf mit Fahnenstangen auf Polizisten und gezielt auch auf Spieler: Kevin M. (22) war einer der brutalsten Hooligans beim Relegationsspiel des TSV 1860 gegen Jahn Regensburg. Im Mai 2017 verloren seine Löwen und stiegen ab- das brachte den Hotelfachmann in der Allianz Arena völlig zum Entgleisen. Doch ins Gefängnis muss er nicht: Mit Richter Thomas Müller (56) ließ am Donnerstag ausgerechnet ein ausgewiesener Bayern-Fan Milde walten - und sprach nur eine zehnmonatige Bewährungsstrafe aus.

Wegen schweren Landfriedensbruchs stand Kevin M. vor Gericht. „Ich wollte niemanden verletzen, es tut mir leid“, sagte er. „Das Spiel war sehr emotional, es ist alles ein bisschen aus dem Ruder gelaufen.“

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Sitzschalen und Fahnenstangen aufs Feld geworfen 

In der Tat: Bereits während das Spiel noch lief, hatten Löwen-Fans ihre Sitzschalen herausgerissen und auch Fahnenstangen auf das Spielfeld geworfen. Einige Chaoten wurden bereits verurteilt, Reinhard H. (30) erhielt zuletzt sogar Haft.

Kevin M. nicht - aber im Prozess knöpfte sich Richter Müller, Namensvetter vom Bayern-Stürmer Thomas Müller (28), den Löwen-Fan so richtig vor. „Ich bin glühender Bayern-Fan. Aber ich respektiere, was die Löwen leisten. Auch Sie müssen das lernen.“ Und weiter: „Erzählen Sie mir nicht, dass Sie frustriert waren! Dieses Vorgehen hat nichts mehr mit Sport zu tun. Die Bilder sprechen für sich. Das sind Täter, die sich eine Identifikationsplattform nehmen - auch gegen den Willen des Vereins.“

Tatort Allianz Arena: Die Polizei marschiert in den Schlussminuten des Relegationsspiels der Löwen gegen Regensburg auf.

Staatsanwältin spricht von „roher Gewalt“

Laut Anklage hatte Kevin M. zwei Fahnenstangen aus kurzer Distanz auf den gegnerischen Torwart geworfen - „wie einen Speer“. Nur dank des Tornetzes wurde er nicht schwer verletzt. „Das war rohe Gewalt“, sagte die Staatsanwältin und forderte 13 Monate Haft.

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Doch nicht mit Richter Müller! „Ich möchte mir noch Bandbreite lassen für welche, die Sitzschalen geschmissen haben. Da sind wir dann bei weit über einem Jahr Haft“, sagte er.

Stattdessen muss Kevin M. nun 1000 Euro an eine gemeinnützige Organisation zahlen - und erhielt bundesweites Stadionverbot. Bitter für den Rowdy: Als er das hörte, wischte er sich eine Träne aus dem Auge. Denn seine Löwen darf zwei Jahre lang nur am Fernseher anfeuern. 

Tatwaffe: Mit dieser Fahnenstange soll Kevin M. den Regensburger Keeper anvisiert haben.

Richter erhebt Vorwürfe gegen Sechzig

Ein Richter rechnet ab! Nach seinem milden Urteil gegen den Löwen-Rowdy ging Thomas Müller (56) hart mit den Löwen ins Gericht: „Seit Jahren geht es nur bergab. Im Fernsehen habe ich mir Spiele angesehen, es war furchtbar. Der Verein hat viel Geld ausgegeben, aber es haut mit der Mannschaft nicht hin.“ Seine These: „Man hätte sich vor Jahren nicht auf Hasan Ismaik einlassen dürfen. Jetzt steht der Verein wieder am Anfang.“ Der Richter zu Kevin M.: „Die hatten die ganze Saison schlecht gespielt. Jahn war besser, das war doch absehbar. Ich verstehe Ihren Frust, diese Explosion einfach nicht. Das grottige Spiel entschuldigt Ihr Verhalten nicht. Es war nur eins von vielen ­grottigen Spielen im vergangenen Jahr.“

Andreas Thieme

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