Rubin Okotie über seine Zukunft

"Wenn ich wechsle, muss es eine Verbesserung sein"

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Wenig erfrischend: Rubin Okotie lässt alles abperlen – und drückt sich um ein Treuebekenntnis zu den Löwen.

Bad Häring – Einen beschwingten Rubin Okotie braucht der TSV 1860 aktuell mehr denn je, doch der österreichische Nationalstürmer gibt weiter den Eigenbrötler im Team.

Die schwierige Kaderplanung der Löwen – sie hat natürlich auch Einfluss auf das Hotel in Bad Häring, das den unberechenbaren Zweitligisten beherbergt. Noch am Freitag galt das „Panorama Royal“ als ausgebucht. Dann wurden unerwartet Zimmer frei – die von Bobby Wood (jetzt Union Berlin) und dem spanischen Doppel Ilie Sanchez/Rodri. Torsten Fröhling, Trainer der Münchner Reisegruppe, hofft jetzt, dass bald wieder jemand eincheckt. So gerne würde er kurzfristig ein, zwei Zimmer nachbesetzen. Oder will am Ende gar noch jemand den Verein verlassen?

Als Kandidat gilt nach wie vor Rubin Okotie, 28. Seinen 13 Treffern aus der Hinrunde ließ der Wiener Stürmer ein problematisches Halbjahr folgen: Formkrise infolge einer Knieverletzung. Erst im April stand er wieder auf dem Platz, fiel dort aber vor allem durch Gesten des Frusts auf: Scharmützel mit Gegenspielern, geringer Aktionsradius, null Torgefahr. Seine Körpersprache schien auszudrücken, dass ihn die eigene Schaffenskrise massiv belastet. Infolgedessen auch den Klub, in dem er sich zunehmend isolierte. Als die Mannschaft sich spät aufraffte, um Relegationsgegner Kiel in die Knie zu zwingen, war der kriselnde Stürmer längst ausgewechselt.

Jetzt, in Bad Häring, steht Okotie natürlich besonders im Fokus. Rodri ist ausgemustert, Wood verkauft, und sehr viele echte Torjäger gibt der Kader ansonsten nicht her. Stephan Hain okay, aber der fühlt sich wohler hinter einem klassischen Mittelstürmer. Okotie ist sozusagen der Letzte seiner Art. Doch seine wurschtige Ausstrahlung scheint er in die neue Saison rübergerettet zu haben.

Die Zeit für ein Gespräch ist knapp bemessen. Nur 15 Minuten, weil dann das kollektive Abendessen ansteht. 15 Minuten können sehr kurz sein, wenn jemand etwas zu erzählen hat. Oder sich mitteilen will. Bei Okotie wirkt der Interviewtermin wie eine lästige Pflicht. 27 Fragen, 27 knappe, fast schon stakkatoartige Antworten. Nach sieben Minuten und zehn Sekunden ist alles gesagt. Alles und nichts. Okotie quält sich ein Lächeln raus und steht auf. Servus. Ciao. Baba.

Das Wesentlichste, das Okotie von sich gegeben hat, betraf seine physisch-psychische Verfassung und die Vertragssituation. „Mir geht’s besser als in der Rückrunde“, sagte er: „Vom körperlichen Zustand her, aber auch vom Kopf. Die Pause war wichtig.“ Die Zeit seit Dezember sei natürlich belastend gewesen, gibt er zu. Er sei nicht er selber gewesen. „Definitiv nicht“, sagt der verhinderte Torjäger: „Ich war lange verletzt, musste dann auf Knopfdruck funktionieren. Manchmal klappt’s, manchmal nicht. Ich habe versucht, alles rauszuhauen, was drinnen war, aber natürlich hat mir einiges gefehlt.“ Eine Folge des Leistungslochs sei dann seine Laune gewesen: „Wenn’s nicht gut läuft, ist man nicht gut drauf, das ist normal.“

Normal findet es Okotie auch, dass ein stolzer Nationalspieler wie er die Fantasie anderer Menschen beflügelt. Es gab Gerüchte, dass ihn Austria Wien zurückhaben wollte. Von 1860 dagegen hat man zuletzt wenig Erhellendes zur Personalie Okotie gehört. Vertraglich gebunden ist er bis 2016, zuletzt war im Winter über eine Vertragsverlängerung diskutiert worden, seitdem herrscht Schweigen. „Im Fußball kann man nie wissen, was passiert“, drückt sich Okotie um ein Treuebekenntnis – direkte Wechselabsichten kommen ihm aber auch nicht über die Lippen. „Ich möchte mich sportlich verbessern, aber dazu muss ich nicht unbedingt 1860 verlassen“, sagt er: „Ich fühle mich wohl hier, und wenn ich wechsle, muss es eine Verbesserung sein.“ Eine Rückkehr in die Heimat ist für den ehrgeizigen Stürmer ebenso wenig ein Thema wie ein Wechsel innerhalb der 2. Liga.

Die große Frage wird nun sein, ob es der auf Harmonie bedachte Trainer schafft, den etwas eigenbrötlerischen Angreifer zurück aus dem Abseits zu holen, ihn wieder so in Stimmung und Form zu bringen, dass er sich selber und dem Team nicht im Wege steht. „Wir müssen eine echte Mannschaft sein, anders geht’s nicht“, betont Fröhling. Ein Okotie, der seinen Torriecher wiederfindet, würde schlagartig viele Probleme lösen.

von Uli Kellner

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