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Daniel Bierofka: „Manni hat mein Gehalt aufgerundet“ - Rolle als Wagner-Nachfolger kein Thema

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Von: Uli Kellner

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Brüder im Geiste: Manni Schwabl und Daniel Bierofka verstehen sich – auch wegen ihrer blauen Vergangenheit.
Brüder im Geiste: Manni Schwabl und Daniel Bierofka verstehen sich – auch wegen ihrer blauen Vergangenheit. © Haching

Daniel Bierofka heuert in der kommenden Saison als U17-Trainer der SpVgg Unterhaching an. Kontakt zu den Löwen gab es derweil keinen. Das Interview.

München – Sportpark Unterhaching statt Grünwalder Straße, rotblauer statt weißblauer Verein, B-Junioren-Bundesliga statt Profifußball. Löwen-Idol Daniel Bierofka, 43, freut sich auf seine neue Aufgabe als U 17-Coach bei der SpVgg Unterhaching. Unser Interview mit dem Seitenwechsler, der in der Jugend selber in Haching ausgebildet wurde (1993/94).

Daniel, am 1. Juli wird aus dem tiefblauen „Biero“ ein Rotblauer. Wie hat Ihre 1860-affine Familie auf diesen Farb- und Vereinswechsel reagiert?

Ganz normal. Die stehen vollkommen dahinter, dass ich das jetzt mache. Da ging’s nicht um blau oder rotblau, sondern um eine Grundsatzentscheidung. Wir sind zum Ergebnis gekommen, dass es für meine Familie momentan die beste Lösung ist, wenn ich das Angebot von Manni Schwabl annehme.

Findet Ihr Auto überhaupt den Weg zum Sportpark?

Ja, klar. Ich kenn die Strecke noch aus der B-Jugend. Wobei ich damals gefahren wurde. Aber keine Sorge: Ich kenne den Sportpark recht gut.

„Ein ganz Blinder kann ich also nicht sein.“

Daniel Bierofka

Duisburg, Würzburg und gefühlt die halbe Regionalliga Bayern wollten Sie verpflichten. Wieso haben Sie sich für Hachings U 17 entschieden?

Also, das mit der Regionalliga Bayern muss ich zurückweisen, dass stimmt nicht. Es gab drei Drittligisten bzw. Vereine, die auf der Schwelle stehen, aber nirgends passte das Gesamtpaket so gut wie bei Haching. Da ging’s auch um Timing, um ein Bauchgefühl. Momentan ist es für uns einfach das Beste, wenn ich in München arbeite. Es bringt ja nichts, wenn ich zweifle, wenn ich woanders nicht mit voller Überzeugung und Kraft arbeiten kann. Es wird bei mir immer so sein, dass die Familie an erster Stelle steht. Ich werde mich nie über sie hinwegsetzen und meinen Kopf einfach so durchdrücken.

Die Vereine scheinen Sie immerhin nicht vergessen zu haben nach ihrem Tirol-Intermezzo.

Mei, ich glaub einfach, dass der Aufstieg mit 1860 noch relativ lange präsent sein wird in den Köpfen. Und wenn man bei Wikipedia meine Vita liest – da sieht man ja auch, dass ich 1860 zweimal in einer relativ schwierigen Situation über Wasser gehalten habe. Ein ganz Blinder kann ich also nicht sein (lacht). Aber klar: Es freut mich, dass mich die Vereine nicht vergessen haben.

Trotzdem wird es keine einfache Aufgabe. Den 2. Platz Ihres Vorgängers Marc Unterberger müssen Sie erst mal toppen . . .

Darum geht’s ja gar nicht. Wir sind im Ausbildungsbereich, da hast du jedes Jahr eine neue Mannschaft. Meine Aufgabe ist, dass ich die Hachinger Talente maximal gut ausbilde. Damit man sie verkaufen kann, sie ihren Weg in der U 19 weitergehen oder im Idealfall beim Sandro Wagner in der ersten Mannschaft aufschlagen. Klar: Absteigen sollte ich nicht, aber ob wir jetzt Vierter, Fünfter oder Zweiter werden – das ist sekundär. Und Deutscher Meister mit Haching zu werden – das wäre schon relativ ambitioniert.

„Dass wir gut miteinander auskommen, versteht sich von selbst.“

Daniel Bierofka über sein Verhältnis zu Manni Schwabl.

Wir tippen mal: Schwabl erwartet jetzt jedes Jahr einen neuen Adeyemi von Ihnen . . .

Auch das wird leider nicht möglich sein. Karim ist ein Ausnahmetalent – da haben vorher schon ein paar Gründe mit reingespielt, dass er in Unterhaching gelandet ist.

Indirekt finanziert der Adeyemi-Wechsel auch Ihr Gehalt, oder?

Da müsste man beim Manni noch mal nachfragen, aber er hat ja selber gesagt, dass er mein Gehalt auf- und nicht abgerundet hat. Daher wird’s schon so passen (lacht).

Schwabl dürfte überhaupt eine gewichtige Rolle bei Ihrem Wechsel gespielt haben. Zwei frühere Löwen-Kapitäne, volksnah und in beiden Lagern beliebt. Brüder im Geiste?

Weiß ich jetzt nicht, aber dass wir gut miteinander auskommen, versteht sich von selbst. Wir hatten immer ein gutes Verhältnis – und jetzt hat Manni einfach den richtigen Zeitpunkt erwischt. Mitte März hat er mich, glaube ich, das erste Mal kontaktiert.

„Nein, da gab es keinen Kontakt.“

Daniel Bierofka über den TSV 1860.

Sie haben ja gleich für drei Jahre zugesagt. Ist der Profifußball damit mittelfristig abgehakt für Sie?

Im Leben soll man nie nie sagen. Irgendwann sind die Kinder groß, dann ist es wieder eine andere Situation. Die nächste drei Jahre bin ich aber happy und zufrieden, im Sportpark zu sein.

Oder Sie beerben Sandro Wagner als Trainer der ersten Mannschaft.

Das war nie ein Thema und ist auch nicht meine Intention. Mannis übrigens auch nicht. Es ist ganz klar abgesprochen, dass Marc Unterberger derjenige ist, der nach Sandro Wagner übernimmt. Ich unterstütze jeden, der meine Hilfe braucht, aber meine Aufgabe ist definiert und heißt: U 17-Bundesliga.

Gab es da auch Kontakte zu Ihrem Ex-Verein 1860, nachdem Sie ja in unserem Herbst-Interview andeuteten, sich eine Rückkehr vorstellen zu können?

Nein, da gab es keinen Kontakt. Ich war zweimal im Stadion. Es ist gut, wie’s jetzt ist – mittlerweile ein normales Verhältnis, was mir auch wichtig war.

Die Löwen hoffen ja wieder auf den Aufstieg. Wie realistisch ist das?

Gar nicht so unrealistisch, wenn man sich die Konstellation genau anschaut. Sie haben’s zwar nicht selber in der Hand, aber das Pendel könnte schon noch in Richtung 1860 ausschlagen. Kaiserslautern hat jetzt definitiv richtig Druck. Klar muss da viel zusammenkommen, aber wenn es möglich ist, ist es auch vorstellbar. Meinen Segen haben die Löwen. Ich würde mir überhaupt wünschen, dass sie wieder so weit wie möglich nach oben kommen.

Viel diskutiert wird gerade auch, ob Trainer Michael Köllner bleibt oder geht. Wie ist Ihre Meinung zu Ihrem Nachfolger?

Das zu bewerten, ist nicht meine Aufgabe. Unter Kollegen macht man so was nicht, das steht mir auch nicht zu.

Künftig wird es ja U-17-Derbys geben: Biero vs. 1860. Ungewohnt, oder?

Was heißt ungewohnt? Bei Bayern-Amateure hatte ich das auch schon – und später bei Bayer Leverkusen. Damals hab ich sogar zwei Tore gegen 1860 geschossen.

Und welche Trikots werden Ihre Kinder David und Zoe dann tragen?

Neutral, denke ich. Es kann aber auch sein, dass meine Tochter rot-blau tragen wird – sie hat sich irgendwann mal vereinsübergreifend mit Fanartikeln eingedeckt.

Interview: Uli Kellner

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