Schäfer: "... dann ist Schluss"

Robert Schäfer hat am Montag über die Lage des Vereins Auskunft gegeben
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Robert Schäfer hat am Montag über die Lage des Vereins Auskunft gegeben

München - Wie es um den TSV 1860 wirklich bestellt ist, haben Geschäftsführer Robert Schäfer und Schatzmeister Dieter Schneider hinter der Fassade der Geschäftsstelle enthüllt.

Der Kontrast war so groß, wie er wohl nur beim TSV 1860 herrschen kann. Draußen an der Grünwalder Straße herrschte strahlendes Winterwetter, Reiner Maurer kehrte zufrieden von der vormittäglichen Übungseinheit zurück („wenn wir Paderborn schlagen, hätten wir 28 Punkte und wären in Reichweite der vorderen Plätze“), alles in bester Ordnung – sollte man meinen.

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Wie lange werden wir dieses Team noch sehen?

Gabor Kiraly: Beim gut verdienenden Keeper gibt es eine Option bis 2012, Ersatzmann Tschauner könnte im Sommer ablösefrei gehen. © Sampics
Stefan Buck: Der vielseitige Zugang aus Augsburg ist eine Bank in der Defensive - und soll das auch nächstes Jahr noch sein © Sampics
Kai Bülow: Der Rostocker dürfte auch nächste Saison noch da sein. Im Gegensatz zu Kamerad Ghvinianidze, dessen Vertrag ausläuft. © Sampics
Stefan Bell: Die Leihgabe aus Mainz ist nach der Saison wieder weg. Nur der Aufstieg könnte daran was ändern. © Sampics
Antonio Rukavina: Der Serbe stand schon auf der Sommer-Transferliste, es fand sich kein Abnehmer. Ob die Nachfrage im Winter größer ist? © Sampics
Aleksandar Ignjovski: 1860 hat die Kaufoption an den AC Florenz veräußert. Andere Klubs dürfen die 2,2 Millionen Euro aber noch überbieten. © Sampics
Florin Lovin: Der Rumäne ist derzeit einer der Leistungsträger – und der aussichtsreichste Verkaufskandidat im Winter. © Sampics
Alexander Ludwig: Manager Stevic überlegte bereits, den Thüringer im Winter abzugeben, nun kriegt „Lude“ vielleicht doch noch die Kurve bei 1860. © Sampics
Daniel Bierofka: Der Vertrag des Kapitäns läuft aus, er hat sich eine Anschlussbeschäftigung zusichern lassen. Zwei, drei Jahre als Fußballer sind sicher noch drin. © Sampics
Stefan Aigner: Ob Stefan Aigner (Vertrag bis 2012) nächste Saison noch hier ist, muss stark bezweifelt werden. © Sampics
Daniel Halfar: Nach Nserekos Rauswurf ist Halfar erster Anwärter auf die Aigner-Nachfolge. © Sampics
Moritz Leitner: Beim Youngster sollten sich die Fans keine großen Hoffnungen auf eine weitere Saison bei 1860 machen. BVB-Coach Klopp will ihn im Sommer. © Sampics
Benny Lauth: Über eine Verlängerung des auslaufenden Vertrages wurde noch nicht verhandelt. Das Gehalt müsste wohl deutlich reduziert werden. © Sampics

Doch wie es um den Verein wirklich bestellt ist, das enthüllten

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Die Löwen am Rand des Ruins

Geschäftsführer Robert Schäfer mit Vereins-Vize und Schatzmeister Dieter Schneider hinter der Fassade der Geschäftsstelle. „Wir haben eine ernste Situation, wir reden über den Bestand des Vereins“, sagte Schäfer auf der kurzfristig einberufenen Presserunde, bei denen die beiden um Vertrauen für ihre Sanierungsmaßnahmen warben. Er sagte allerdings unverblümt: „Wenn wir sehen, dass das Konzept nicht umsetzbar ist, dann ist Schluss.“

Die Lage ist aber nicht nur extrem dramatisch, das von der DFL vorgegebene Zeitfenster für die Rettungsmaßnahmen ist auch einigermaßen schmal. „Wir haben massive Aufgaben bis zum 13. Januar“, sagte Schäfer. Bis dahin müssen die Löwen Liquidität vorweisen (laut SZ in Höhe von 5,3 Millionen Euro), um die Saison beenden zu können. „Wir kennen jede Untiefe“, sagte der Geschäftsführer. „Wir kennen jede Leiche im Keller.“ Oder, wie es Schneider formulierte: „Wir müssen versuchen, die Scherben zusammenzukehren und daraus etwas zu kitten.“

Wie lange werden wir dieses Team noch sehen?

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Gabor Kiraly: Beim gut verdienenden Keeper gibt es eine Option bis 2012, Ersatzmann Tschauner könnte im Sommer ablösefrei gehen. © Sampics
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Kai Bülow: Der Rostocker dürfte auch nächste Saison noch da sein. Im Gegensatz zu Kamerad Ghvinianidze, dessen Vertrag ausläuft. © Sampics
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Stefan Aigner: Ob Stefan Aigner (Vertrag bis 2012) nächste Saison noch hier ist, muss stark bezweifelt werden. © Sampics
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Moritz Leitner: Beim Youngster sollten sich die Fans keine großen Hoffnungen auf eine weitere Saison bei 1860 machen. BVB-Coach Klopp will ihn im Sommer. © Sampics
Benny Lauth: Über eine Verlängerung des auslaufenden Vertrages wurde noch nicht verhandelt. Das Gehalt müsste wohl deutlich reduziert werden. © Sampics

Bleiben eigentlich nur zwei Fragen: Erstens: Wie konnte es so weit kommen? Und zweitens: Wie sehen die Rettungsmaßnahmen aus? Frage eins ist, laut Schäfer und Schneider, relativ leicht zu beantworten. „Wir haben fünf Jahre lang massiv über unsere Verhältnisse gelebt“, berichtet Schäfer. „Wir haben uns nie davon verabschiedet, kein Erstligist mehr zu sein.“ Und Schneider erläutert: „Bei 1860 hat man nur nach der Liquiditätsdenke gehandelt, nicht nach dem Kaufmannsdenken. Und irgendwann holt einen das ein. 1860 ist ja kein Hexenwerk, das kann man zahlenmäßig erfassen. Man hat in der Vergangenheit immer auf die Zukunft gelebt.“

Entsprechend überdimensioniert fielen die Ausgaben aus. „Unser Jugendzentrum kostet drei Millionen Euro“, so Schäfer. „Das vom SC Freiburg 1,8 Millionen – und die machen auch eine hervorragende Jugendarbeit.“ Bliebe Frage zwei, die nach den Maßnahmen. „Wir brauchen Banken und Investoren“, sagte Schneider klipp und klar. Der Eigentümer einer Holdinggesellschaft (DSH) und eines Autohauses in Dachau erklärt aber auch, dass der Klub die eigenen Kosten rigoros senken muss: „Alles, was wir selbst einsparen, ist geschaffene Liquidität.“

Und Schneider räumte mit einem Irrglauben der Fans auf, nämlich mit der Annahme, „1860 kann nicht untergehen, man lässt uns nicht untergehen – aber wer ist man?“, fragt er. Einen Spielernotverkauf soll es laut Schäfer aber nicht geben: „Die Transfererlöse sind nur ein geringer Bestandteil des Konzepts. Darauf würde ich nie ein Konzept aufbauen.“ Draußen schien immer noch die Sonne, die Kiebitze sprachen über Ingolstadt und Paderborn. Trainingsfrei – soviel zum Sportlichen…

Bernd Brudermanns

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