Exklusiv: Vorort trifft Chef des Löwen-NLZ

Schellenberg: Jetzige U19 ähnlich stark wie Mannschaft mit Bender-Zwillingen

+
Wolfgang Schellenberg (li.) nahm sich viel Zeit für die Vorort-Mitarbeiter Jakob Neumaier (nicht im Bild) und Jörg Bullinger (r.).

Wolfgang Schellenberg spricht im zweiten Teil des Vorort-Interviews über die erfolgreiche U19, Parallelen zur einstigen U19-Mannschaft mit den Bender-Zwillingen und den großen Unterschied zwischen dem Junioren- und dem Herrenbereich.

 

Kommen wir zu U19, die aktuell auf Platz eins der Junioren-Bundesliga steht. Woran machen Sie den Erfolg fest?

Es sind viele Faktoren. Zunächst muss man sagen, dass der Jahrgang 97 schon immer ein sehr guter war – nicht nur heuer, sondern auch in der U14, U15 und U16.

Das ist eine sehr gute Basis. Der 98er-Jahrgang war in der Spitze auch schon immer gut. Diese Kombination gewährleistet eine wahnsinnig hohe Qualität im Kader – sowohl in der Spitze, als auch in der Breite. Es sind sieben Spieler, die heuer in der Nationalelf tätig waren. Das ist in der Spitze eine wahnsinnig hohe Qualität. Es sind teilweise Spieler auf der Bank gesessen, die vom Grundsatz her absolut top sind.

Außerdem ist es gelungen, dass die Mannschaft ein Team geworden ist. Der Start war natürlich optimal. Wenn Du mit zwei Kantersiegen in die Saison gehst und dann einen Lauf bekommst, wie beispielsweise in Karlsruhe, wo wir kurz vor Schluss das Spiel gedreht haben, sind das Faktoren, die Stabilität bringen.

Wie erklären Sie sich, dass der Unterschied zur vergangenen Saison derart groß ist?

Letztes Jahr ist die Mannschaft deutlich unter Wert gestanden. So wie wir heuer in einen positiven Lauf hineingekommen sind, sind wir letztes Jahr in einen negativen Lauf hineingeraten. Die Qualität der Mannschaft hätte nie dazu führen dürfen, dass man in Abstiegsgefahr kommt.

Sieben aktuelle Junioren-Nationalspieler tummeln sich in den Reihen der U19. Können Sie sich an eine so vielversprechende Mannschaft mit so vielen Talenten beim TSV 1860 erinnern?

Eine ähnliche Mannschaft gab es 2006, die in der U17 Deutscher Meister geworden ist und zwei Jahre später in der A-Jugend den Pokal gewonnen hat. Da sehe ich einige Parallelen. Damals, 2008, hatten wir schon viele Spieler, wie die Benders oder Timo Gebhardt, die schon gar nicht mehr in der U19 gespielt haben. Und trotzdem waren wir im Pokal erfolgreich.

Wo kann es heuer mit den A-Junioren hingehen?

Wenn ich rein tabellarisch rechne, gehe ich davon aus, dass wir es in die Endrunde schaffen. Dann gibt es keinen Favoriten mehr. Es werden vier sehr gute Mannschaften sein, bei denen Tagesform, Glück und vielleicht zu diesem Zeitpunkt die Verletzungssituation eine Rolle spielen werden.

Ob es eine gute oder schlechte Saison ist, wird sich ausschließlich darin widerspiegeln, ob sich aus dem Jahrgang Spieler zu Profis entwickeln oder nicht. Das sieht man aber erst in zwei, drei oder vier Jahren.

Sehen sie im aktuellen U19-Kader Spieler, die vielleicht in dieser Saison schon hochgezogen werden?

Nein! Ich glaube in der jetzigen Situation, würde man auch keinem Spieler einen Gefallen tun. Die Entwicklungsmöglichkeiten sind eigentlich optimal. Wenn es sich anbietet, werden wir versuchen, den einen oder anderen in der Rückrunde in der U21 mit einzubauen. Dort können sie erste Erfahrungen im Herrenbereich sammeln, aber der Schritt Jugendspieler zum Herrenbereich ist nun mal groß und auch entscheidend, wohin der Weg im Herrenbereich gehen wird. Da dürfen wir jetzt nichts überstürzen. Es geht im Moment im Profibereich darum, die Liga zu halten.

Die B-Jugend hat einen großen Abstand zu den Abstiegsrängen, umgekehrt ist die Endrunde aller Voraussicht nach auch nicht mehr drin. Wie schaffen es die Trainer, dass die Jungs die Köpfe nicht hängen lassen?

Genau da läge das falsche Verständnis vom Jugendbereich, wenn so eine Denke herrschen würde. Wenn es darum gehen würde, würde ich Jugendarbeit nach Ergebnissen und Tabellensituation bewerten. Genau das machen wir nicht. Wenn ich ein B-Jugendspiel anschaue, schaue ich ausschließlich auf Inhalte, mit der Einschränkung, dass wir nicht absteigen wollen. Genauso bei der A-Jugend. Es hat nichts damit zu tun, ob ich elf Punkte nach oben oder unten Abstand habe. Wenn wir mit der Mannschaft reden, sprechen wir nicht darüber, ob wir in Abstiegsgefahr kommen oder nicht mehr um die Meisterschaft spielen können, sondern über Inhalte, die wir bereits umgesetzt haben bzw. nicht umgesetzt haben. Daran müssen wir arbeiten und die Jungs wollen ja Profi werden. Da interessiert dann nicht das Tabellenbild.

Ist das dann nicht eine Umstellung für den Spieler, wenn er zu den Profis kommt, wo es nur um das nackte Ergebnis geht?

Nein, die Jungs wollen ja immer gewinnen. Von daher setzen sie sich automatisch unter Druck. Es ist von daher vielleicht sogar leichter, dass die Jungs nicht direkt von uns damit konfrontiert werden, was sie noch lernen müssen, sondern was sie können müssen.

Gibt es Spieler, die vielleicht auch zu verkrampft sind?

Eines unserer sechs Talent-Kriterien ist die Persönlichkeit. Ein Punkt dessen ist, das notwendige Mittelmaß zwischen der nötigen Ernsthaftigkeit und Lockerheit. Es gibt sicherlich Jungs, die sich sowohl in die eine, wie auch in die andere Richtung entwickeln.

Welche Rolle spielen die Eltern? Muss man sie diese teilweise bremsen oder ermutigen?

Eltern spielen immer eine große Rolle. Sie können in jeglicher Form positiv wie negativ einwirken. Es gibt Eltern, auf die man zugeht und sagt „Mensch, unterstützt uns doch etwas mehr. Er braucht auch die Unterstützung“. Es gibt aber auch Eltern, bei denen man hingehen muss und sagt „Bleib doch mal ein bisschen gelassener.“ Zwingen kann man die Jungs sowieso nicht. Das gehört mit zur Eltern- und Trainerarbeit.

Gibt es Elternabende?

Ja, es gibt am Saisonanfang mit jeder Mannschaft einen Elternabend. Dort werden Zielsetzungen besprochen und erklärt, welche Regeln und Normen im Umgang mit Eltern und Spieler generell vermitteln werden. Außerdem haben unsere Jungs dreimal im Jahr „Zielvereinbarungsgespräche“ mit den Trainern. Da sind die Eltern auch eingeladen. Da ist der Austausch dann relativ intensiv.

Gibt es in diesem Zusammenhang Unterschiede zu Spielern, die im Internat wohnen oder zuhause bei ihren Eltern leben?

Mit den Spielern, die hier im Internat leben, stehen in erster Linie unsere Pädagogen im Austausch. Da geht es dann auch nicht nur um Fußball, sondern auch um Unterkunft oder Schule.

Wie eng ist ihr Austausch mit der Profi-Abteilung bzw. Herrn Möhlmann?

Wir haben einmal die Woche ein Treffen, bei dem ein oder zwei Vertreter der Lizenzspielerabteilung dabei sind. Das sind in der Regel die Co-Trainer, Sportdirektor oder Necat Aygün. Dazu kommen die U17-, U19-, U21-Trainer und ich. Dort sprechen wir dann die NLZ-Mannschaften durch.

Hier geht's zum ersten Teil des großen Interviews mit Wolfgang Schellenberg

Interview: Jakob Neumaier und Jörg Bullinger

 

Quelle: fussball-vorort.de

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Aigner: „Zwei Bonusspiele, um die Saison zu retten“
Aigner: „Zwei Bonusspiele, um die Saison zu retten“
1860 bangt um Uduokhai - Amilton droht das Aus
1860 bangt um Uduokhai - Amilton droht das Aus
Abstiegskrimi und Aufstiegskampf am letzten Spieltag
Abstiegskrimi und Aufstiegskampf am letzten Spieltag
Vor Spiel in Heidenheim: Pereira packt Löwen bei der Ehre
Vor Spiel in Heidenheim: Pereira packt Löwen bei der Ehre

Kommentare