Schriller die Alarmglocken nie klangen

1860 vor Pokal: "Das kann Anreiz für die Jungs sein"

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Schöne Bescherung: 24 Stunden nach der 1:3-Pleite gegen Heidenheim mussten die 1860-Profis (v.r.: Rama, Okotie) mit den Fans Weihnachtslieder singen.

München - Am Samstag Abend sangen die Löwen gegen ihren Ligafrust an – und freuen sich auf das Achtelfinale im DFB-Pokal gegen Bochum.

Das desaströse 1:3 gegen Heidenheim war noch in den Köpfen, als die Löwen-Profis 24 Stunden danach ihren nächsten Auftritt hatten. Wieder waren sie über 90 Minuten gefordert, diesmal in einem echten Heimspiel, auf Giesings Höhen – und siehe da: Diesmal war Benno Möhlmann mit dem Gezeigten zufrieden. Mit dem Einsatz, der Leidenschaft, auch der Ausdauer. „Wenn ich mal rübergeschaut habe, haben alle mitgemacht“, lobte der Trainer die geschlossene Mannschaftsleistung.

Auch er selber hatte beim Adventssingen im Grünwalder Stadion beschwingt mitgeträllert, „und sogar der Daylon (Claasen) neben mir hat zum Schluss versucht, die Liedtexte vom Blatt abzulesen“. Ob Südafrikaner oder Oberbayer – keiner ließ sich hängen. „Schön, aber kalt“ fand Stürmer Marius Wolf das vorweihnachtliche Singen mit 350 Fans. „Sehr gut“ hat der Abend auch Linksverteidiger Maxi Wittek gefallen: „Ich habe alle Lieder mitgesungen – und die Löwenlieder auswendig.“ Lediglich Vitus Eicher fand auch kritische Worte für den skurrilen Gesangsabend. „Mit Weihnachten hatte das wenig zu tun“, meinte er: „Es war mehr ein Löwen-Feiertag.“ Allerdings merkte auch der Torhüter an: „Nach gestern hatte ich es mir schlimmer vorgestellt.“

Mit Anstand, Kerzen in der Hand und blauen Nikolausmützen auf dem Kopf brachten die 1860-Profis diesen etwas unpassend wirkenden Pflichttermin über die Bühne. Das Team saß eng zusammen, kommentierte leise das Geschehen (trotz des Schweigegelübdes), lachte viel, auch über sich selber. „Die Profis können ja singen“, staunte Vorsängerin Ulla Hoppen nach dem Vortrag von „Süßer die Glocken nie klingen“. Und einer aus dem Spieler-Pulk (Name der Redaktion bekannt) antwortete, mit einer gesunden Portion Sarkasmus: „Wenigstens das . . .“

Noch in der Früh war keinem im Löwen-Lager zum Lachen zumute gewesen, die Stimmung schien nach der Pleite zum Rückrundenstart am Tiefpunkt zu sein. Mit gesenkten Köpfen kamen die Spieler vom Auslaufen. Geredet hat keiner. Selbst Möhlmann, für den der Maulkorb-Erlass nicht gilt, gab zu, dass er wenig Lust auf das abendlichen Singen verspürte.

Durchaus nachvollziehbar. 14 Punkte nach 18 Spielen, zweite Heimpleite in Folge, fünf Punkte Rückstand auf Platz 15 – schriller die Alarmglocken nie klangen als zur Weihnachtszeit 2015. „Das ist sehr dürftig“, sagte Sportchef Oliver Kreuzer zur verheerenden Zwischenbilanz. Zum Kollektivversagen am Freitag sagte er: „Man hat gesehen, dass wir doch noch nicht so stabil sind. Heidenheim ist ja keine Übermannschaft. Die haben eine gute Physis, die laufen und marschieren – mit einfachen Mitteln können die uns besiegen. Da fehlt uns einfach dieser Schuss Erfahrung. Auch Überzeugung.“

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Möhlmann, der direkt nach dem Spiel keinen Hehl aus seinem Frust gemacht hatte („So macht mir das keinen Spaß“), forderte: „Wir müssen auf dem Platz enger zusammenrücken. Da muss man sehen: Das ist ein Team, das mit allem, was ihm zur Verfügung steht, die Liga halten will. Und das fehlt mir.“ Nach dem Zwischenhoch im November hatte der Trainer gehofft, „dass wir schon weiter sind“. Ein Irrtum, mal wieder. Der Sonntag blieb trotzdem frei, auch verbal beließ es Möhlmann bei einem vorweihnachtlich milden Tadel. „Die Jungs sind selber enttäuscht“, sagte er: „Sie sind mental nicht auf der Höhe.“

Man könnte annehmen, dass das Pokalspiel gegen Bochum nun zur Unzeit kommt. Weil es am Sonntag in Freiburg um wichtige Ligapunkte geht. Doch weit gefehlt. Möhlmann sieht das Achtelfinalspiel am Mittwoch als willkommene Abwechslung an. „Das ist eine Pokalsituation“, sagte er: „Das ist hopp oder topp. Da geht es darum, dass man mit einer Leistung wieder etwas Positives schaffen kann. Das kann Anreiz für die Jungs sein, noch einmal über sich hinauszuwachsen.“

Und wer weiß: Vielleicht hat ja das gemeinsame Singen dazu beigetragen, dass das Team, wie von Möhlmann gewünscht, enger zusammenrückt: „In der Vorweihnachtszeit war es auf jeden Fall eine der schöneren Veranstaltungen.“ Im trüben Löwen-Dezember 2015 sowieso.

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