Hachings Sturm-Oldie im Interview

Stroh-Engel: „Haching war einfach schneller als 1860“

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Drei Stroh-Engel im Sportpark: Hachings Sturmroutinier mit Adventsbasteleien gleichen Namens.

Dominik Stroh-Engel fühlt sich bei der SpVgg Unterhaching rundum wohl. Im Interview spricht der 34-Jährige über das S-Bahn-Derby gegen den TSV 1860 am Sonntag.

  • Dominik Stroh-Engel stellt auch bei der SpVgg Unterhaching seinen Torriecher erfolgreich unter Beweis
  • Der Stürmer freut sich auf das Derby und glaubt, dass die Löwen zum richtigen Zeitpunkt kommen
  • Ein Wechsel zum TSV 1860 scheiterte, weil sich der Klub zu lange Zeit ließ

München– Im Fanshop der SpVgg Unterhaching gibt es neuerdings Stroh-Engel zu kaufen: 200 Stück, handgefertigt von örtlichen Grund- und Mittelschülern. Ein karitativer PR-Gag. „Ich finde, dass sie hervorragend gelungen sind“, rührt Manfred Schwabl die Werbetrommel.

Ähnlich begeistert würde sich Hachings Präsident auch über den Namensgeber der Adventsbastelei äußern: Über Dominik Stroh-Engel, der an diesem Mittwoch 34 Jahre alt wird. Der kleine Börsenclub hatte den Sturmroutinier im Sommer vom Karlsruher SC übernommen, der keine Verwendung mehr hatte für den hünenhaften Torjäger (1,97 m, Schuhgröße 48). Aus Hachinger Sicht ein Coup, denn Stroh-Engel macht im Sportpark das, was er bei all seinen Stationen gemacht hat: Tore, Tore, Tore. Drei in der Liga und zwei im Totopokal stehen bisher zu Buche. Wir sprachen vor dem Derby gegen die Löwen mit dem nach Sascha Mölders und Ronny König (Zwickau) dritterfahrensten Stürmer der 3. Liga.

Herr Stroh-Engel, Sie haben in allen höheren Profiligen gespielt, meist im Südwesten, in Darmstadt, Wehen, Frankfurt, Karlsruhe. Ein echtes Derby fehlt aber in Ihrer Vita oder?

Mit Darmstadt haben wir in der Bundesliga gegen Frankfurt gespielt – das ist in Hessen mit das größte Derby. Das waren meine beiden Highlight-Derbys – vor allem, weil wir bei der Eintracht 1:0 gewonnen haben.

Kommen die Löwen zur Unzeit oder genau richtig – jetzt, da in Haching der anfängliche Schwung verloren gegangen ist?

Ich denke zur richtigen Zeit. Wir haben in Magdeburg auf die Mütze bekommen, auch verdient. Aber zum Glück kann sich im Fußball alles schnell drehen.

„Magdeburg war ein Ausrutscher“

Nach furiosem Start mit zwischenzeitlicher Tabellenführung gab es zuletzt nur acht von 21 möglichen Zählern, vier Spiele endeten 0:0. Was läuft schief?

Magdeburg war ein Ausrutscher. Grundsätzlich ist es so, dass wir defensiv sehr kompakt stehen. Auch wir Stürmer leisten vorne gute Arbeit. Dadurch haben wir mit die wenigsten Gegentore in der Liga bekommen. Derzeit leidet ein bisschen die Offensive. Für uns geht es jetzt darum, ein gesundes Mittelmaß zu finden.

Es ist ja nicht das erste Mal, dass Haching ergebnismäßig einknickt, diesmal sogar schon in der Hinrunde. Ein Kopfproblem?

Nee, überhaupt nicht. Von einknicken kann auch gar keine Rede sein. Wir haben ein Spiel verloren, das kann immer mal vorkommen. Entscheidend ist, dass wir unsere Lehren daraus ziehen. Für Sonntag bin ich guten Mutes.

„Intern spreche ich Dinge schon an“

Ist das eine Situation, in der Sie als Routinier besonders gefragt sind?

Auf jeden Fall. Ich bin jetzt keiner, der auf dem Platz rumschreit, aber intern spreche ich schon Dinge an. Das Gute ist: Es ist gar nicht nötig, auf den Tisch zu hauen, denn es ist ja alles intakt bei uns.

Es scheint Konsens zu sein, Haching sympathisch und irgendwie liebenswert zu finden. Sie können es beurteilen: Geht es im Sportpark wirklich anders zu als bei anderen Proficlubs?

So viel anders ist es nicht. Es sind Kleinigkeiten, die dafür sorgen, dass man sich schnell heimisch fühlt. Es wird viel gesprochen, viel analysiert und nicht gleich draufgehauen. Auch wenn man mal verliert, bleibt die Atmosphäre gut. Das fängt ganz oben in der Vereinsführung an: Dass da keiner ist, der durchdreht. Und es setzt sich fort bis zum letzten Spieler im Kader. Ich kenne Vereine, da ist das anders. Hier sind 17 Spieler, die eigentlich unzufrieden sein müssten, weil sie nicht von Anfang an spielen. Und trotzdem halten alle zusammen.

„Mölders? Wir nehmen uns nicht viel“

Im Karlsruher Aufstiegsjahr hatten sie exakt eine Einsatzminute, in Haching schon mehr als 600...

Darum ging es mir. Ich wollte allen zeigen: Ich bin noch da – nachdem ich zwei Jahre wenig gespielt habe, weil ich nicht in das System von Alois Schwarz (dem KSC-Trainer/Red.) gepasst habe.

Auch die Löwen setzen ja im Sturm auf Routine. Wer ist der bessere Knipser, Sie oder Sascha Mölders?

Ich glaube, wir nehmen uns nicht viel. Wir brauchen beide wenige Chancen für viele Tore (lacht). Das wird ein spannendes Duell am Sonntag.

Mölders ist ja wie Sie ein Stürmer vom alten Schlag, ohne die heute übliche NLZ-Sozialisierung. Ein Vor- oder ein Nachteil?

Es kann ein Vorteil sein – weil man den Fußball schon anders erlebt hat. Andererseits: Den Torriecher hat man oder man hat ihn nicht. Der Sascha ist auf dem Platz emotionaler, geht mehr aus sich raus, was auch gut für 1860 ist. Ich bin da anders.

Kein Bundesliga-Tor „ärgert mich richtig, richtig, richtig“

Anders als die heutigen Talente konnte Sie in Ihrer Jugend auch mal richtig feiern gehen, oder?

Leider nicht. Da haben meine Eltern schon drauf geachtet.

Wie sehr wurmt es Sie, dass Ihnen ein Tor in der Bundesliga verwehrt blieb. Immerhin sind Sie dreimal für Frankfurt und 19 Mal für Darmstadt im Oberhaus aufgelaufen?

Das ärgert mich richtig, richtig, richtig. Das hätte meine Karriere irgendwie vergoldet. Schade, aber es hat nicht sollen sein.

Dafür waren Sie in einer Saison der erfolgreichste Stürmer im gesamten deutschen Profifußball: 28 Treffer waren es im Darmstädter Aufstiegsjahr 2014. Ihr persönliches Karriere-Highlight?

Klar, das war generell eine geile Zeit. Auch die verrückte Relegation gegen Bielefeld – das gibt es kein zweites Mal.

„Bei 1860 hat das irgendwie länger gedauert“

Auch die Löwen hatten Sie vor der Saison auf dem Zettel. Hätte ein aufgeregter Verein wie 1860 überhaupt zu Ihnen gepasst?

Ich wollte mir alles anhören, aber bei 1860 hat das irgendwie länger gedauert. Bei Haching saß ich ruckzuck mit Claus Schromm und Manni Schwabl am Tisch. Am Ende waren sie einfach schneller und haben mich überzeugt.

Bei 1860 zeigt die Formkurve im Gegensatz zu Haching nach oben. Was erwarten Sie am Sonntag?

Viel Kampf, viel Leidenschaft – alles, was ein Derby mit sich bringt. Man muss über die Zweikämpfe reinkommen, bevor man es fußballerisch angeht. Wenn wir das schaffen, sind wir stärker als 1860. Wenn nicht, wird’s schwierig. Es wird ein ganz, ganz enges Spiel, in dem Kleinigkeiten entscheiden werden.

Oder ein Tor von Stroh-Engel. Wenn Sie treffen, dürften die gebastelten Stroh-Engel bald ausverkauft sein, oder?

(lacht) Das könnte sein. Die Kids haben das auf jeden Fall super gemacht. Tolle Aktion auch vom Verein. Ich hoffe, ich krieg‘ auch noch einen Stroh-Engel ab, wenn ich 10 oder 20 Euro spende.

Interview: Uli Kellner

Quelle: Merkur.de

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