Talent nutzt Chance

Yegenoglu: Der Mann, den keiner kannte

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An ihm führt kaum ein Weg vorbei: Sertan Yegenoglu (l.), Innenverteidiger-Entdeckung des TSV 1860.

München - Sertan Yegenoglu, 20, nutzte entschlossen seine Chance, sich bei 1860 erste Sporen zu verdienen. Der 1,90 m große Innenverteidiger ist binnen kurzem zur stabilen Größe geworden bei den Löwen.

Sertan Yegenoglu hatte nach seinem Profi-Debüt eine unruhige Nacht verlebt. „Ich schlief schlecht. Der Fehler war in meinem Kopf“, erzählt er. Dem 20-Jährigen war im Heimspiel gegen den Karlsruher SC ein folgenschwerer Fehlpass unterlaufen, er leitete damit das alles entscheidende 0:1 ein. „Auf gut Deutsch: Das war ein Scheiß-Anfang“, sagt er. Sechs Wochen ist das her. Inzwischen hört sich Yegenoglus Zwischenfazit anders an: „Besser hätte es für mich nicht gehen können.“

Der 1,90 m große Innenverteidiger ist binnen kurzem zur stabilen Größe geworden beim TSV 1860. In allen sieben vergangenen Pflichtspielen stand der Mann, den vor dieser Saison in München niemand kannte, in der Startelf. Eine Entwicklung, von der Yegenoglu sagt: „Daran war vor vier Monaten nicht zu denken.“

Seine ersten Talentbeweise hatte der im rheinischen Siegburg geborene Defensivspezialist beim 1. FC Köln geliefert, wurde gar von Horst Hrubesch zu Lehrgängen der U 18-Nationalmannschaft eingeladen. Der DFB-Trainer sorgte auch dafür, dass der technisch beschlagene Innenverteidiger, der einst als offensiver Mittelfeldspieler anfing, einen deutschen Pass erhielt. Die türkischen Wurzeln seiner Familie pflegte aber auch der junge Sertan. „In der Türkei kennen mich viele Trainer.“ Und als er vor einem Jahr das Seniorenalter erreichte, lockten türkische Erstligisten wie Kayserispor und Gaziantepspor mit Offerten. Der Transfer ins Land seiner Eltern scheiterte jedoch an der hohen Ausbildungsentschädigung, die der 1. FC Köln forderte. Letztlich blieb ihm nichts anderes übrig, als sein Glück beim Regionalligisten FC Hennef 05 zu suchen. „Eine schwere Zeit“, sagt er.

Beim TSV 1860, wo ihn sein Berater feil geboten hatte, war Yegenoglu im Sommer zunächst ebenfalls nur für die Regionalliga vorgesehen. 14 Partien bestritt er in Diensten der U 21. Als nach den Verletzungen von Kai Bülow und Rodnei bei den Profis die Innenverteidiger knapp wurden, versuchte es Trainer Benno Möhlmann mit dem Novizen. Yegenoglu: „Ich wusste, dass ich diese Chance nutzen musste.“

Dass ihm dies gelungen ist, bestätigt auch Sportchef Oliver Kreuzer: „Sertan macht seine Sache gut, er hat sich seine ersten Sporen verdient.“ Die beiden kennen sich schon länger. Kreuzer wollte das Abwehrtalent 2014 zum Hamburger SV holen. „So klein ist die Welt“, meint dazu Yegenoglu, der an die Löwen mit einem eher karg dotierten Fördervertrag bis 2017 gebunden ist. Gut möglich, dass daraus in absehbarer Zeit ein Profikontrakt wird. Kreuzer sagt dazu grundsätzlich: „Wir würden Sertan gerne länger behalten als bis 2017.“ Was auch ganz im Sinne Yegenoglus ist: „Ich will bei Sechzig bleiben, ich bin sehr glücklich hier.“ Wozu wohl auch die jüngsten Erfolgserlebnisse der Blauen beigetragen haben. Den Teamgeist beschreibt Yegenoglu so: „Die Mannschaft rückt von Tag zu Tag enger zusammen, wir kämpfen miteinander, helfen uns gegenseitig.“ Fehler sind da schnell verziehen.

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