Exklusiv: Vorort trifft Löwen-Nachwuchsleistungschef

Schellenberg: Das machen wir mit Ismaiks Geld

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Wolfgang Schellenberg (li.) nahm sich viel Zeit für die Vorort-Mitarbeiter Jakob Neumaier (re.) und Jörg Bullinger (nicht im Bild).

TSV 1860 München II - Wolfgang Schellenberg ist sportlicher Leiter Nachwuchsleiter des Nachwuchsleistungszentrums der Löwen. Im ersten Teil des Vorort-Interviews spricht er über die mögliche Rückkehr von Torsten Fröhling, das "'Sprungbrett TSV" und Julian Weigl.

 

Sie kennen Torsten Fröhling schon seit 16 Jahren. Dem Münchner Merkur haben sie gesagt, er „habe das gewisse Etwas“, das man als Trainer für den Profifußball brauche. Wie enttäuscht waren Sie, dass er seinen Platz Anfang Oktober räumen musste?

Enttäuscht gar nicht. Er hat letztes Jahr eine hervorragende Leistung gebracht, als er den Klassenerhalt geschafft hat. Das wir heuer eine schwierige Situation haben, war, denke ich, jedem bewusst. Auch Torsten Fröhling war dies bewusst. Wenn man sich auf das Karussell Profi-Trainer begibt, ist es immer ein Faktor, dass man auch einmal beurlaubt wird, wenn der sportliche Erfolg ausbleibt.

Torsten Fröhling soll voraussichtlich im Sommer zum TSV zurückkehren. Steht schon fest, welches Amt er übernehmen wird?

Es sind jetzt mit ihm Gespräche geführt worden. Es ist von beiden Seiten die Bereitschaft da, dass er im Juli wieder eine Aufgabe im Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) übernimmt. Welche das ist, wird sich erst im Laufe der Rückrunde herauskristallisieren, wenn verschiedene Gedankenentwicklungen abgeschlossen sind.

In welche Richtung geht die Tendenz? Sehen Sie ihn eher als Trainer oder in einer leitenden Funktion im NLZ?

Es wird schon in Richtung Trainer gehen.

In der Vergangenheit wurden häufig Jugendtrainer hochgezogen, wenn der Chefcoach der Zweitligamannschaft entlassen wurde. Wie hat das ihre Antwort beeinflusst?

Auf der einen Seite ist es natürlich immer schön, wenn jemand die Chance bekommt. Viele Trainer, die im NLZ arbeiten, haben natürlich irgendwann einmal das Ziel, im Profibereich tätig zu sein. Das ist auch vollkommen in Ordnung, wenn man sich so ein Ziel setzt. Dass jeder Trainerwechsel für uns einen Herausforderung mit sich bringt, dass wir nach besetzen müssen, ist nicht immer einfach.

Wo "finden" Sie die neuen Trainer? Der Anspruch bei den Löwen ist ja enorm hoch...

Jeder Trainer, der im NLZ arbeitet, bringt gewisse Qualifikationen mit, die ihn dann auch erfolgreich arbeiten lassen. Es bietet sich dann natürlich an, dass man schaut, ob man auf jemanden aus den eigenen Reihen zurückgreifen kann.

Die Spende von Hasan Ismaik soll in die Infrastruktur und die Entwicklung des NLZ investiert werden. Was bedeutet das konkret?

Wir werden den Kabinentrakt renovieren. Im Gemeinschaftszimmer des Internats haben wir einiges gemacht. Das werden die Schwerpunkte sein.

Wieso wird das Geld nicht für den geplanten neuen Kunstrasen auf dem Trainingsgelände verwendet?

Das ist ein anderer Bereich, der sowieso schon abgedeckt ist.

1860 hat sich schon immer stark über den eigenen Nachwuchs definiert und zahlreiche heutige Bundesligaspieler hervorgebracht. Wie kommt es, dass das "Sprungbrett TSV" so gut funktioniert?

Ein wichtiger Punkt ist die enge Verzahnung im Nachwuchs- und Profibereich. Wenn der Profibereich nicht die Bereitschaft zeigt, junge Talente zu integrieren, würde es schwierig werden. Da können wir noch so gut arbeiten. Letztendlich glaube ich schon, dass wir eine ganz gute Arbeit machen und hochtalentierte Spieler anbieten. Die Bereitschaft, denen dann auch die Chance zu geben, ist der Schlüssel des Ganzen.

Was überwiegt bei Ihnen: die Freude, so viele etablierte Profispieler hervorgebracht zu haben oder die Trauer, dass man sie nicht hat halten können bzw. oft sehr günstig verkaufen musste?

Wir haben im Moment die Tatsache, dass wir unseren Talenten die 2. Liga anbieten können, wenn sie aus dem Jugendbereich herauskommen. Ich denke, dass ist für den ersten Schritt eine sehr gute Plattform. Wenn sich die Talente weiter entwickeln, wollen sie auch den nächsten Schritt machen, also in die 1. Liga. Das können wir im Moment nicht anbieten. Deshalb ist es vollkommen normal, dass sie den Sprung versuchen werden. Es muss Aufgabe und Ziel von uns sein, dass am Ende des Tages alle davon profitieren können.

So wie bei Julian Weigl...

Ja, das war ja ein Paradebeispiel, bei dem letztendlich alle profitiert haben. Wir als NLZ oder die Zweitligamannschaft von Julians Leistung, er selbst, weil er sich über die zweite Mannschaft und später die Profimannschaft für höhere Aufgaben, sprich erste Bundesliga, empfehlen konnte. Für ihn ist letztendlich eine vernünftige Ablöse bezahlt worden, von der auch der Verein profitiert hat.

Haben Sie erwartet, dass es so schnell bei ihm gehen wird?

Nein, dass habe ich nicht erwartet. Wir freuen uns alle für Julian, aber es kann wohl niemand erwarten, dass jemand nach einem Jahr 2. Liga sich gleich bei einem der Topvereine Deutschlands einen Stammplatz erkämpft.

Es gibt ja schon Spekulationen, dass er noch zum EM-Kader von Jogi Löw stoßen könnte. Wie denken Sie darüber? Ist das zu früh?

Zu früh gibt es aus meiner Sicht nicht. Die Leistung entscheidet und wenn er diese bringt, ist es auch gerechtfertigt, wenn er mitfahren würde. Sind Bessere da, müssen Bessere mitfahren.

Weigl kam mit 16 zum TSV 1860. Viele Talente fangen schon früher bei den Löwen an. Gab es Talente, bei denen schon im Alter von zehn, elf Jahren sichtbar war, das sie es schaffen würden?

Spontan fallen mir Stefan Aigner und Fabian Johnson ein, die schon ab der U11 hier im Verein waren. Wer es zum Profi schafft, wird sich aber erst irgendwann in der U19 oder U21 abzeichnen.

Warum so spät?

Weil noch viele Faktoren dazukommen, die man vorher noch gar nicht beurteilen kann. Was man sagen kann, ist ob jemand in der U11, U12 oder U13 wirklich heraussticht. Diese Jungs haben natürlich eine höhere Wahrscheinlichkeit, als Spieler, die "nur" den Kader ergänzen.

Interview: Jakokb Neumaier und Jörg Bullinger

 

Quelle: fussball-vorort.de

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